Leserbrief

Discounter Die Nerven im Umgang zwischen Verkäuferinnen und Kunden liegen blank / Wenn das Glück der Menschen am Toilettenpapier hängt

Wegen zwei Packungen Küchenrollen angeschnauzt

Am Freitag, 20. März, gegen Mittag waren mein Bekannter und ich im Lidl in Ketsch, in der Nähe der Kaffeerösterei. Welch ein Wunder, es war eine Palette Küchenrollen zu verkaufen. Er schnappte sich eine Packung und ich eine. An der Kasse wurde ich von einer sehr unfreundlichen Verkäuferin sowie einem jungen Verkäufer gleich frech angemacht, es gebe pro Haushalt nur eine Packung.

Trotz mehrfacher Erklärung, dass mein Bekannter in Mannheim wohnt und ich in Brühl, somit für jeden normalen Menschen wohl ausreichend begründet, dass es sich hierbei um zwei Haushalte handelt, schrie sie weiter rum, dass alle Kunden sich peinlich berührt umschauten. Sie blieb bei ihrer Meinung: pro Haushalt nur eine Packung.

Als ich merkte, dass hier jedes Reden sinnlos ist, verließen wir beide – natürlich ohne Ware – den Lidl. Hinterher gebrüllt wurde von ihr: „Sie haben Hausverbot.“

Obgleich ich seit fast 40 Jahren in Brühl wohne, war dies das erste und auch ganz sicher das letzte Mal, dass ich diesen Lidl besuche. Ich frage mich wirklich, was im Moment passiert. Seit über einer Woche ist es nahezu aussichtslos, dass man irgendwo Toilettenpapier erhält, genauso ist es mit Küchenrollen und oftmals auch mit Tempos.

Ich halte fest: Der Mensch hat in dieser schweren und harten Zeit mehr Angst davor, ohne diese Hygieneartikel dazustehen als ohne Essen? Kein Wunder, dass eines Tages die Menschheit ausstirbt.

Im Drogeriemarkt dm steht angeschrieben, es darf pro Person nur eine Tempobox gekauft werden. Die Dame vor mir an der Kasse hatte einen großen Karton (den letzten wohlgemerkt) genommen und kam mit den einfachen Worten „Ich bin selbstständig“ einfach so durch.

Meines Erachtens kannte sie niemand, auch fragte keiner nach einem Ausweis. Was lernen wir? Frechheit siegt. Am Samstag fuhren wir dann nach Ilvesheim zum Lidl.

Dort war wie erwartet alles leer – Toilettenpapier, Küchenrollen und so weiter – nichts war da. Und was sahen unsere Augen? Als die Rolltür zum Lager sich öffnete, stand auf der rechten Seite eine große Palette mit Küchenrollen. Nun frage ich mich nach dem Sinn und der Logik.

Trotz Nachfragen bekamen wir gesagt, die dürften erst am Montag raus. Jetzt könnten die Geschäfte Geld verdienen ohne Ende, da der Deutsche lieber Toilettenpapier statt Essen bunkert. Ich sollte aufhören, nach dem Sinn zu suchen.

Anstatt sich mehr an die Regeln zu halten, wie zum Beispiel sich nicht in Gruppen im Freien oder zu Hause aufzuhalten, denkt der Mensch erst einmal ans heiß geliebte Toilettenpapier. Und so beten wir leise weiter, möge das Toilettenpapier niemals ausgehen.

Silke Kullmer, Brühl

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