Leserbrief

Corona-Pandemie Corona-Leugner sollten auf einen Intensivplatz im Krankenhaus per Patientenverfügung verzichten

Zu behaupten, es wäre alles zu kompliziert, ist schlicht gelogen

Wenn wir nichts trinken, dann bekommen wir Durst. Wenn wir nichts essen, dann bekommen wir Hunger. Wer würde diese einfache „Wenn-dann-Logik“ in Frage stellen? Niemand, nicht einmal geistig limitierte Personen. Anders verhält es sich im Umgang mit der Corona-Krise. Nahezu jede einzelne Regelung, jede einzelne Maßnahme wird mit viel Wehklagen, endlosen Debatten und persönlichen Ausflüchten in Frage gestellt. Obwohl auch die komplexe Corona-Thematik durch einfach nachvollziehbare „Wenn-dann-Logiken“ geprägt ist.

So zum Beispiel: Wenn sich viele Menschen auf engem Raum zusammenfinden, Partys in Wohnungen und Abendessen in großen Runden stattfinden, dann erhöht sich das Ansteckungsrisiko und die Gefahr, dass das Infektionsgeschehen exponentiell ansteigt und sich unkontrolliert ausbreitet. Wenn der stärkste Treiber des Infektionsgeschehens eindeutig aus privaten Begegnungen resultiert, dann müssen Kontroll- und Sanktionsmaßnahmen für diesen sensiblen Bereich in Kauf genommen werden, die keiner will, die aber durch unvernünftige, rücksichtslose Mitbürger in Betracht gezogen werden müssen.

Wenn die Bereitschaft in Teilen der Bevölkerung sinkt, im privaten wie im beruflichen Alltag sich an nachweislich schützende und kostengünstige Grundregeln wie Maskentragen, Abstand, Hygiene und Kontaktbeschränkungen zu halten, dann werden alle Bürger teure softe oder harte Lockdowns mental und finanziell zu ertragen haben. Wenn die Bevölkerung in Corona-Zeiten von sich aus bereit wäre, freiwillig auf ein Mehr an Kontakten, Mobilität und Vergnügungen zu verzichten, dann würde das den Absturz der Wirtschaft, Kultur, Gastronomie, die Überforderung des Gesundheits- und Bildungswesens und problematische Eingriffe der Politik in hart erkämpfte Grundrechte verhindern.

Auch wenn es illusionär ist zu glauben, dass in einer pandemischen Lage Menschen keine Fehler machen werden, so weiß doch im Grunde jede und jeder längst, was im Kern zu tun ist und worauf es bei der Bewältigung der Corona-Krise insbesondere ankommt. Zu behaupten, es wäre alles zu kompliziert, ist schlicht gelogen, grenzt an Selbsttäuschung, Selbstbetrug und Verantwortungsverweigerung.

Wahrscheinlicher ist doch, dass die Bereitschaft, Verzicht, Solidarität und Verantwortungsübernahme zu üben, bei uns in Deutschland scheinbar doch zu gering ausgeprägt ist, um das Leben mit dem Virus kontrolliert meistern zu können. Viel bequemer ist es, auf den Impfstoff zu warten und darauf, dass Wissenschaftler und Politiker beim Ringen um schutzspendende Lösungen ihre Glaubwürdigkeit verspielen.

Allerdings muss es mit Blick auf den Schutz der Bevölkerung schon fassungslos machen, zu sehen, wie der Staat von der Pandemie so dilettantisch überwältigt werden konnte, obwohl eine solche Entwicklung bereits im Risikobericht des Jahres 2012 erkannt und vorausgesagt worden war.

Schließlich gilt es an dieser Stelle, noch eine einfache „Wenn-dann-Konstellation“ offen an- und auszusprechen: Wenn aufgrund hoher Infektionszahlen die Lage in Krankenhäusern angespannt ist, dann ist es nur konsequent, dass Corona-Leugner im Rahmen einer Patientenverfügung zugunsten von Corona-Bekämpfern freiwillig auf ein Bett, auf ein Beatmungsgerät, auf einen Platz auf der Intensivstation respektive auf eine professionelle Behandlung durch Ärzte und Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger verzichten. Dr. Roland Ullmann, Schwetzingen

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