Leserbrief

Comic-Sprache Bezeichnung für das Konjunkturprogramm

„Wumms“ – eine Anleihe

Als Kinder haben die Älteren unter uns noch Micky Maus, Fix und Foxi und andere Comic-Hefte gelesen. Wie konnte man anders den Lesern ein Ereignis nahebringen, das Lautstärke, Kraft und Krach ausdrücken sollte, als dass man es in Worte fasste. So entstand das Wort „Wumms“.

Es beschrieb ein Ereignis, das man selbst nicht hören konnte, aber es wurde mit Worten beschrieben und man hörte im Unterbewusstsein den lauten Knall. „Wumms“ eben. Doch was wurde damals mit „Wumms“ beschrieben. Ein Knall, das Platzen eines Luftballons, einer Blase, das Anrennen gegen eine Wand oder ein Unfall. Es war der sprachliche Ausdruck eines kurzen, einmaligen negativen Ereignisses.

Ich denke, dass das von unserer Bundesregierung als großer „Wumms“ angekündigte Konjunkturprogramm genau in diese Kategorie passt. Ein kurzer und einmaliger Knall, der außer Lärm und Erschrecken keine weiteren nachdrücklichen Eindrücke hinterlässt.

Mit den Schallwellen verschwindet auch die Wahrnehmung. Was vielleicht bleibt, ist die Erinnerung an eine politische Kaste, die versuchte mit der Macht der Sprache falsche Vorstellungen von Kompetenz und Aktivität zu vermitteln.

Aber letztlich bleibt das „Wumms“ der Bundesregierung ein in Wort gefasstes einmaliges, fiktives Ereignis, das nur in der Vorstellung existiert. Es kommt nicht über das „Comicsein“ hinaus. Renate Brandenburg, Schwetzingen

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