Lokalsport

2. Fußball-Bundesliga SVS seit fünf Spielen ohne Sieg und Tor

Es fehlt von allem ein bisschen

So hatte sich Michael Schiele das Drücken des Reset-Knopfes ganz sicher nicht vorgestellt. Mit dem Anpfiff der Partie bei Hannover 96 waren am Sonntagnachmittag alle erarbeiteten Trainingsinhalte und der Glaube an sich selbst dahin. Durch die 0:4-Pleite bei Ex-Trainer Kenan Kocak (wir berichteten) ist der SV Sandhausen seit fünf Pflichtspielen sieg- und torlos. Die Kurpfälzer können von Glück sprechen, dass sich die Verfolger FC St. Pauli (1:2 bei der SpVgg Greuther Fürth) und Würzburger Kickers (2:4 gegen den Karlsruher SC) aktuell ebenso schwach präsentieren.

Trainer Schiele hat seit seiner Amtsübernahme lediglich ein Spiel gewonnen, aber auch dieses Erfolgserlebnis liegt bereits fast einen Monat zurück (3:2 in Würzburg). Er sagt: „Das Ergebnis ist natürlich nicht schön. Wir haben angefangen zu arbeiten und an uns zu glauben, aber das alles war bei diesem Spiel von der ersten Minute an weg. Uns hat einfach die Überzeugung gefehlt. Im Moment soll es einfach nicht sein.“

Es waren wieder einmal haarsträubende Schnitzer im Abwehrbereich, die einen Coup bei den heimstarken Niedersachsen unmöglich machten. Das erkannte auch Präsident Jürgen Machmeier: „Wir haben viele Fehler gemacht und die führen momentan automatisch zu Gegentoren. Selbst können wir die Fehler, die der Gegner macht, nicht ausnutzen. Wir hatten auch kein Spielglück, dieses Glück muss man allerdings erzwingen. Es fehlt derzeit von allem ein bisschen, um erfolgreich zu sein. Auch die geistige Frische, um so ein Spiel vielleicht noch zu drehen, war nicht vorhanden.“

Durchhalteparolen statt Appell

Das ist erstaunlich, denn die Kurpfälzer hatten im Kurztrainingslager Zeit, um sich auf die prekäre Situation vorzubereiten. Schwung brachte lediglich Enrique Peña Zauner nach seiner Einwechslung, doch auch der 20-Jährige der monatelang auf dem Abstellgleis geparkt war, konnte die Wende nicht einleiten. Symptomatisch dafür, wie ungefährlich der SVS auftrat, ist die Statistik der Schüsse, die wirklich auf das Tor von Michael Esser flogen. Es war lediglich ein Ball, den Hannovers Schlussmann parieren musste.

Auf der Gegenseite zeigten Marvin Ducksch (23./53.) und Joker Patrick Twumasi (48./89.) wie man Chancen erfolgreich abschließt. „Ich bin rundum zufrieden. Jedes Spiel in der Liga ist ungemein wichtig, die Tabelle ist noch sehr eng beisammen. Der Sieg gibt uns mit Sicherheit Kraft und nochmal den Glauben an uns selbst“, sagte Kocak, der damit seinem ehemaligen Arbeitgeber ein großes Stück voraus ist.

Sandhausens Sportlicher Leiter Mikayil Kabaca appelliert derweil an seine Mannschaft. Es klingt aber mehr nach Durchhalteparolen: „Wir lassen die Köpfe jetzt nicht hängen. Wir haben in den vergangenen Jahren schon oft bewiesen, dass wir bis zum Ende alles geben werden, um in der Klasse zu bleiben. Das werden wir auch diesmal wieder tun und es dann auch schaffen. Klar ist aber, dass wir in den kommenden Spielen Ergebnisse liefern müssen.“

Einfacher werden die Aufgaben nicht. Zumal aktuell bezweifelt werden darf, ob es für den SVS überhaupt einfache Aufgaben gibt. Schon am Freitag kommt mit dem 1. FC Heidenheim der letztjährige Teilnehmer der Aufstiegsrelegation. Gegen den Tabellen-14. Jahn Regensburg muss ein Sieg her, ehe am letzten Vorrundenspieltag der Aufstiegsanwärter VfL Bochum an den Hardtwald kommt. Auch Kapitän Dennis Diekmeier weiß: „Es geht jetzt nur darum, so schnell wie möglich Punkte zu holen.“

Vielleicht können Neuzugänge bei dieser Mission helfen. Vorher muss im aufgeblähten 29-Mann-Kader aber erst einmal Platz geschaffen werden. mjw

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional