Leserbrief

Backfischfest Anwohner ist froh über den Kompromiss in Sachen Lärm vom Festgelände im Bruch / Einladung zu einem „Radspitz“-Abend

„Wir beweisen genug Toleranz“

Ich habe heute Morgen den sehr interessanten Bericht über Manfred Orth, den zweiten Vorsitzenden des ASV Ketsch, mit dem Titel „Rastet jemand aus, schnippt Orth die Finger“ gelesen. Die Fakten kann ich nicht gelten lassen, wie sie von Herrn Orth vorgestellt wurden.

Wir wohnen seit 1998 im Elternhaus meiner Ehefrau in der Hockenheimer Straße, in etwa 100 Metern Luftlinie zum Festzelt und zur Bühne. In jenem Jahr erlebte ich persönlich zum ersten Mal das Fischerfest „live“– direkt vor unserem Wohnzimmer beziehungsweise unserem Garten. Das schlimmste waren die ersten Nächte des damaligen Fischerfests. Bei extremer Schwüle, geschlossenen Fenstern und Ohrenstöpseln verbrachte ich die Nächte. Am nächsten Morgen hieß es dann um 5 Uhr aufzustehen, um meiner Arbeit nachzugehen. Und das Ganze ging jeden Tag so weiter. Unter der Woche wurde oft bis 1 oder 1.30 Uhr musiziert und etliche Zugaben brachten die Menschen zum Brodeln. Als dann die letzten Töne verstummten, wurden wir von einigen „Heimkehrern“ am Einschlafen gehindert. Sei es durch Klingeln an unserer Sprechanlage, Gegröle oder von Randalierern, die Gläser zerdepperten.

So hörte ich mir etliche Jahre die musikalischen Darbietungen bis zu den genannten Uhrzeiten an. Mehrmals kontaktierten wir den damaligen Schirmherrn, Bürgermeister Wirnshofer. Einmal riefen wir ihn sogar nachts an, weil die Lärmbelästigung nach 1 Uhr nachts unerträglich war. Die zuvor angerufene Polizei hatte uns an den Schirmherrn verwiesen. Die Veranstaltung sei genehmigt. Fertig!

Vor ein paar Jahren schrieb ich auch einen Leserbrief und wandte mich an Herrn Perner. Seit diesem Zeitpunkt werden die nächtlichen Ruhezeiten auch eingehalten. Es ist nicht so, wie von Herrn Orth dargelegt, dass wir als Anwohner zu wenig Toleranz haben. Es geht aber einfach nicht, dass die arbeitende Bevölkerung bei sommerlich heißer, schwüler Witterung bei geschlossenem Fenstern ihrer Nachtruhe beraubt wird. Ich, aber sicherlich auch meine Nachbarn, können mit der geschlossen Abmachung leben. Es ist gut so, dass unter der Woche um 24 Uhr – beziehungsweise an den Wochenenden auch später – die musikalische Unterhaltung eingestellt wird. Dass die feiernden Besucher so schon um 19 Uhr in den Genuss der Musiker kommen, finde ich nicht schlimm.

Natürlich werden etliche Menschen gerade bei hochsommerlichen Temperaturen, wie sie momentan herrschen, den Freibadbesuch vorziehen. Dem ASV und der Firma Reichelt als Festzeltbetreiber mag dadurch vielleicht weniger Umsatz beschert sein, aber meine Nachtruhe ist mir ehrlich gesagt wichtiger. Außerdem darf nicht vergessen werden, dass das Fischerfest noch immer in einem Wohngebiet liegt. Die Gesundheit der Anlieger sollte nicht vor dem Kommerz einiger weniger hintenan gestellt werden.

Wie ich schon schrieb kann ich mit den Ruhezeiten und auch der Lautstärke, die momentan so weit eingehalten wird, leben. Ich werde die Entwicklung in den kommenden Jahren im Auge behalten. Ich hoffe und wünsche mir, dass die Vereinbarungen eingehalten werden. Ich persönlich würde nämlich ein Abweichen davon nicht tolerieren.

Ich bin ein weltoffener, lustiger und geselliger Mensch, der sich trotz der angesprochenen Thematik in jedem Jahr auf das Fischerfest freut. Ich lade hiermit die freie Journalistin Sabine Zeuner als Verfasserin des Textes und Manfred Orth ein, einen Abend und eine Nacht, in der die Gruppe „Radspitz“ gastiert, bei uns als Gäste zu sein. Für das leibliche Wohl werde ich gerne sorgen.

Wichtig bei meiner Einladung wäre aber die Bedingung, dass nicht nur eine oder zwei Stunden bei uns verbracht werden, sondern von Anfang bis Ende des „Radspitz“-Auftrittes. Wir werden uns dann zuerst auf unsere schöne Terrasse setzen – und wenn es Zeit wird, um schlafen zu gehen, setzen wir uns bei kühlen Getränken in unser Schlafzimmer. Natürlich lassen wir die Fenster geschlossen, genauso wie ich es Jahr für Jahr erlebe. Ob Herr Orth am Ende der Nacht noch immer meint, wir hätten zu wenig Toleranz, wage ich zu bezweifeln!

Jakob Burkhardt, Ketsch

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