Lokalsport

Im Gespräch Lennart Krayer (17) und Dieter Endres (72) sind die Aushängeschilder des Radsports in Schwetzingen, der Region und auch darüber hinaus

Im Sattel fühlen sie sich einfach wohl

Fahrradfahren ist ihre Leidenschaft. Der eine gehört seit Jahrzehnten zu den Aushängeschildern des Badischen Radsport-Verbands, der andere setzt gerade als Jungspund Akzente: Die Rede ist vom Schwetzinger Rennrad-Urgestein Dieter Endres (72), der in Freundeskreisen auch schon mal „Renndidi“ genannt wird, und Mountainbike-Ass Lennart Krayer (17), der auch in Schwetzingen wohnt. Diese Zeitung trifft die beiden zum Plausch über ihren Sport, die Herausforderungen der jeweiligen Zeit und die Veränderungen.

Wenn Dieter Endres von Lennart Krayer spricht, leuchten seine Augen. Er erkenne in Krayer große Ambitionen. Der zwölfte Platz bei der Weltmeisterschaft (WM) in Mont Sainte Anne in Kanada sei laut ihm erst der Anfang seiner noch jungen Karriere, die er aufmerksam verfolge. Endres kennt Lennarts Vater Horst durch die Arbeit im Radsportbezirk Rhein-Neckar-Odenwald und hat so auch die Entwicklung des 17-Jährigen mitbekommen. Und der Youngster kann schon einige sportliche Erfolge vorweisen – gerade hat er in seiner ersten Bundesliga-Saison die höhere Altersklasse U 19 dominiert. 2019 war sowieso sein Glanzjahr: Er wurde erstmals deutscher Meister und durfte im Deutschland-Trikot internationale Meisterschaften wie der WM in Kanada bestreiten.

Ein Mountainbike-Rennen dauert ziemlich genau eine Stunde und 15 Minuten, mit diesem Maßstab werden die Runden vorgegeben, die die Sportler nach mehrmaligem Bewältigen schaffen müssen. „Eine Runde ist meistens vier Kilometer lang und hat 150 bis 200 Höhenmeter“, erzählt Krayer. Bevor das eigentliche Rennen beginnt, starten die Sportler in einem Massenstart, der ungefähr zwei bis drei Minuten dauert. In der sogenannten Einführungsrunde wird um die vorderen Plätze gekämpft, die später für das Rennen von Vorteil sind. Hauptsächlich fahren die Sportler auf Waldwegen, oft aber auch über Steinfelder und Wurzeln. „In einer Runde gibt es auch mehrere Anstiege, die bis zu zwei Minuten lang sind, dann folgt meistens eine technische Abfahrt mit Sprüngen“, erzählt Krayer. Dieter Endres weiß: „Das Mountainbikefahren kann man gut mit Intervalltraining vergleichen. An manchen Stellen kannst du schneller fahren, an anderen musst du Tempo rausnehmen.“ Lennart Krayer nickt.

Material macht den Unterschied

Wurzeln und Steinfelder können Rennradfahrer mit ihren schmalen Reifen nicht gebrauchen. Sie heizen mit hohen Geschwindigkeiten über Straßenbelag oder Bahnen. Die Beschaffenheit des Untergrunds ist auch einer der größten Unterschiede. Und: Rennradfahrer nutzen den Windschatten des Vordermannes, was auch bei den Mountainbikern erlaubt ist. „Wir Mountainbiker fahren aber kaum im Windschatten, weil es uns nichts bringt. Höchstens mal an der Start- und Zielgerade“, sagt Krayer mit einem Lächeln.

Im Gegensatz zu den Wettkämpfen ist der Unterschied zwischen einem Rennrad und einem Mountainbike deutlich größer, da sind sich beide Experten einig. Die Reifenbreite beim Rennrad beträgt etwa 23 Millimeter, die des Mountainbikes mehr als doppelt so viel, nämlich 54 Millimeter. Zudem besitzt das Mountainbike deutlich mehr Profil. „Bei meinem Fahrrad erkennt man auch direkt, dass die Schaltung sehr klein übersetzt ist, das bedeutet, dass ich mehrere Gänge habe“, sagt Lennart Krayer und zeigt auf sein Fahrrad. Das liege daran, dass die Mountainbiker unter anderem die steilen Berge hoch kommen. Ein weiterer Unterschied liege in der Federung. Die Rennräder haben überhaupt keine Federung während die Mountainbikes einen 100 Millimeter Federweg besitzen.

Auch das Material habe sich drastisch verändert, so Endres: „Früher sind wir noch mit Stahlrädern gefahren, heute werden die Fahrräder nur noch aus Carbon hergestellt.“ Dies habe sich zwar positiv auf das Gewicht des Rades, jedoch negativ auf dessen Preis ausgewirkt, da Carbon deutlich teurer ist als Stahl.

Wie sehen die beiden die Entwicklung des Radfahrens in Deutschland? „Es fahren heute mehr Leute mit dem Fahrrad als dass Fußball gespielt wird, sie machen es nur nicht professionell“, meint Dieter Endres. Obwohl die Zahl der Fahrradfahrer steigt, haben die Radrennen deutlich nachgelassen. Das liegt vor allem an den fehlenden Sponsoren und den betrügerischen Mitteln, die dem Image des professionellen Radsports enorm geschadet haben. „Wir haben optimale Bedingungen mit den vielen Bergen im Umkreis“, bedauert Endres, dass nur noch sehr wenige Rennen in der Region stattfinden. Er ergänzt aber zugleich, dass mittlerweile große Touren und Etappenfahrten in verschiedene Partnerstädte organisiert werden. Eine der führenden Nationen im Radsport ist Deutschland jedoch nicht, das weiß auch Lennart Krayer: „Die führenden Nationen sind die Schweiz, Italien Frankreich und die Niederlande.“ Dem stimmt Dieter Endres zu und ergänzt, dass Belgien im Rennradsport noch eine vordere Rolle einnimmt.

Training heute deutlich intensiver

„Wir haben früher ganz anders trainiert“, so Endres, „aber heute ist das natürlich durch die ausgeprägte Wissenschaft ganz anders.“ Er fuhr in seiner aktiven Zeit fünfmal pro Woche, vier bis fünf Stunden nur über Berge und durch Landschaften. „Einen Plan gab es bei uns gar nicht“, sagt Endres und lacht. Heutzutage ist das durch die vorangegangene Forschung unvorstellbar. Lennart Krayer trainiert sechsmal pro Woche und fährt dabei nicht nur Fahrrad. Er geht auch ins Fitnessstudio, macht Stabilisationsübungen und trainiert seine Koordination durch Jonglieren. Das sei wichtig, um beide Gehirnhälften zu verbinden, berichtet der 17-Jährige aus seinem Trainingsalltag. Dabei geht er auch auf die Technik und die Beherrschung des Rades ein: „Das muss alles sehr ausgeprägt sein, weil wir unter anderem auf Steine springen.“ Den Trainingsplan bekomme er von seinem Landestrainer Bernd Ebele per E-Mail zugeschickt, sonst sehen sich Coach und Schützling nur auf Lehrgängen. „Mit meinen zwei Trainingspartnern fahre ich dann auch manchmal auf den Königstuhl nach Heidelberg“, erzählt Krayer.

Sowohl Endres als auch Krayer geben zu bedenken, dass der ganze Trainingsumfang aber nichts bringt, wenn ein Sportler nicht auf die Ernährung achtet. „Ich esse vor dem Wettkampf immer trockene Nudeln, um den Kohlenhydratspeicher aufzufüllen“, erzählt der Mountainbike-Fahrer von seinem Ritual. Der Sportler sollte aber auch während eines längeren Wettkampfes rechtzeitig essen, denn wenn das Hungergefühl einsetzt, sei es schon zu spät und der Sportler kann die gewünschte Leistung nicht mehr bringen, gibt Dieter Endres einen Tipp an alle Hobbysportler. Des Weiteren sei Trinken wichtiger Bestandteil vor und während des Wettkampfes.

„Im nächsten Jahr findet die WM im baden-württembergischen Albstadt statt, da möchte ich eine Medaille gewinnen“, so Lennart Krayer über sein Ziel für 2020. Bis dahin ist aber erst einmal hartes Training angesagt, um die eigenen Anforderungen zu erreichen. Dieter Endres sitzt auch noch regelmäßig im Sattel – weil’s Spaß macht und fit hält. Nach einer gesundheitlichen Zwangspause im Sommer hat er sich richtig danach gesehnt. Fahrradfahren ist nun mal ihre Leidenschaft.

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional