Leserbrief

Klimaproblem Es lässt sich nur von allen Völkern lösen

Wer Hass verbreitet unterminiert Frieden

Heimat ist sozialer Zusammenhalt – so überschrieb im August 2018 die Schwetzinger Zeitung ihren Bericht über eine Veranstaltung im Palais Hirsch und fuhr fort: „Grünen-Vorsitzende Anna-Lena Baerbock fordert Debatte über das Miteinander, Störer belasten Veranstaltung massiv.“ Die „Störer“ waren keine Schwetzinger, sondern „Rechte“, die sich zwischen Mannheim und Bruchsal per Internet zum Verlesen von Texten gegen Flüchtlinge aufgefordert hatten. Schon als Baerbock und Partner noch auf dem Podium diskutierten, waren sie nicht zu überhören. Doch als man Fragen stellen durfte, brach ihr Sturm los. Sie – darunter ein jetziger Speyerer Stadtrat – übertönten alle Anwesenden. Nur mit Mühe gelang es dem Veranstalter, den Abend halbwegs ordentlich zu beenden.

Dasselbe war – mit vertauschten Rollen – am 17. September in der Brühler Festhalle zu erleben. Rechte Gruppierungen hatten eingeladen und schufen eine Atmosphäre von Angst und Einschüchterung: Aufbruch 2016, die Werte-Union, deren Bundesvorsitzender Alexander Mitsch gekommen war, und der Speyerer Stadtrat Schneider. Ihre Aussagen verbanden sich zu einem Ziel: Flüchtlinge kriminalisieren, um ihre Abweisung zu begründen. Laut SZ warfen sie ihnen „massiven Asylbetrug“ vor und dazu „feindliche Akte gegen den Sozialstaat“ und Schuld an einem „integrationsverhindernden Wertegraben“.

Damit regten sie freilich eine umwelt- und menschenrechtsbewusste Schülerin zur Frage an, ob sich das mit den Grundrechten und dem Schutz der Umwelt vereinbaren lasse. Doch die Reaktion der Mehrheit dieses Abends – ein hasserfülltes Niederbrüllen – machte die junge Frau mundtot. Sie zweifelte, ob ihre Wortmeldung eine gute Idee war. Im Nachhinein findet sie jedoch, dass ihr Einwand richtig war: Die deutsche Verfassung macht keine Ausnahme – die Grundrechte, besonders die Menschenwürde, gelten für alle, also auch für Flüchtlinge. Außerdem hält sie eine brutale Abweisung der Fremden auch für kurzsichtig, denn um die Erderwärmung zu stoppen, müssen alle Völker zusammenarbeiten. Das gelingt am besten in einer erdumspannenden Freundschaft. Wer Hass verbreitet, handelt verfassungsfeindlich, denn er unterminiert den Frieden. Das Grundgesetz hingegen fordert die Deutschen auf, ihm zu dienen.

Helmut Mehrer, Brühl

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