Leserbrief

Neubaugebiet in Ketsch Heute würde das nicht mehr genehmigt

Zu kurzfristig gedacht

Bürgermeister Jürgen Kappenstein weiß genau, warum er die vom Umweltstammtisch angefragte Podiumsdiskussion zum Thema "Fünfvierteläcker" ablehnt, denn seine dünnen Argumente würden in einer Diskussion mit sachkundigen Gesprächsteilnehmern schnell widerlegt. Er liefert seinen Gegnern in dem Interview mit Volker Widdrat, das am 30. Januar gedruckt wurde, selbst das Argument. Ich zitiere ihn wörtlich: "Die Fortschreibung der Flächennutzungspläne durch den Nachbarschaftsverband wird künftig mit Sicherheit nicht mehr die Flächen für eine Bebauung vorsehen, wie dies bislang der Fall war." Da hat er Recht.

Der Nachbarschaftsverband Heidelberg-Mannheim setzt sich nämlich wie auch das Land Baden-Württemberg intensiv für eine Reduzierung des Flächenverbrauchs ein. Angesichts der negativen Prognosen für die Bevölkerungsentwicklung bedeutet das, dass bei einer fälligen Novellierung des bestehenden Flächennutzungsplans Ketsch die im alten Flächennutzungsplan ausgewiesenen Flächen, wie Herr Kappenstein richtig prognostiziert, gestrichen bekäme.

Das macht der Nachbarschaftsverband nicht aus Bosheit, sondern weil seit Langem hinlänglich be-kannt ist (wie auch Herr Kappenstein einräumen muss), dass die Ausweisung nicht benötigter Flächen mittelfristig zu hohen Folgekosten für die Gemeinden führt. Das wissen natürlich auch die Bürgermeister. Viele Bürgermeister denken aber kurzfristig. Sie denken an Veräußerungsgewinne von Grundstücksverkäufen, an die höheren Einkommenssteueranteile durch mehr Einwohner, an höhere Gewerbesteuereinnahmen durch die Bautätigkeit und an ihre Wiederwahl. So hoffen sie ihren klammen Haushalt kurzfristig aufzubessern.

Die negativen langfristigen Effekte, wie zum Beispiel die bleibend hohen Infrastrukturkosten bei sinkenden Einwohnerzahlen, werden dabei gerne ausgeblendet. Die fallen ja erst in 20 Jahren ins Gewicht. Die Ketscher Bürger sollten sich dessen aber bewusst sein, insbesondere die Immobilienbesitzer.

Denn eine der Binsenweisheiten der Volkswirtschaftslehre lautet: Wenn man bei sinkender Nachfrage (nach Grundstücken) das Angebot (durch neue Bauplätze) erhöht, fallen die Preise (bestehender Immobilien) und zwar auch ohne Geothermie-Kraftwerk nebenan. Die Zeche für die falsche Politik bezahlen wie immer die Bürger.

Andreas Diebold, Hockenheim

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