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3. Handball-Liga Moritz Schmidberger spielt am Freitag das erste Mal vor heimischer Kulisse gegen HSG Bieberau/Modau / Der Linkshänder hat sich schon gut eingelebt

Die „Beißzange“ ist nun Jüngster im Team

Archivartikel

Seit geraumer Zeit darf Holger Löhr seinen Drittliga-Kader wieder mit etwas weniger Sorgenfalten betrachten. Der Handballtrainer durfte nicht nur einige seiner ehemals verletzten Spieler wieder an ihr früheres Niveau heranführen, sondern auch einen Neuzugang begrüßen – noch dazu einen Linkshänder für den Rückraum. Moritz Schmidberger verschlug es aus studientechnischen Gründen von Balingen nach Mannheim und der 19-Jährige wählte sich die HG Oftersheim/Schwetzingen als neue sportliche Heimat aus. Der Medizinstudent („mein Traum“) brennt auf seinen ersten Einsatz vor heimischem Publikum jetzt gegen die HSG Bieberau/Modau.

Schmidberger entstammt der südwürttembergischen Talentschmiede der JSG Balingen/Weil-stetten, spielte Jugend-Bundesliga (nur nicht vergangene Saison, da vermasselte die HG der JSG die Teilnahme) und kam früh zu seinen ersten Drittliga-Einsätzen beim HBW II, wo er zur aktuellen Saison fester Bestandteil wurde.

Was führte Sie zum Handball?

Moritz Schmidberger: Meine Mutter stammt aus dem handballbegeisterten Weilstetten und schickte mich dort mal ins Training der Minimannschaft. Relativ schnell verging mir jedoch damals der Spaß am Handball, da alle meine Freunde im Fußballverein waren, also ging auch ich diesen Weg und schaffte es damals als Torhüter sogar in die Auswahl. In der D-Jugend startete ich dann wieder das Handballtraining bei meinem Heimatverein TG Schömberg, wurde dann auf einem Rasenturnier von meinem ehemaligen Trainer (später auch Mitspieler) Julian Thomann entdeckt und zur JSG Balingen/Weilstetten gelotst. Daraufhin entschied ich mich doch für Handball, da die JSG das Traumziel jedes jungen Handballers in der Region ist.

Wie verlief Ihre bisherige Karriere?

Schmidberger: Meine ganze Jugend absolvierte ich ab der C-Jugend in Balingen, die ganz großen Erfolge mit der JSG blieben allerdings aus, da wir immer knapp an der Hürde zur deutschen Meisterschaft scheiterten. In den Jahrgängen über mir war ich zwar mal bei der deutschen Meisterschaft auf der Platte, wir wurden aber von Berlin im Achtelfinale ziemlich deutlich geschlagen. Mit der württembergischen und später baden-württembergischen Auswahl war ich auf mehreren Turnieren, der Länderpokal in Berlin war damals ein Highlight. Schon als ich frisch aus der B-Jugend in die A-Jugend kam, durfte ich meine ersten Erfahrungen beim HBW II machen und habe dort zeitgleich in der Jugend und Männer-Mannschaft gespielt. Diese Saison startete ich in mein drittes Jahr in der 3. Liga, musste meinen Vertrag aufgrund meiner Studienplatzwahl dann aber leider frühzeitig auflösen.

Gab es auch Tiefschläge?

Schmidberger: Ein Tiefschlag, der lange im Gedächtnis bleiben wird, ist die gescheiterte Qualifikation zur Jugend-Bundesliga in meiner letzten A-Jugendsaison, bei der ich mich leider auch noch verletzt habe und im entscheidenden Spiel gegen die HG Oftersheim/Schwetzingen nicht mitwirken konnte.

Sie hatten sicherlich noch andere Anfragen als jene von der HG?

Schmidberger: Am Tag der Pressemitteilung des HBWs über meine Vertragsauflösung lag mein Handy gefühlt keine fünf Minuten ruhig da. Es hat mich selbst überrascht, wie viele Vereine sich bei mir gemeldet haben, von vielen Drittligisten hier in der Region, bis zu Badenligisten.

Was gab den Ausschlag für die HG?

Schmidberger: Zunächst war mein Plan eigentlich, nicht weiter in der 3. Liga unterwegs zu sein. Deshalb sagte ich auch einigen Mannschaft direkt ab. Simon Förch blieb aber hartnäckig und hat mich von einem Probetraining bei der HG überzeugt. Ausschlaggebend war schlussendlich dieses Probetraining, da ich mich in der Mannschaft sofort wohl-fühlte (ähnliches Teamgefüge wie in Balingen mit vielen jungen Spielern und ein paar alten Hasen, die ihre Erfahrung mitbringen) und weil ich auch mit Holger von Anfang an gut klarkam. Deshalb entschied ich mich dann gegen meine ursprüngliche Absicht, in der Badenliga einzusteigen, auch weil ich merkte, dass ich die Professionalität der 3. Liga brauche. Außerdem habe ich zur HG die kürzeste Fahrstrecke und auch mit Martin Schmitt im Vorstand einen Mediziner, der genau weiß, wie sich mein Studium und leistungsorientierter Handball unter einen Hut bringen lassen.

Wie lief es beim Ersteinsatz in Kirchzell?

Schmidberger: Natürlich können wir mannschaftlich mit dem Unentschieden in Kirchzell nicht komplett zufrieden sein, vor allem wenn man sich den Spielverlauf anschaut. Trotzdem ist mein Einstand gut gelungen. Ich wurde direkt viel eingesetzt, obwohl ich erst eineinhalb Wochen im Training war und natürlich noch viele Abstimmungen gefehlt haben. Direkt nach meiner Einwechslung erzielte ich auch meinen ersten Treffer für die HG und auch in der Abwehr konnte ich einige wichtige Akzente setzen (was zu meinem neuen Rufnamen dank Lukas Sauer, „die Beißzange“ führte). Auch, dass Holger mir dann direkt vertraut hat und mich in der heißen Schlussphase noch mal auf die Platte warf, hat mich sehr positiv gestimmt. Es wäre natürlich schön gewesen, mein erstes Spiel dann auch direkt mit dem Sieg zu krönen, aber noch schöner wird der erste Sieg dann vor heimischer Kulisse.

Wie sieht der Ausblick auf Freitag aus?

Schmidberger: Nachdem ich jetzt durch das spielfreie Wochenende noch mehr Zeit hatte, mich an das Spielsystem der HG zu gewöhnen, hoffe ich noch besser in die Mannschaft zu passen. Natürlich sind viele Laufwege und das Gefühl für das richtige Timing noch nicht zu 100 Prozent da, aber vor allem in der Abwehr denke ich, dass ich der Mannschaft weiterhelfen kann. Ich erwarte ein sehr enges und temporeiches Spiel, das hoffentlich zugunsten von uns endet. Ich freue mich natürlich auch darauf, das erste Mal vor dem heimischen Publikum auflaufen zu können.

Wie fühlt sich der Schwabe jetzt in Baden, in der Kurpfalz?

Schmidberger: Ich habe mich hier schon sehr gut eingelebt und fühle mich sehr wohl. Einziges Manko ist, dass ich meinen schwäbischen Dialekt etwas im Zaum halten muss, da einige Wörter hier nicht verstanden werden. Alles in allem sind die Unterschiede zwischen dem Schwabenland und Baden sehr gering. Einzig kulinarisch muss ich mich noch an das eine oder andere Kabinenfest gewöhnen, da Dosenwurst und Mett in Balingen ein No-Go waren.

Erleichtert es das Eingewöhnen, dass schon zwei von „Ihrer Sorte“ hier sind?

Schmidberger: „Kubi“ (Alexander Kubitschek) ist als erfahrener Spieler ein sehr wichtiger Teil der Integration von neuen Spielern. Er gibt mir vor allem auf der Platte wichtige Tipps. Bei „Flo“ (Florian Burmeister) tut es gut, ab und an mal den schwäbischen Dialekt zu hören. Er ist vor allem in der Kabine immer jemand, der das Team bei Laune hält. Aber auch alle anderen Spieler tragen ihren Teil zur Integration bei, so dass mir die Eingewöhnung leichtfällt.

Und wie hat Sie das Team so eingegliedert?

Schmidberger: Ich hoffe, dass sich „Team Jung“ über meine Fertigkeiten im Fußball erfreut. Im Besonderen war Max Barthelmeß darüber beglückt, nicht länger „Jüngster“ zu sein. Selbstverständlich sind drei Wochen eine sehr kurze Zeit und es ist noch nicht dasselbe wie in Balingen, wo ich einen Großteil der Mannschaft schon über viele Jahre kannte, trotzdem bin ich sehr gut aufgenommen worden.

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