Lokalsport

Formel 1 Sauber-Pilot Charles Leclerc fiebert seinem Heim-Rennen beim Großen Preis von Monaco entgegen / Red Bull zeigt starken Auftakt

Der Junge, der an der Start-Ziel-Linie lebt

Archivartikel

Aller guten Dinge sind drei. Drei deshalb, weil Charles Leclerc erst der dritte Monegasse ist, der einen Heim-Grand-Prix im Fürstentum bestreiten wird. Zuvor steuerten nur Louis Chiron im Jahr 1955 und Olivier Beretta ihre Boliden durch das Fürstentum. Beretta wurde 1994 Achter. Da war Charles Leclerc, der für das Alfa-Romeo-Sauber-Team ins Lenkrad greift, noch gar nicht geboren. Das 20-jährige Mega-Talent kam erst 1997 zur Welt – in Monaco.

Und das ist der große Unterschied zu vielen Fahrerkollegen, die erst im Verlauf ihrer Karriere nach Monte-Carlo gezogen sind. Leclerc ist ein waschechter Monegasse, er lebt unweit der Start-Ziel-Linie und hat noch genaue Erinnerungen an sein erstes Rennen: „Da war ich vier Jahre alt und habe das Rennen von der ersten Kurve aus gesehen. Da hat ein Freund gewohnt. Ich habe schon damals davon geträumt, ein Teil der Formel 1 zu sein. Jetzt klappt es endlich. Ich kann es gar nicht abwarten.“

Dabei wusste Charles Leclerc schon seit seiner Kindheit, was er einmal werden möchte: Rennfahrer. Er überzeugte früh seinen Vater Hervé, der in den 1990er-Jahren selbst Formel-3-Pilot gewesen war. Doch Charles’ Weg war hart. Er verlor mit Jules Bianchi seinen besten Freund. Bianchi erlag den Folgen eines schweren Unfalls beim Formel-1-Rennen in Suzuka im Jahr 2014.

Zwei Jahre später traf ihn der nächste Schicksalsschlag: Papa Hervé verlor den Kampf gegen eine schwere Krankheit. Aber Charles Leclerc machte weiter und behauptet heute, dass ihn die Verluste stärker gemacht hätten. Inzwischen ist er im Rennzirkus angekommen. Mit dem unterlegenen Sauber hat er in Aserbaidschan den sechsten Platz belegt. Und auch in Barcelona fuhr er vor knapp zwei Wochen als Zehnter in die Punkteränge.

Und wie sieht er die Chancen für dieses Wochenende? „Um ehrlich zu sein: Ich bin ein bisschen verwirrt, woher die großen Erwartungen kommen. Es sieht so aus, als würde es ein schwierigeres Wochenende für uns werden. Wir arbeiten derzeit an unseren Schwächen und hoffen, dass wir trotzdem ein gutes Resultat erzielen können.“

„Mille Miglia“ als Vorbereitung

Zur Vorbereitung durfte sich Leclerc auf anderen Pfaden bewegen: Er nahm in einem Alfa Romeo aus dem Jahr 1932 Platz und trat beim legendären italienischen Straßenrennen „Mille Miglia“ an. Ob sich die alternative Herangehensweise positiv auswirkt, lässt sich nach dem ersten Trainingstag nicht beurteilen.

Leclerc scheint jedoch mit seiner Vorhersage – Sauber stünde ein schwieriges Wochenende bevor – Recht zu haben, denn er belegte gestern nur die Plätze 16 und 17. Vorne lagen nach den ersten beiden Einheiten die Red Bulls von Daniel Ricciardo und Max Verstappen. Für Ferrari-Pilot Sebastian Vettel standen die Ränge vier und drei zu Buche.

Vettel als Unterstützer

Doch unabhängig davon, wie der Monaco-Grand-Prix am Sonntag (15.10 Uhr/RTL) enden wird: Leclerc gehört zu den begehrtesten Fahrern im Feld. Möglicherweise könnte der von der Scuderia unterstützte Leclerc in naher Zukunft sogar Teamkollege von Sebastian Vettel im Ferrari werden.

Im Heppenheimer hat der aktuelle Formel-2-Meister jedenfalls einen großen Unterstützer gefunden: „Der Hype um ihn ist gerechtfertigt. Wenn es keinen Hype um ihn gibt, dann um niemanden. Aber er sollte nicht zu sehr darauf hören, sondern Spaß haben und so weitermachen wie bisher.“ Aber: „Ich bin nicht dafür zuständig, wer mein Teamkollege ist.“

Leclerc, der gemeinsam mit Vettel bei der Pressekonferenz saß, bedankte sich für die warmen Worte, denen er jetzt Taten folgen lassen möchte. Sollte ihm das gelingen, dann wäre der Debütant der zweite Monegasse, der überhaupt Punkte im Fürstentum holt.

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