Leserbrief

Geothermie in Brühl Leser fragen nach dem Warum für die Anlage in der Hufeisengemeinde und wollen zum Nachdenken anregen

Wo bleibt die Bürgerbeteiligung?

Schon in der Verpflichtung der Gemeinderäte ist festgelegt, dass "sie Schaden von der Gemeinde und seinen Bürgern abzuwenden haben". Ein Prestige-Objekt Tiefengeothermie im Rheingraben, einem per se gefährdeten Erdbebengebiet, das nur dem Betreiber der Geothermie einen jährlichen Gewinn von geschätzten 3,5 bis 5 Millionen Euro bringt, der Gemeinde einen lächerlichen Pachtzins und eventuell einen einzigen Arbeitsplatz. Was hat der Bürger davon? Dafür hat die Gemeinde als Pachtpartner eine Projektgesellschaft Geoenergie mit einem Eigenkapital von 25 000 Euro akzeptiert, die sich im Schadensfall zügig in die Insolvenz verabschieden kann. Hier ist noch nicht einmal sichergestellt, dass die Versicherungsprämie gezahlt werden kann.

Was nutzt es dem betroffenen Bürger, wenn im Schadensfall die Versicherung nicht greift, da der unterkapitalisierte Betreiber die Prämie nicht zahlen konnte. Haben hier die Gemeinderäte alle geschlafen, das ist doch laienhaft geregelt. Wo sind die "Bankbürgschaften auf erstes Anfordern" fällig, die einen Schaden abdecken könnten? Wo ist der Nachweis, dass die Versicherungsprämien für zwei Jahre im voraus gezahlt wurde, dass eventuelle Schadensereignisse abgedeckt sind?

Abgesehen davon bringt die Tiefengeothermie den Bürgern der Gemeinde keinen Vorteil, gerade wurde erst wurde von der MVV die Fernwärme angeschlossen, was brauchen wir noch Wärme aus der Geothermie. Das Risiko während der Tiefenbohrung und einem möglichen Betrieb ist für die Brühler Bürger, gerade weil von allen Beteiligten keine Garantie gegeben werden kann, exorbitant hoch. Als Gemeinde und Gemeinderat brauchen sie sich nur zu informieren, was in einem Fall wie Landau, die Anlage dort ist nur ein Drittel so groß wie in Brühl, wirklich passiert. Die Bürger werden durch solche Projekte quasi enteignet. Zu dem Risiko eines Schadens kommt auch der Wertverlust, der schon jetzt durch die Hereinnahme eines solchen Projektes entsteht. Verkaufen Sie doch einmal Ihr Haus jetzt, da werden Sie den Abschlag direkt erleben. Außerdem sind die Grundstücke der Gemeinde, die zur Bebauung anstehen, auch entwertet.

Wir fordern ein Umdenken und eine entschlossene Gegensteuerung des Gemeinderates, Geothermie ja, aber nicht in einem dicht bebauten Gebiet in der Nähe von Schule und Abwasseranlage. Nutzen Sie alle Möglichkeiten, das Projekt zu stoppen! Wo bleibt die Bürgerbeteiligung, die der Ministerpräsident des Landes immer wieder betont.

Gernot Lempert, Brühl

Geothermie - zum Nachdenken!

Warum müssen wir Bürger unsere Häuser zur Verfügung stellen, damit eine neue Technologie ausprobiert werden kann, die in der Statistik so gut wie nie erscheint? Warum glauben Politiker, sie können nicht nur Steuern erfinden, Gesetze machen, sich selbst damit versorgen und nun auch noch unsere Gebäude als Einsatz nehmen? Warum geht es nicht in ihre Köpfe, dass wir keine Lust haben auf Schadensersatzforderungen, Beweislastführung und Auseinandersetzung mit Firmen und Ämtern?

Warum müssen wir uns mit der Materie Geothermie auseinandersetzen, anstatt uns um die Dinge zu kümmern, die für uns wichtig sind? Warum denkt man, dass wir die Geothermie unbedingt brauchen - so sehr, dass der Wille des Bürgers nach allen Regeln der Kunst ignoriert wird? Warum denkt ein Bürgermeister, er kann uns ein Werk aufzwingen, das wir gar nicht haben wollen und dieses schon vor langer Zeit so kund getan haben?

Warum ist eine politische Fraktion davon überzeugt, dass Verträge in Stein gemeißelt sind, wenn eine Regierung in kürzester Zeit aus der Atomkraft aussteigen kann? Auch hier lagen Verträge vor und als Grund wurden die Ereignisse von Japan benannt. Auch wir haben genügend Gründe!

Warum lässt man uns nicht einfach in Ruhe unser Leben führen und zieht an einen anderen Standort, der keine Gefährdung darstellt? Warum zählt in unserer Gesellschaft der Mensch so wenig? Sind wir nur noch eine Masse über die nach Belieben verfügt wird, die manipuliert wird im Namen von einigen wenigen, die sich unter dem Deckmantel der Energiewende alles erlauben? Warum, fragt man sich, erträgt die schweigende Masse diese Behandlung, wo sie doch eigentlich die absolute Mehrheit hat?

Marion DeMille, Ketsch

Was bleibt uns denn sonst?

Nach den Ereignissen dieser Woche fragen sich die Bürger von Brühl und Ketsch immer mehr, welchen Zweck die Berichterstattung der Schwetzinger Zeitung in Sachen Geothermie Brühl verfolgt (siehe zum Beispiel Berichte zur Gemeinderatssitzung vom 20. und 22. März, und zusätzlich den Kommentar vom 20. März)? Unter anderem fehlen wichtige sachliche Punkte und das Engagement von Brühler und Ketscher Bürgern wird abqualifiziert, entweder nicht berichtet oder die Bürger, die sich engagieren, als Störenfriede hingestellt. Zwar mag nicht jeder Ausdruck, der in den Ratssaal geschleudert wird, angemessen sein, doch frage ich Sie: Welche Möglichkeiten bleiben denn Bürgern noch, wenn sie um die Unversehrtheit ihres teuer ersparten Wohneigentums kämpfen müssen und

1. ihre gut begründeten Ängste und Interessen vom zuständigen "Bürger"meister nicht vertreten, sondern in arroganter Art und Weise negiert werden? Alle angeblichen "Problemlösungen", die von ihm ausgehandelt sind, sind andernorts längst durch Tatsachen als vollkommen unzulänglich widerlegt.

2. ihre Sachargumente und Appelle, in kleinen Gesprächszirkeln in "demokratischer", geduldiger Weise vorgetragen, bisher stets mit fadenscheinigen Gegenargumenten weggewischt wurden?

3. alle Behörden, die mit der Sache zu tun haben, sich taub stellen, wenn es um Argumente gegen Geothermie geht, oder auf Nichtzuständigkeit in konkreten Fragen verweisen? Niemand auf Behördenseite hat angeblich eine Gesamtverantwortung für das Projekt.

4. alle zuständigen Behörden und Forschungsinstitute es "spannend" finden, durch das Brühler Projekt die fehlenden Kenntnisse über geologische Gegebenheiten und Reaktionen im seismologisch komplizierten Oberrheingraben aufzubessern? Brühl als Versuchskaninchen mit ungewissem Ausgang? Das Bergamt Freiburg leitet ein EU-Projekt zur geologischen Erforschung des Oberrheingrabens, das längst nicht abgeschlossen ist - warum wartet man ein solches Projekt nicht ab oder möchte man gar das Brühler Projekt als Datenquelle hierfür missbrauchen?

5. auch noch die Berichterstattung der Lokalzeitungen als Sprachrohr für die Anliegen der Bürger versagt? "Ruhe ist des Bürgers erste Pflicht" - soll das wieder die Maxime sein?

Angesichts all dieser Tatsachen frage ich Sie, die Redaktion der Schwetzinger Zeitung: Was raten Sie denn den Bürgern in einer solchen Lage - klein beigeben, sich durch Scheinargumente für dumm verkaufen lassen? Die Tiefengeothermie hat sich in den bisher versuchten Formen der Ausbeutung als nicht beherrschbar herausgestellt, das sollte man endlich zur Kenntnis nehmen und die einzig richtige Konsequenz daraus ziehen: stoppen all solcher Maßnahmen! Alles andere ist unverantwortliches Handeln zulasten der Bürger und der Region - entgegen jedem Amtseid! Dr. Prof. Antonius Sommer, Brühl

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