Lokalsport

Unterwasserhockey Die Schwetzingerin Sabina Hillebrandt wurde mit dem TCO Weinheim deutscher Meister / „Gelungene Spielzüge sind ein riesiges Glücksgefühl“

„Mit diesem Team macht’s einfach Spaß“

Archivartikel

„Das sollte die Entscheidung im Titelkampf gewesen sein!“ Zufrieden steigt Sabina Hillebrandt aus dem Wasser des Hallenbades „Badespaß“ in St. Leon-Rot. Sie zieht ihre Flossen aus, legt Badekappe mit Ohrschutz, Taucherbrille und Schnorchel sowie Handschuh und Schläger beiseite. Soeben hatte die Schwetzingerin mit ihrem Team vom Tauchclub Octopus (TCO) Weinheim den großen Bundesligarivalen München mit 1:0 geschlagen und damit die Weichen für den erneuten Gewinn der deutschen Meisterschaft im Unterwasserhockey gestellt.

Wenige Stunden später hatte sie Gewissheit. Die folgenden Spiele gegen Berlin (7:0), München II (13:0), Hannover (9:0) und eine Spielgemeinschaft diverser Vereine (10:0) waren überaus deutlich, somit wurde Weinheim ohne Verlustpunkt und sogar ohne jedes Gegentor Meister vor München und Hannover. Die Bundesliga im Unterwasserhockey wird an zwei Spieltagen mit sechs Mannschaften entschieden. Bei der Vorrunde im Februar in Berlin war Weinheim bereits ungeschlagen geblieben, damals gab es ein 5:0 gegen die Münchner.

Beim Rückrundenspieltag in St. Leon-Rot war es viel knapper. München machte in der ersten Halbzeit der über 2 x 8 Minuten ausgetragenen Partie mächtig Druck. In der zweiten Hälfte befreite sich der Tabellenführer etwas und die Partie wurde ausgeglichener. Nach einem Freistoß gelang schließlich das goldene Tor zum 1:0-Sieg.

Bei WM nicht Letzter werden

Der Verband deutscher Sporttaucher (VDST) richtete den Ligenspielbetrieb im Unterwasserhockey erst zum zweiten Mal aus. Ein Team besteht aus sechs Akteuren, zwei davon müssen Frauen sein. Noch steckt Unterwasserhockey in Deutschland in den Kinderschuhen, aber die Entwicklung schreitet voran. Nicht zuletzt dank Sabina Hillebrandt, denn sie war es, die Unterwasserhockey zusammen mit ihrem Freund Conrad Wagner 2013 in die Region brachte. Während eines Auslandssemesters in England hatte die heutige Doktorin der Physik diese exotische Sportart kennengelernt.

Da es beim TCO Weinheim schon eine Abteilung Unterwasserrugby gab, wurden die Hockeyspieler dort ansässig. Mittlerweile ist Hillebrandt „Mädchen für alles“. Beim TCO ist sie Trainerin und Spielerin, beim VDST Spielbetriebsleiterin und in der Nationalmannschaft Kapitänin. International gibt es reine Frauenteams. Bei der WM 2016 gab es einen zehnten Platz (von 13 Teams), bei der EM 2018 Rang acht. Die führenden Nationen sind Südafrika, Neuseeland und Australien, in Europa sind Großbritannien, Frankreich und Spanien führend im Unterwasserhockey.

Bei der WM im kanadischen Québec vom 19. bis 29. Juli möchte sie mit dem Nationalteam der Frauen möglichst gut abschneiden, will heißen, in erster Linie nicht Letzter zu werden.

Der Trainingsaufwand ist für eine reine Amateursportart gewaltig. Die 30-Jährige trainiert sechs Mal die Woche, manchmal auch zwei Einheiten am Tag, je nach beruflicher Belastung. „Ich trainiere auf 30 Minuten Maximalbelastung“, sagt Hillebrandt, denn bei der WM wird über 2 x 15 Minuten gespielt. Ein Pensum von 14 Stunden pro Woche ist international üblich. Als echte Nummer 10 ist sie für das Passspiel im Team zuständig. Die Faszination Unterwasserhockey beschreibt sie so: „Unter Wasser kann man am besten abschalten, der Alltag ist vergessen. Wenn geplante Spielzüge funktionieren, ist das ein riesiges Glücksgefühl.“

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