Leserbrief

Initiative für Qualitätsjournalismus Manche Pressemitteilung sät bewusst Zweifel / Kritik an zuviel Mainstream-Berichterstattung

Zeichen setzen gegen Desinformation

Gemeinsam mit zahlreichen anderen regionalen Tageszeitungen beteiligte sich die „Schwetzinger Zeitung“ in der letzten Woche an der beachtens- und lobenswerten Kampagne für Qualitätsjournalismus. Mit ihrer Unterschrift bestätigten die jeweiligen Chefredakteure, dass sie für unabhängigen, gut recherchierten und verantwortungsvollen Journalismus eintreten, ohne den ein demokratisches Gemeinwesen nicht funktionieren kann. Damit wollten sie ein Zeichen setzen gegen die zunehmend verrohende und faktenleugnende Desinformationskultur, die besonders in sozialen Netzwerken um sich greift.

Unter der Überschrift „Selbst recherchiert und geprüft“ erläutert Chefredakteur Jürgen Gruler in der SZ-Ausgabe vom 7. November, wie die Informationsbeschaffung in den Lokalredaktionen funktioniert. Er nennt drei wichtige Quellen: Pressemitteilungen, Berichte von Reportern und eigene Recherche. Aufmerksamen Lesern fällt auf, dass ausgerechnet in dieser Ausgabe alle anderen Beiträge auf der Schwetzinger Lokalseite mit dem Kürzel „zg“ gekennzeichnet sind, das für „zugeschickt“ steht, also für Pressemitteilungen, die von der Redaktion als solche gekennzeichnet, aber ansonsten inhaltlich fast unverändert abgedruckt werden. Das gehört zur normalen Arbeitsweise einer Lokalredaktion.

Schade nur, dass auf diesem Wege eine Pressemitteilung der Initiative „Aufbruch 2016“ zur „Klima-Hysterie“ ihren Weg zur Leserschaft findet, in der kaum ein einziger Satz inhaltlich korrekt ist. Hier wird aus einem „wissenschaftlichen Vortrag über das Klima“ zitiert, in dem viele Fachbegriffe zu einer unverdaulichen sprachlichen Soße verrührt werden. Der Zweck der Pressemitteilung ist offenkundig: Zweifel am menschengemachten Klimawandel säen.

Da diese Pressemitteilung ohne einordnenden Kommentar abgedruckt wurde, erlaube ich mir, eine Quelle zu nennen, die das Thema in das richtige Licht rückt: „Paläoklima: Die Hockeyschläger-Debatte“ von Stefan Rahmstorf, Klimatologe am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (kostenfrei zu lesen unter https://scilogs.spektrum.de/klimalounge/palaeoklima-die-hockeyschlaeger-debatte/).

Digitale Medien haben nicht nur Nachteile. Sie sind ein wichtiges Element im Qualitätsjournalismus. Und egal, in welcher Medienform Informationen verbreitet werden: Den Lesern obliegt es, mit wachem und kritischem Verstand das Gelesene, Gehörte und Gesehene einzuordnen und zu hinterfragen.

Dr. Uwe Reichert, Schwetzingen

Die Gründe hinterfragen

Die zusätzliche Titelseite der Schwetzinger Zeitung am 6. November mit der Überschrift „Die beste Zeit für guten Journalismus ist jetzt“ hat sofort meine Neugier geweckt. Die Überschrift fand ich sehr gelungen – den Artikel leider nicht. Außer sich selbst eine gute Bewertung zu geben (gab es das in Berlin diese Woche nicht auch von der GroKo?!) und nicht im Ansatz danach zu fragen, warum der Journalismus von mündigen Bürgern kritisch gesehen und hinterfragt wird, hatte der Artikel leider wenig zu bieten. Er provoziert unter anderem mit der Aussage „Schreiber in sozialen Netzwerken verbreiten Unwahrheiten, ohne ihre Identität zu offenbaren“. Diese Aussage klingt völlig pauschal, ist schlecht recherchiert und trifft leider nicht die volle Wahrheit. Ich verfolge Schreiber und „YouTuber“ in sozialen Netzwerken, die sehr wohl ihren Namen als auch ihr Gesicht und die Quellenangaben ihrer Recherche veröffentlichen.

Was diese Journalisten oder journalistisch tätigen Menschen allerdings nicht tun, ist, die allgemeine linke Mainstream-Meinung von sich zu geben. Und genau darin sehe ich einen großen Unterschied zu dieser Zeitung, zu vielen anderen Zeitungen, zu ARD und ZDF et cetera. Was deren Journalisten und Redakteure schreiben, mag zwar wahr sein, aber sie schreiben leider nicht alles, was wahr ist. Die selektive Berichterstattung und Ausgrenzung bestimmter Meinungen verfälscht leider die Aussagen so, dass Klischees bedient werden, die ich nur noch schwer als wahrhaftig bezeichnen kann.

Ja, „die beste Zeit für guten Journalismus ist jetzt“. Und zwar für einen wirklich guten Journalismus: Inhaltlich umfänglich, politisch umfassend (das heißt auch mal aus Sicht der Andersdenkenden – anders als Redaktion und Mainstream), differenziert, selbstkritisch, die eigene Meinung hinterfragend, ergründend. Solch einen Journalismus würde ich mir wünschen. Könnte unsere Zeitung damit mal anfangen?

Beatrix Kern, Hockenheim

Anmerkung der Redaktion: Sie können hier sehen, wie Meinungen auseinandergehen: Ein Leser wirft uns vor, dass wir eine Meinung drucken, die nicht Mainstream ist, die andere, dass wir nur Mainstream sind. Machen Sie sich Ihr eigenes Bild. Wir sind offen für alle Meinungen, kommentieren nicht jeden Artikel und sorgen für Kennzeichnung.

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