Leserbrief

Bußgeldkatalog Das ist reine Abzocke und ändert nichts

Weder Maß noch Mitte

Seit Dienstag ist er da, der neue Bußgeldkatalog. Die Ordnungshüter werden von der Politik aufgefordert, diesen streng durchzusetzen. Da kommt etwas auf uns zu, auf den „Normalo“, den Bürger, der seine Einkäufe auf der einstig grünen Wiese tätigen muss, weil es innerörtlich so gut wie keine Läden mehr gibt! Da heißt es aufpassen, meine Liebste und mein Liebster!

Bei einer allzu forschen Fahrt zum Einkauf kann dich das nicht nur 80 Euro und einen von acht Punkten in Flensburg, sondern ab jetzt auch für einen Monat den Führerschein kosten. Am besten du überlegst bereits heute, welche Buslinien zu den Märkten führen. Oder du kaufst dir gleich ein teures Rad mit Transportkiste, was nach Aussage von Inhabern keinen Parkplatz braucht.

So du einem Rikscha ähnlichen Monstrum hinterherfährst, hast du kaum eine Chance, es bei dem geforderten Mindestabstand zu überholen. Hinter deinem verhassten vierrädrigen Pkw gestikuliert indessen ein Akku-inhabender Kampfradler, dem das Ganze nicht schnell genug geht. Auch der schnell im Rückspiegel erkannte Rennradler hat nicht die geringste Lust, sich an die vorgeschriebenen Geschwindigkeitsbeschränkungen zu halten und fährt Schlangenlinien, um seinen Unmut auszudrücken.

Dieser neue Bußgeldkatalog ist die Kriminalisierung des normalen Bürgers! Die Verdoppelung der Strafen ist reine Abzocke und steht in keinerlei Verhältnis zu begangenen Ordnungswidrigkeiten. Raser, Poser und Kriminelle, die Rennen austragen, werden damit nicht gestoppt. Die müssten mit mobilen Kontrollen aus dem Verkehr gezogen werden, und zwar schleunigst!

Im Übrigen gibt es auch unter den Radlern völlig undisziplinierte Leute, die rücksichtslos agieren und für die anscheinend Verkehrsregeln absolut tabu sind. Um nicht falsch verstanden zu werden: Ich fahre seit meiner Kindheit mit großer Freude Rad und bin über sechs Jahren täglich mit einem solchen nach Schwetzingen zur Schule gefahren.

Einen Radschnellweg brauchten meine Kameraden und ich nicht! Wir sind auch freihändig gefahren und es ist nichts passiert. Wir sind jetzt alle schon 70 und unversehrt. Es darf sich jeder Gedanken darüber machen, warum heutzutage so viele Radfahrer verunglücken. Wenn man mit Rad und Hund unterwegs ist und dann noch in sein Smartphone vertieft, kann man nicht die Schuld bei Vierrädrigen suchen. Was sieht der neue Bußgeldkatalog für ein solches Fehlverhalten von schwachen Verkehrsteilnehmern eigentlich vor?

Klaus Tremmel, Ketsch

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