Lokalsport

Geburtstag Der in Schwetzingen lebende ehemalige Bahnrad-Weltmeister von 1962 wird heute 80 / Noch immer sitzt er regelmäßig im Sattel

Bernd Rohr: Das Rad ist mein Lebenselixier

Der Radsport bleibt seine Leidenschaft. Heute, an seinem 80. Geburtstag, wird der in Schwetzingen wohnenden Bernd "Fips" Rohr zwar nicht auf das Rennrad steigen, bald schon dürfte der ehemalige Bahnrad-Weltmeister aber wieder durch die Gegend sausen. Über 4000 Kilometer im Jahr legt er noch zurück.

Am 13. November 1937 in der Mannheimer Oststadt geboren, wird Bernd Rohr dort auch eingeschult. Nach dem Bombenangriff im März 1945 muss die Familie umziehen, mit seiner Mutter und den beiden Schwestern kommt er nach Ketsch zu Verwandten, später nach Göppingen. Wieder zurück in der Quadratestadt wohnt die Familie in der Rheinhäuser Straße, unweit von Willi und Rudi Altig.

Altig-Brüder begeistern ihn

Die beiden Brüder begeistern ihn für den Radsport. Er baut sich ein Sportrad um, ein Rennrad kann er sich noch nicht leisten. Rohr wird Mitglied im Radsportclub RRC Endspurt Mannheim. Der spätere Nationaltrainer Karl Ziegler eröffnet ein Fahrradgeschäft in der Langen Rötterstraße. Hier trifft man sich. 1953 wird Rohr badischer Jugendmeister auf der Bahn. Der 1,83-Meter-Hüne lernt Kfz-Schlosser beim Autohaus Islinger. Auf dem Zweirad eifert er seinen Vorbildern Rudi und Willi Altig nach. Ab 1958 ist er Nationalfahrer. Er heimst insgesamt 34 Medaillen ein, wird dreimal deutscher Meister auf der Straße, im Teamzeitfahren und in der Mannschaftsverfolgung, auch im 100-Kilometer-Mannschaftszeitfahren.

Der größte Triumph auf der Piste kommt bei der Weltmeisterschaft 1962 in Mailand. Im Velodromo Vigorelli holt Rohr gemeinsam mit Lothar Claesges, Ehrenfried Rudolph und Klaus May den Titel in der Mannschaftsverfolgung. Im 4000-Meter-Rennen setzt sich das deutsche Quartett gegen Dänemark durch. In der Qualifikation zuvor fahren die Amateure auf der Holzbahn einen Weltrekord, der erst 1968 bei den Olympischen Spielen in der Höhe von Mexiko City verbessert werden wird. "Mit Menthol die Brust eingerieben, Traubenzucker eingeworfen und ab ging's", erinnert sich das Ehrenmitglied des RRC Endspurt an damals.

Nicht schlecht verdient

In der Heimatstadt wird Trainer Karl Ziegler, Klaus May und ihm ein begeisterter Empfang bereitet. Eineinhalb Jahre nach dem WM-Titel wird Rohr Berufsradfahrer. Das erste Rennen absolviert er mit Dieter Kemper bei einem Sechs-Tage-Event im Berliner Sportpalast. Er fährt noch fünfzehn weitere Sechs-Tage-Veranstaltungen, unter anderem in Berlin, Köln, Dortmund, Bremen, Münster und Essen. Rohr verdient nicht schlecht. Pro Nacht gibt es 500 Mark, dazu Prämien für Siege und Platzierungen. Mechaniker, Verpflegung und Masseur müssen selbst bezahlt werden.

Willi Altig, Klaus May und er fangen sich dann eine heftige Hepatitis ein, die vielleicht von einer verunreinigten Vitaminspritze stammt, und liegen monatelang im städtischen Krankenhaus in Mannheim. Rohr hört danach auf mit dem Profiradsport. Er habe übrigens nichts zu tun mit dem legendären Mannheimer Fußballer Philipp Rohr, der zuerst "Fips" gerufen wurde, erzählt er. Viele hätten gedacht, er sei mit dem Neckarauer verwandt, "dann hat sich der Spitzname so eingebürgert".

Tankstelle in Oftersheim

1968 wird Rohr "Weltmeister an der Zapfsäule", heißt es damals in der Zeitung, er übernimmt eine Tankstelle in Oftersheim. 1981 wird er mit seinem Autohaus Nissan-Vertragshändler. Zeitweise arbeitet er für ZDF-Kommentator Klaus Angermann, fährt mit dem Motorrad Kameraleute bei Radrennen, wie beim Giro d'Italia. Abends bringt er die Filme schnell zum Flughafen.

Dem Radsport bleibt er immer treu. "Körper und Herz wollen bewegt werden", sagt Rohr. Heute absolviert er Touren als "Schönwetterfahrer". Auch im Urlaub in Spanien. In Andalusien hat er lange Zeit eine Finca gehabt. Viele Radprofis haben ihn dort besucht. Schwester Karin lebt heute in Seattle in den USA, Die andere Schwester Eleonore ist früh verstorben. Seit 17 Jahren wohnt Rohr im Schwetzinger Wohngebiet Schälzig. Ende des Jahres zieht er aber mit Lebensgefährtin Danuta nach Mannheim in die Mallau. Er möchte wieder "Monnemer Bu" werden, dann habe die Quadratestadt wieder einen Weltmeister, lacht er. "Das Rad ist mein Lebenselixier", gibt er zu. Bei Radrennen werde keiner ausgepfiffen, wie etwa beim Fußball, "sondern auch der letzte, der den Anstieg zum Pass schafft, wird noch beklatscht."

Der Jubilar geht gerne ins Fitnessstudio. Er hat eine Wild Card fürs Training bei seinem Freund Werner Pfitzenmeier, dem er früher das Mofa frisiert hat. Ansonsten betätigt er sich als "Beischlepper", holt Wein und Zwiebelkuchen für das Bistro "Point" von Lebensgefährtin Danuta ran inder Schwetzinger Fußgängerzone. Außerdem hat er noch einen sechs Jahre alten Windhund mit Namen "Mokka", der aus einem Tierheim in Spanien stammt. Sein zehnter Hund mittlerweile. Nicht nur "Point"-Gästen dürfte Dogge "Abby" noch bekannt sein. Das riesige Tier war elf Jahre lang eine treue Begleiterin. Davor waren es schon drei Doggen, dreimal ein Boxer sowie ein Dobermann. Letzterer hat es als in Spanien "vergessener Hund Shakespeare" schon einmal in die Presse geschafft.

Im Frühjahr wird nachgefeiert

"Man kann auch ohne Hunde leben, aber es lohnt sich nicht", meint Rohr, der auch noch regelmäßig im Fahrradladen von Willy Altig in Mannheim mitmacht. Dort setzt er junge Menschen aufs Rennrad. Heute wird der runde Geburtstag im Familienkreis gefeiert. Aber im Frühjahr, wenn es wieder wärmer ist, soll es auf jeden Fall ein Fest im "Point" geben. Da freut sich der "Fips" schon drauf.

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