Lokalsport

Flickenteppich bei den einzelnen Handballverbänden

Ähnlich wie in der großen Politik, im Spannungsfeld zwischen Bundesregierung und Föderalismus, war und ist auch die Vorgehensweise im deutschen Handball jenseits der Bundesligen bezüglich einer möglichen Saisonfortsetzung ein bunter Flickenteppich. Zwischen Hoffnung auf Fortführung sowie Reduzierung, Abbruch und Annullierung oder Nichtwertung sind alle Nuancen vertreten.

Baden-Württemberg hat am Donnerstag dem Weiterspielen die Absage erteilt (wir berichteten), am Freitag zog der Pfälzer Verband nach, obwohl er sich eigentlich den 15. März als Zeitpunkt zur Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs gesetzt hatte.

Lange am Beschluss festgehalten

Die drei baden-württembergischen Verbände verwiesen für ihre Landesbereiche und die gemeinsame Oberliga lange und einheitlich auf ihren Beschluss vom 21. Dezember (Fortführung ab 13./14. März, allgemeiner Trainingsbeginn 22. Februar, ansonsten Erarbeitung und Erwägung weiterer Szenarien).

Da hatten andere schon Fakten geschaffen und den Betrieb eingestellt – wahlweise ohne Absteiger und/oder eventueller Aufstiegsrunden sowie freiwilliger Teilnahme an Ligapokalen als Beschäftigung (Rheinland-Pfalz/Saar, Niederrhein, Rheinhessen mit Annullierung auf Vereinswunsch, Rheinland und Saarland ohne Wertung, de facto auch Westfalen, ohne den Abbruch genau zu formulieren).

Einen anderen Weg wählte Bayern. Hier soll notfalls sogar bis zum 9. Mai gewartet werden. Ist dann eine Saisonfortführung nicht möglich, wird im kommenden Herbst mit dem Stand bei der Unterbrechung fortgefahren. Andere haben sich noch nicht weiter positioniert, wollen zum Teil die nächsten bundesweiten oder landesinternen Entscheidungen der Politik abwarten (Berlin, Bremen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Thüringen).

Für Dritte Liga und Jugend

Wie schon bei der Einstellung der Saison 2019/20 hält der Deutsche Handballbund (DHB) scheinbar am längsten an seinen Fortführungsplänen fest. Er ist für den Drittliga-Spielbetrieb und jenen der Jugend-Bundesliga Handball zuständig. Außerdem sollen unbedingt noch die Meisterschaften der A- und B-Jugend ausgetragen werden.

Auswertung der Umfrage

Derweil hat der DHB wohl die angekündigte Umfrage unter den Männer-Drittligisten ausgewertet. Nach Informationen des Naumburger Tageblatts haben 65 Teamverantwortliche geantwortet. 49 davon sollen aktuell trainieren dürfen, heißt es in dem Bericht. Nur 27 Mannschaften sehen aber sich in der Lage, ab Anfang März den Spielbetrieb wieder aufzunehmen.

Uneinig waren sich die teilnehmenden Drittligisten über den nächsten Rundenstart. Sie votierten für Termine an den Wochenenden zwischen 14. August und 5. September. Für einen noch früheren Beginn (31. Juli/1. August) – wie von spielleitender Stelle favorisiert und gewünscht – konnte sich wohl niemand erwärmen. Der Dachverband selbst schweigt sich auf seiner Homepage derweil noch über diesen Sachverhalt und mögliche Vorgehensweisen beharrlich aus.

Doch der anvisierte Stichtag, an dem über Abbruch oder Fortsetzung entschieden werden soll, rückt unweigerlich näher. Mit drei Wochen Vorlauf- und Vorbereitungszeit sollte am 6./7. März der Handball für die restlichen Hinrundenpartien wieder fliegen. Der Tag der Entscheidung für die Aufnahme des Trainingsbetriebs wäre also mit Ablauf dieser Woche gekommen.

Entsteht Zweiklassengesellschaft?

Ein Abbruch erscheint somit wahrscheinlich, auch weil die Drittligisten hinsichtlich der geforderten Schnelltests in zwei Lager gespalten sind. Über den DHB sollen diese wohl für 5 bis 8 Euro zu beziehen sein. „Das macht rund 2000 Euro für jeden Verein im Monat“, erklärt Manager Rainer Lusch vom TV Willstätt der mittelbadischen Presse und hält diesen Aufwand für „machbar“.

Völlig gegensätzlich klingt da jedoch die Aussage von Sebastian Schräbler, Trainer der HG Owschlag/Kropp/Tetenhusen, der die Gefahr einer „Zweiklassengesellschaft“ anprangert: „Wir als Dorfverein können uns wöchentliche Tests nicht leisten.“

Selbst der sportliche Leiter Mirko Henel vom SV Kornwestheim, der pro Spiel von lediglich „100 bis 150 Euro ausgeht“, äußert da seine Bedenken.

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