Lokalsport

Fußball Trainer aus der Region äußern sich zu Bundesliga-Neustart und Saisonende im Verband

Patrick Rittmaier: Ich finde es bedenklich

Archivartikel

Wenn am kommenden Wochenende die Fußball-Bundesliga wieder ihren Betrieb aufnimmt, sehnen sich manche danach, nicht mehr nur Fußball aus der Konserve anschauen zu müssen, sondern aktuelle Live-Bilder. Andere empfinden die Fortsetzung des Profi-Spielbetriebs im Hinblick auf die sonstigen gesellschaftlichen Einschränkungen für nicht zu rechtfertigen.

Auch die Fußball-Funktionäre aus dem Kreis, die eigentlich mit dem runden Leder verheiratet sind, stehen nicht uneingeschränkt hinter dieser Entscheidung. „Für einen Fußballer macht es natürlich irgendwo Freude, dass man zumindest wieder Bundesliga schauen kann, allerdings bin ich hier nicht begeistert. Nicht, weil die Bundesliga startet und die Kreisklassen nicht, sondern eher, weil 22 Millionäre dem Ball hinterher rennen dürfen, aber Kitas und Schulen zum Großteil immer noch geschlossen bleiben“, sagt Patrick Rittmaier, Trainer beim Kreisligisten SC 08 Reilingen. „Wer denkt denn hier an Familien mit Kindern?“ Auch die Entscheidung der baden-württembergischen Verbände, einen Abbruch zu empfehlen, begrüßt Rittmaier. Daher hat man sich beim SC 08 Reilingen einstimmig dafür ausgesprochen, das Trainingsgelände gesperrt und keinen Ball rollen zu lassen.

Auch Frank Eissler, „Noch-Trainer“ beim Landesligisten Spvgg 06 Ketsch, tut sich schwer mit der Entscheidung im Fußball-Oberhaus. „So sehr ich mich darauf freue, wieder Fußball schauen zu können, finde ich es den anderen Sportarten gegenüber bedenklich, dass die Bundesliga wieder startet“, sagt Eissler.

„Volles Verständnis habe ich dagegen für die Entscheidung in den Amateurklassen, die Saison zu beenden. Das ist aus meiner Sicht nicht zu verantworten, wieder zu spielen. Sogar das Trainieren unter den zu berücksichtigen Vorschriften halte ich für unsinnig.“ Eissler sieht insbesondere die Umsetzung der Abstandsregel und die Begrenzung der Spielerzahl auf einen umgrenzten Raum als kritisch an. „Und sind wir doch mal ehrlich: Spätestens nach der dritten Trainingseinheit ohne Spielform oder Abschlussspiel fangen die Spieler an, genervt zu sein“, so Eissler.

Entscheidung fragwürdig

Auch Dominik Leiß, Trainer beim B-Ligisten FV 08 Hockenheim II, hält mit seiner Ablehnung nicht hinter dem Berg. „Natürlich sehnen wir uns alle nach dem Fußball, auch in der Bundesliga. Allerdings halte ich die Entscheidung für fragwürdig. Es gibt zu viele Risikofaktoren, die einen fairen und sorglosen Ablauf gefährden“, führt Leiß aus. „Der Abbruch der Kreisklassen ist eine logische Entscheidung. Die Gesundheit jedes einzelnen Beteiligten steht hier auf dem Spiel.“ Sofern die Auflagen des Landes und der Stadt für den Verein umsetzbar und zu vereinbaren sind, will man beim FV 08 Hockenheim II den Trainingsbetrieb wieder aufnehmen. „Die Leidenschaft für unseren Sport ist sehr groß“, betont Leiß.

Die Vorfreude auf den Bundesliga-Re-Start ist hingegen bei Johann Strunk von der Spvgg 06 Ketsch II (A-Klasse) vorhanden. „Dass die Bundesliga startet, finde ich absolut okay, weil das ja ganz andere Bereiche und Dimensionen sind“, sagt Strunk. „Im Amateurbereich wäre das Szenario mit den ganzen Auflagen und dem finanziellen Aufwand nicht zu bewältigen.“

Am meisten sehnt das Ende der Corona-Pause allerdings Giuliano Tondo herbei. Der 32-Jährige, derzeit Trainer beim Kreisligisten VfR Mannheim II und in der kommenden Saison verantwortlich beim Landesligisten Spvgg 06 Ketsch, arbeitet in der Spielerberater-Branche, die unmittelbar mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie konfrontiert war. „Ich befürworte, dass der Fußball fortgesetzt wird. Es ist ein Beruf wie jeder andere auch und es hängen viele Jobs dran. Es ist besser, erst einmal unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu spielen als gar nicht zu spielen. Das Risiko ist überschaubar, da die Spieler immer mit demselben Personenkreis zu tun haben, und wenn regelmäßig getestet wird, hat man das auch relativ gut im Griff.“

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