Lokalsport

Handball Was die Vereine der Region von den Vorschlägen der Verbände halten / Es gibt Befürchtungen, dass erst wieder im Sommer gespielt werden kann

Keiner glaubt an eine frühe Rückkehr

Archivartikel

Baden-Württembergs Handball-Verbände haben sich geeinigt, wie die Saison fortgesetzt werden könnte. Dabei scheint klar: Sollte bis Mitte März kein Re-Start möglich sein, wird die Saison wohl annulliert werden müssen, inklusive der Jugend-Qualifikation für die Runde 2020/21. Wir haben uns bei einigen Vereinen aus unserem Verbreitungsgebiet umgehört.

Robin Erb (Trainer TV Eppelheim): Es ist natürlich viel Kaffeesatzleserei dabei momentan, ich denke, es gibt einige mögliche Varianten, wie es im neuen Jahr mit dem Virus weitergehen könnte. Ich persönlich will weiterhin optimistisch bleiben, halte allerdings einen Re-Start vor März eher für unrealistisch, es könnte also gerade so hinhauen mit dem Konzept. Bevor der Spielbetrieb nach der langen Pause neu aufgenommen werden kann, braucht es sicher drei bis vier Trainingswochen, und das ist schon knapp bemessen.

Wenn man dann mal beginnt zu rechnen, sollten also spätestens Ende Februar die Hallen für uns Handballer wieder aufgesperrt werden können. Viel früher dürfte das aus heutiger Sicht wohl kaum möglich sein, es könnte also vielleicht gerade so eine Punktlandung geben. Unterstreichen will ich aber auch, dass ich es gut finde, dass der badische Verband dieses Konzept so erarbeitet und auch frühzeitig kommuniziert hat. Schließlich weiß nun jeder, woran er ist. Auch den vorgeschlagenen Modus finde ich gut durchdacht. Nur auf Basis einer Halbserie Auf- und Absteiger zu bestimmen, das hätte sicher zu mehreren unguten Konstellationen geführt und der Vorwurf der Benachteiligung einzelner Vereine – zum Beispiel aufgrund einer Minderzahl an Heimspielen – nicht wieder gut zu machenden kurzen Schwächephasen, Verletzungen von Leistungsträgern wäre sicher hier und da laut geworden.

Durch die Final-Four-Turniere ergibt sich meines Erachtens dann schon noch einmal die Möglichkeit, vorher eingetretene unglückliche Konstellation und Entwicklungen in direkten Duellen wieder gerade zu biegen. Für mich also in dieser Situation, in der wir uns befinden, die von den denkbaren Varianten die bestmögliche, um eine halbwegs faire Rundenwertung zu garantieren. Jetzt hoffen wir natürlich sehr, dass sie auch so zum Tragen kommen kann.

Stefan Kögel (Abteilungsleiter HSV Hockenheim): Grundsätzlich ist es wichtig, für eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs einen Plan in der Hinterhand zu haben. Der Modus mit Einfachrunde und anschließsendem Final Four um Auf- und Abstieg ist aus unserer Sicht auch durchführbar. Etwas erstaunt waren wir allerdings, dass von Seiten des BHV mit einem möglichen Neustart Ende Januar 2021 spekuliert wurde, denn schon damals war absehbar, dass sich die Lage nicht entspannt, sondern eher zuspitzt. Unserer Einschätzung nach wird es vor dem Frühjahr keine Weiterführung geben. Und ob man in der Lage ist, bis zum 30. Juni 2021 die Saison in der geplanten Form zu Ende zu spielen, ist mehr als fraglich. Denn durch die lange Pause müsste man eigentlich eine komplette Vorbereitung mit einplanen, ein direkter Start mit dem Wettkampf birgt einfach ein zu hohes Verletzungsrisiko. Zudem haben einige Mannschaften erst sehr wenige Spiele austragen können und müssten die ausgefallenen Begegnungen unter der Woche austragen. Dazu kommt die ungewisse Hallenverfügbarkeit, denn alle Spiele nach dem 30. April 2021 sind in keiner Planung bisher enthalten. Ein weiterer Punkt, den wir vertreten, ist, dass die Runde erst wieder weiter gehen darf, wenn der Inzidenzwert in den Kreisen absolut grün ist. Sollte das nicht der Fall sein, plädieren wir klar für einen Abbruch der gesamten Runde.

Adrian Fuladdjusch (Kurpfalz-Bären/TSG Ketsch): Eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs ist nicht realistisch, ebenso für die 3. Liga. Die Zahlen steigen und eine Verlängerung der Maßnahmen über den 10. Januar scheint abzusehen. Es ist davon auszugehen, dass die Zahlen durch Weihnachten und Silvester weiter steigen. Daraus resultieren neue Höchstwerte im Januar und vielleicht auch Februar. Sollte es theoretisch möglich sein, im März wieder zu spielen, sollte erst eine Vorbereitung eingeplant werden. Nach einer so langen Pause, in der handballspezifisch nicht trainiert wurde, wäre es fahrlässig, weniger als vier Wochen Vorbereitung einzuplanen. Daher sollte nicht von Monat zu Monat der Wiederbeginn verschoben werden, sondern eine klare Aussage getroffen werden. Beispiele: die Saison abbrechen und im September/Oktober neu starten; sie einfrieren und die Saison 20/21 bis Sommer 22 spielen – das hieße die Saison im September/Oktober fortzusetzen.

Daniel Brenzinger (Sportliche Leitung HSG St. Leon/Reilingen): Wir alle hoffen, dass wir wieder schnellstmöglich dem Handballsport und allem, was dazugehört, nachgehen können. Gleichwohl wissen wir, dass die Voraussetzung dafür ist, das Infektionsgeschehen in den Griff zu bekommen und eine positivere Tendenz zu haben. Da dies derzeit nicht der Fall ist, glaube ich persönlich nicht daran, dass wir zeitnah wieder in die Halle dürfen. Mehrere Trainingseinheiten vor einem fortgeführten Saisonstart sind allerdings unabdingbar, um das Verletzungsrisiko zu senken. Bei allem Respekt gegenüber den Entscheidungsträgern über eine mögliche Fortführung, halte ich von Final-Four-Turnieren nichts. So kann zum Beispiel der Viertletzte deutlich mehr Punkte gesammelt haben als der Letzte und dieser kann sich aber mit einem „guten Wochenende“ retten. Gleichwohl muss ein Erstplatzierter um den Aufstieg zittern, während ein Viertplatzierter mit weniger Punkten noch Chancen auf diesen hätte. Aber man wird bei jeder Konstellation über eine Fortführung Vor- und Nachteile ausmachen können. Meiner Meinung nach wäre es am fairsten, die Saison ohne Auf- und Absteiger zu beenden und im September/ Oktober einen neuen Anlauf zu nehmen.

Tanja Werner (Trainerin der 2. Damenmannschaft der HSG St. Leon/Reilingen): Ich persönlich finde es gut, dass nur eine Einfach-Runde gespielt wird. Im Anschluss daran sollen die Final Fours gespielt werden. Dazu kann ich derzeit nicht viel sagen. An solchen Terminen sind natürlich wieder viele Komponenten gekoppelt – Krankheit, eventuell Quarantäne und so weiter. Das könnte im Einzelfall zum Nachteil für eine Mannschaft werden. Ob die Wiederaufnahme des Spielbetriebs Ende Januar tatsächlich gelingt, halte ich in der derzeitigen Situation für mehr als fraglich. Zunächst ist es wichtig, dass bundesweit die Corona-Pandemie wieder kontrollierbar wird. Meiner Meinung nach wird der Spielbetrieb vor März kaum möglich sein. Nun gilt es erstmal die Neuinfektionen auf ein Minimum zu reduzieren. Ich wünsche meinen Spielerinnen und deren Familien, sowie dem gesamten Verein, dass sie gut und gesund durch diese Zeit kommen und wir, sobald es wieder möglich ist, gemeinsam in der Halle stehen und den Ball wieder in den Händen halten.

Stephan Verclas (Abteilungsleiter TSG Eintracht Planktadt): Die Ankündigung des Badischen Handball-Verbandes hat uns ziemlich überrascht und hat insbesondere bei der Jugend Hoffnung gemacht, die wohl bald enttäuscht werden wird. Ich glaube nicht, dass wir Ende Januar die Runde fortsetzen können und befürchte sogar, dass wir erst wieder im Sommer spielen dürfen, wenn die Bevölkerung durchgeimpft ist.

Eine Grafik mit den aktuellen Coronazahlen gibt's hier:

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