Leserbrief

Mord am Bahnsteig Ohne Scheuklappen diskutieren

Wer schützt uns davor?

Was letzten Montag im Frankfurter Hauptbahnhof passierte, schockiert unser Land ähnlich, wie das Attentat auf dem Berliner Weihnachtsmarkt. Ein Kind wurde auf grausame Weise getötet und beinahe dessen Mutter und weitrer Menschen. Denn der Täter wollte noch mehr Menschen vor den Zug stoßen, wie es in den Fernsehnachrichten hieß.

Und er stammt aus Afrika (Eritrea), was wir nur Dank einer mutigen Polizeisprecherin wissen, die jetzt deswegen angeblich „leichte“ Probleme haben soll.

Was ist mit jenen, die Glück im Unglück hatten? Das Leben der Mutter, die nur knapp dem Tod entronnen ist und hilflos zusehen musste, wie ihr Kind vom Zug überrollt wurde, ist zerstört!

Der Lokführer, der dieses Kind überrollte, ist genauso traumatisiert, wie viele andere auch, die diese Wahnsinnstat mit ansehen mussten. Vielleicht ein Leben lang!

Sollte man nicht mal erst an die Opfer denken, bevor man diese Tat – wie auch immer – instrumentalisiert? Damit meine ich aber nicht nur die braune Hetze.

Denn ich frage mich schon auch, warum manche Zeitgenossen und Zeitgenossinnen Mitgefühl heucheln, was dann aber direkt auf den Täter übergeht, weil seine Herkunft offenbart wurde. Kann es sein, dass Menschen, die die Welt nur durch die Augen der Flüchtlinge sehen, befürchten, dass ihr Weltbild zusammenbricht?

Das käme dann schon einem Tunnelblick gleich, weil sie die massiven Probleme, die wir seit geraumer Zeit haben – wie beispielsweise in den Freibädern, wo Badegäste durch Jugendbanden mit überwiegend Migrationshintergrund terrorisiert werden – völlig ausblenden.

Also frage ich mich, warum sind so viele Deutsche statt auf die Täter, wütend auf die, die auf die Täter wütend sind? Warum haben sie Angst vor denen, die Angst haben vor solchen Taten?“ Die, die Angst vor solchen Taten haben, stellen sich die Frage: Wer schützt uns – vor allem unsere Frauen und Kinder – vor solchen „schutzsuchenden Terroristen“? Und sie stellen fest, dass sie im Grunde allein sind.

Viel zu vielen ist die Rationalität abhanden gekommen und sie merken das nicht einmal. Es geht hin bis zur Negierung einfacher Kausalzusammenhänge.

Dem kann man nur entgegenwirken, wenn wir es schaffen, wie erwachsene Menschen – ohne Scheuklappen und ohne Ideologie – über die großen Tabuthemen wie Sicherheit und Migration zu reden.

Und zwar ohne diejenigen, die sich Sorgen machen, gleich als Rassisten oder gar Nazis zu diffamieren und auszuschließen.

Herbert Semsch, Brühl

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