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Fußball Badens Verbandsjugendleiter Rouven Ettner hofft auf eine Lösung für den Spielbetrieb

„Ich bitte alle Clubs, noch etwas Geduld zu haben“

Archivartikel

In den Jugendstaffeln des Badischen Fußball-Verbandes (BFV) ist der Spielbetrieb seit Mitte März und bis auf Weiteres ausgesetzt. Verbandsjugendleiter Rouven Ettner (30, Walldorf) nimmt zur aktuellen Situation Stellung.

Wie sieht die Situation im Jugendfußball aus?

Rouven Ettner: Auch hier gelten die Verfügungen des Bundes und des Landes Baden-Württemberg, also die Schließung der Spielstätten bis zum vergangenen Sonntag, und die Kontaktbeschränkung bis zum 15. Juni. Ebenso ist der Schulbetrieb ausgesetzt oder eingeschränkt, dadurch findet kein Sportunterricht statt. Das führt gerade bei den Jugendlichen zu einem Mangel an Bewegung und auch an Sozialkontakten, die über digitale Medien hinausgehen.

Wie unterscheidet sich der Jugendbereich von der Aktivität?

Ettner: In der Jugend ist die Zahl der noch offenen Spiele geringer. Außerdem unterscheiden wir hier zwischen aufstiegsberechtigem Spielbetrieb und dem Spielbetrieb, bei dem die Tabelle keine Rolle spielt oder zweitrangig ist. Zudem haben wir in der Jugend deutlich mehr Staffeln mit den verschiedensten Konstellationen, teilweise spielen sie durchgängige Runden, teilweise nur Halbrunden.

Macht das die Situation einfacher?

Ettner: Gewisse Dinge sind sicherlich unkomplizierter. Jugendspieler haben in der Regel keine Verträge. Für andere Dinge brauchen wir aber Lösungen. Beispiele: Wechseln die Spieler im Sommer wie gewohnt die Altersklassen oder setzen wir die Saison mit den bisherigen Jahrgängen fort? Wie können wir ein „Wegsterben“ der A-Jugend-Teams verhindern, wenn immer mehr A-Jugendliche das 18. Lebensjahr vollenden und in der Herrenmannschaft spielen sollen? Aufgrund der Komplexität kann es kein einheitliches Szenario für alle Altersklassen geben, wie das wahrscheinlich im Aktivenbereich der Fall ist. Denn die Jugend-Kreisligen stehen vor anderen Herausforderungen als die Jugend-Oberligen. Aber wo wird die Trennung vorgenommen? Zwischen Ligen mit und ohne Aufstieg oder zwischen Verbands- und Kreisebene? Eine weitere, nicht zu unterschätzende Unsicherheit ist, ob die Eltern ihre Kids nach der Freigabe der Politik sofort wieder ins Training schicken oder ob sie aus Ansteckungsangst lieber zu Hause bleiben.

Welche Lösungen kommen in Frage?

Ettner: Die meisten der entwickelten Szenarien für die Aktivität sind grundsätzlich auch auf die Jugend anwendbar. Grob gibt es die zwei Möglichkeiten: Weiterspielen sobald es geht, eventuell auch über die eigentliche Saison hinaus, oder Abbruch mit der Entscheidung, wie gewertet wird. Dabei müssen alle Pro und Kontras abgewägt werden, eine ideale Lösung ohne Unzufriedenheit wird es auch in der Jugend nicht geben. Mir ist wichtig, dass wir die Sache nicht unnötig verkomplizieren. Einige theoretisch mögliche Szenarien klingen zunächst gut, bringen aber sehr viel Regelungsbedarf mit sich.

Wie ist das weitere Vorgehen?

Ettner: Aktuell läuft eine intensive Abstimmung innerhalb der Verbandsjugendleitung und dem Präsidium. Darauf folgt, wie bei der Aktivität, die Kommunikation mit jedem einzelnen Verein. Und natürlich müssen wir immer die politischen Entscheidungen im Auge behalten. Wir stehen vor einer richtig schweren Aufgabe. In einigen Bereichen sind wir von höherklassigen Spielklassen abhängig, auch hier müssen wir die Entwicklung beobachten und in den entsprechenden Gremien unsere Meinungen vorbringen.

Wie schätzen Sie die Stimmung unter den Vereinen ein?

Ettner: Ich habe mit sehr vielen der Vereinsjugendleiter gesprochen, so dass ich mir schon ein gutes Bild über die aktuelle Stimmungslage in den Jugendabteilungen machen konnte. Viele haben vor allem die Angst, dass wir nach der Krise deutlich weniger Spieler in den Vereinen haben.

Was können Vereine oder auch die Jugendtrainer aktuell tun?

Ettner: Es ist, denke ich, wichtig, in diesen Zeiten den Kontakt zu den Jugendlichen zu halten. Die sind virtuelle Kommunikation ja gewöhnt. Viele Vereine entwickeln kreative Ideen und halten ihre Kids mit Challenges und Trainingstipps auf Trab. Auch die Trainer können sich fit halten und weiterbilden, beim BFV gibt es im Mai die erste Online-Qualifizierung. Das Angebot soll ausgeweitet werden. Klar ist, dass sich natürlich alle weiterhin an die Abstands- und Hygieneregeln halten sollten, damit die Lage sich schnellstmöglich bessert. Und ich bitte alle Clubs, noch etwas Geduld zu haben.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Ettner: Ich hoffe, dass wir eine Lösung für den Spielbetrieb finden, die die Mehrheit mittragen kann, weil es keine Lösung geben wird, die alle zufriedenstellt. Ich wünsche mir, dass wir alle die Krise einigermaßen heil überstehen, dass alle Kinder und Jugendliche nach der Krise wieder in den Verein zurückkommen und die Mannschaftszahlen stabil bleiben. Außerdem habe ich die Hoffnung, dass die Ehrenamtler sich auch nach der Krise weiter engagieren, denn dann wird es umso nötiger sein. zg/Bild: GES/Hurst

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