Leserbrief

Leserbrief eines Arztes Sterblichkeit bei Covid-19 so wie bei der Influenza eingeordnet

Zitat aus dem Zusammenhang gerissen

Zum Leserbrief „Sterblichkeit wie bei der Influenza“ (SZ-Ausgabe vom 4. April) wird uns mehrfach geschrieben. Es gab auch zahlreiche Anrufe zu diesem Thema mit Vorwürfen, warum wir eine solche Meinung abdrucken. Der Grund ist einfach: Es herrscht in Deutschland Meinungsfreiheit – und das bleibt hoffentlich auch so.

Autoren falsch zitiert

Götz Pilopp, Arzt in Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin in einer Hausarztpraxis in Eppingen, fordert eine sofortige Beendigung aller Einschränkungen unserer Grundrechte, die im Zusammenhang mit der gegenwärtigen Corona-Pandemie erlassen wurden.

Sein zentrales Argument formuliert er wörtlich so: „Am 26. März gab es eine Veröffentlichung im ,New England Journal of Medicine’, einer der angesehensten Fachzeitschriften weltweit, in der die Autoren zum Schluss kommen, dass Covid-19 eine Sterblichkeit von 0,1 Prozent hat, was der einer schweren saisonalen Grippeepidemie entspricht.“

Mit dieser Aussage reißt er ein Zitat in dieser Fachzeitschrift aus dem Zusammenhang und – was noch schwerer wiegt – er zitiert die Autoren grotesk falsch.

Den besagten Artikel in der englischsprachigen Fachzeitschrift kann jeder nachlesen, denn er ist kostenfrei im Internet verfügbar. Es handelt sich um ein Editorial, verfasst von drei der führenden Immunologen und Virologen in den USA. Darin bewerten sie einige wissenschaftliche Studien, die sich auf die Frühphase der Covid-19-Epidemie in China beziehen, und sie erläutern, wie schwierig es ist, in der Anfangsphase einer solchen Epidemie verlässliche Sterberaten abzuleiten.

Mit Bezug auf eine Studie der Weltgesundheitsorganisation schreiben die drei Ärzte: „Die derzeit gemeldete Todesfallrate liegt bei etwa zwei Prozent“. Im gleichen Absatz vergleichen die Autoren diese Todesfallrate mit einer gewöhnlichen Influenza: „Eine schwere saisonale Grippe-Epidemie hat eine Todesfallrate von ungefähr 0,1 Prozent.“ Sollte sich der erste Wert bestätigen, wäre die Todesfallrate bei Covid-19 immerhin zwanzigmal so hoch als bei einer schweren Grippe-Epidemie. Verlässliche Aussagen darüber sind aber erst im weiteren Verlauf der Pandemie möglich.

Deshalb: Bitte, liebe Leser, gehen Sie auch weiterhin zum Hausarzt Ihres Vertrauens.

Dr. Uwe Reichert, Schwetzingen

Selbsternannter Hobbyvirologe

Diesen selbsternannten Hobby-virologen darf man nicht auf zukünftige Patienten loslassen. Er übersieht, dass es im Gegensatz zur Grippe keinen Impfschutz gegen die Corona-Infektionen gibt. Allein seine Auslassungen bezüglich der Ausbreitung des Coronavirus im ach so freien Schweden sind fahrlässig und schon heute überholt.

Mittlerweile will die Gesundheitsministerin Lena Hallengren nicht ausschließen, dass Schweden auf eine medizinische Katastrophensituation zusteuert. Ein Stockholmer Arzt sagte, es fühle sich an, als würden wir geopfert, da es keine Pflicht mehr sei, Gesichtsmasken bei Behandlung von Corona-Erkrankten zu tragen.

Aktuell hat Schweden 6131 Infizierte und 358 Tote (Stand: 4. April) zu beklagen. Das ist eine der höchsten Todesraten in Europa. Inzwischen hat Schweden für die Region Stockholm den Krisenmodus ausgerufen. Ärzte und das Pflegepersonal müssen bis zu 48 Stunden arbeiten und erhalten dafür das doppelte Gehalt. Besuche in Altenheimen sind verboten. Die großen Skigebiete sollen geschlossen werden.

Marlies Böcker-Stastny,

Hockenheim

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