Leserbrief

Flüchtlinge als Erntehelfer Deutsche Asylgesetze verhindern, dass die Menschen arbeiten können

Wie in der Kolonialzeit

Zum Artikel „Die Flüchtlinge zu Erntehelfern machen“, der auf einer Pressemitteilung der AfD beruhte, in der SZ-Ausgabe vom 27. März wird uns geschrieben: Ja, warum nicht? Warum sollten Flüchtlinge nicht helfen beim Spargelstechen oder bei sonstigen Erntehilfen? Ganz sicher würden es die meisten von ihnen sehr gerne tun, wenn sie es denn dürften, geschweige denn, wenn sie wüssten, dass sie es überhaupt offiziell dürfen.

Wir begleiten seit Anfang 2014 viele unserer Flüchtlinge – bis heute noch. Viele von ihnen wollten von Anfang an helfen und arbeiten – egal wo und egal was. Das Problem war leider nur, dass sie es nicht durften. Viele von ihnen mussten zum Teil über 24 Monate lang in ihren kleinen, ein paar Quadratmeter großen Blechunterkünften (14,5 Quadratmeter zu dritt) hausen und sich irgendwie mehr schlecht als recht betätigen oder langweilen.

Wenn die vielen Angebote der ehrenamtlichen Helfer nicht gewesen wären, wären sicher viele von ihnen noch depressiver geworden, als sie es sowieso bei ihrer Ankunft in Deutschland schon waren. Zum Nichtstun verdammt. Warten – Tag für Tag. Bis zu den ersten Asylanhörungen vergingen oft 24 Monate!

Die Erstellung der Protokolle zu den Anhörungen dauerten noch mal zum Teil zwölf Monate. Gerichtsverfahren im Anschluss gehen Ewigkeiten. Eine unglaublich nervenaufreibende Prozedur – für alle Beteiligten.

Die Flüchtlinge – Menschen wie wir – wollten arbeiten, in Schulen gehen, Deutsch lernen, sich einbringen. Die meisten von ihnen wollten das, aber: Sie durften es nicht.

Der AfD-Sprecher schreibt, was sicher viele denken. Die Flüchtlinge sollten endlich einmal etwas zurückgeben – da sie ja „kostenlose Kost und Logis“ erhalten hätten. Da wird es Zeit, dass man sie auf die Äcker schickt, nicht wahr? Nun ja, da kann sich jeder intelligente, selbst denkende Bürger seine eigene Meinung dazu bilden. Man sollte aber auch erwähnen, dass unsere Stadt pro Flüchtling sogenannte Schlüsselzuweisungen erhalten hat – über Jahre hinweg 1200 Euro pro Kopf – beziehungsweise pro Flüchtling.

Wir hoffen, dass die Äußerungen in dieser Pressemitteilung nicht böse gemeint sind, vielleicht einfach nur etwas ungeschickt oder gar versehentlich mit einem unterschwelligen rechten Unterton formuliert wurden. Nur – dieser Unterton hat einen unangenehmen Beigeschmack – vor allem, weil in erster Linie von Flüchtlingen aus Afrika gesprochen wird, die „hohe Temperaturen gewöhnt“ seien. Viele Menschen sind „hohe Temperaturen“ gewöhnt oder können diese problemlos aushalten. Sie stammen nicht unbedingt aus Afrika. Wenn der gute deutsche Bauer seine Äcker nicht ernten kann, sollen sie recht sein – die Flüchtlinge?

Vor allem die, die aus dem heißen Afrika stammen? Erinnert das nicht den einen oder anderen an die Zeit der Sklaverei oder an manche Kolonialherrschaften?

Unserer Meinung nach ist der Ansatz gut – aber die Formulierungen und der Unterton sind es eben nicht. Deswegen möchten wir mit unserer Stellungnahme auch ein wenig auf die andere Seite aufmerksam machen. Auf die Menschen, die sich seit vielen Jahren hier beschäftigen wollen, die lernen und arbeiten wollen, immer noch. Die es aber von unserer Asylpolitik in der Bundesrepublik verboten bekommen.

Sicher helfen viele, wenn man auf sie zukommt, wenn man sie fragt und ihnen erklärt, dass sie es offiziell dürfen, ohne dass sie Angst vor Strafen und Sanktionen hinsichtlich etwaiger Schwarzarbeit haben müssen. Da braucht es keine Pressemitteilung der AfD. Hier sind die politischen Vorgaben gefragt. Diese gehören angepasst und dann werden wir weitersehen.

Raquel Rempp und Maite Viusa,

Schwetzingen

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