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Leichtathletik Malaika Mihambos langjähriger Trainer Ralf Weber hofft im EM-Weitsprungfinale am Samstag in Berlin auf eine starke Leistung seines Schützlings

„Ich mache den Erfolg nicht an einer Medaille fest“

„Weltklasse aus Ofdasche!“ So titelt die LG Kurpfalz auf ihrer Homepage einen Bericht über Malaika Mihambo. In der Tat ist die 24-Jährige aus Oftersheim schon seit geraumer Zeit Weltklasse, und natürlich ist die Weitspringerin seit Jahren das Aushängeschild ihres Vereins schlechthin. Olympiavierte und EM-Dritte 2016 und aktuell deutsche Meisterin, um nur einige ihrer Erfolge zu nennen.

Am morgigen Samstag (Beginn um 20.05 Uhr) kämpft Mihambo bei den Europameisterschaften in Berlin um eine Medaille, vielleicht sogar um den Sieg im Weitsprung. Zahlreiche Fans von der LG Kurpfalz werden sie im Stadion unterstützen. Die souverän überstandene Qualifikation mit 6,71 Meter gestern Morgen zeugt von ihrer mentalen Stärke und ihrer guten Form. „Sie ist in blendender Verfassung“, freut sich ihr Trainer Ralf Weber, der sie seit dem zehnten Lebensjahr trainiert. Er hat einen ganz großen Anteil an ihrer Entwicklung und ihren Erfolgen.

„Ich habe damals gerade mit Christian Zimmermann die Abteilungsleitung bei der LG Kurpfalz übernommen“, erinnert sich Weber an jene Tage, als er Malaika kennenlernte. Wie in der Leichtathletik üblich, wird zunächst nicht spezialisiert, sondern auf Mehrkampf trainiert. Doch bei Malaika Mihambo zeigte sich relativ schnell ihr Talent für Sprint und den Sprung. „Man kann nicht weit springen, wenn man nicht schnell ist“, nennt Weber eine Binsenweisheit. Doppelstarts im Sprint und Weitsprung sind jedoch aufgrund der Zeitpläne bei Meisterschaften selten möglich, und „irgendwann muss man sich entscheiden, was man macht.“ (Weber). Es wurde der Weitsprung.

An Mihambo gefällt ihm vor allem die Disziplin und Zielstrebigkeit. Sie sei keine Trainingsweltmeisterin, aber „sie kann liefern, wenn es darauf ankommt, im Wettkampf geht sie an ihre Grenzen.“ Berlin sei der absolute Jahreshöhepunkt, das nimmt eine sonst weitgehend cool wirkende Athletin auch nicht locker. Den Plan, gleich im ersten Sprung der Qualifikation, weit zu springen, ging auf.

Ganz besonderes Verhältnis

Nach so langer Zeit ist das Verhältnis Trainer-Athletin natürlich ein ganz besonderes. Man kennt sich aus dem Effeff. „Ich schaue genau hin, was für einen Eindruck sie macht. Man darf nicht zu früh Anspannung aufbauen, die Zeit im Call-Room ist lang“, sagt Weber. Kurz vorher könne man nur noch begrenzt einwirken, da gehe es darum, die guten Dinge zu betonen.

Verspürt Weber nebst seinem Schützling Druck vor diesen Titelkämpfen in Berlin? „Beim Deutschen Leichtathletik-Verband) spürt man schon, dass irgendwie eine Medaille her soll.“ Schließlich ist Mihambo mit ihren 6,99 Meter von Weinheim die Nummer zwei in der Welt. Doch für ihn gibt es vier bis fünf Siegkandidatinnen und es gehöre neben Tagesform auch Glück mit dem Wind dazu. Die sieben Meter müssen laut Weber am Samstagabend nicht zwingend fallen. „Irgendwann passiert es auch bei Malaika“, ist der 50-jährige Lehrer (Fächer Mathe, Physik, Sport) an der Ehrhart-Schott-Schule in Schwetzingen überzeugt. Weber selbst hat auch Mehrkampf gemacht, zuvor Volleyball beim TSV Oftersheim gespielt. Dass er in die Leichtathletik-Abteilung wechselte, lag an den hübschen Mädchen dort, wie er lachend zugibt. Eines davon ist heute seine Ehefrau.

Noch nie so schnell wie jetzt

Sein Schützling sieht die magische Marke von sieben Metern ebenfalls locker. „Wenn ich das Brett richtig treffe, kann ich die sieben Meter springen“, ist sie überzeugt. Dass der Sprung in Weinheim kein perfekter war, hat ihr gezeigt, dass es weiter gehen kann. Eine biomechanische Analyse hat kürzlich ergeben, dass sie noch nie so schnell war wie im Moment. „Ich freue mich einfach riesig auf den Wettkampf im Olympiastadion, als Athletin ist das Springen vor heimischem Publikum ein ganz besonderes Gefühl, sagt Mihambo. Wenn die Weite stimme, dann wäre sie nicht enttäuscht, wenn es nicht zur Medaille reicht.

Gestern war Heike Drechsler (53) zu Besuch im Pressenzentrum im Olympiastadion. Die „Grand Dame“ des deutschen Weitsprungs, die diesmal als Kampfrichterin neben der Sandgrube steht, war 1998 die letzte Deutsche, die Weitsprung-Europameisterin wurde. Vielleicht steht am Samstagabend der Name Malaika Mihambo in den Siegerlisten.

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