Lokalsport

3. Fußball-Liga Die nächsten Spiele sind für alle abgesagt / Aber was kommt dann? / Zuschauereinnahmen sind für die Vereine unverzichtbar

Saison beenden – und Waldhof ist Zweiter

Archivartikel

Die nervenzehrende Ungewissheit dieser Tage beendete der Deutsche Fußball-Bund (DFB) mit einer Mitteilung am Mittwoch um 15.34 Uhr. Die 3. Fußball-Liga geht in Zeiten der Coronakrise einen anderen Weg als die Bundesligen. Nach intensiven Beratungen zwischen dem für die Spielklasse zuständigen Verband und den Verantwortlichen der Drittligisten stand die Entscheidung fest: Statt wie in den oberen Ligen Geisterspiele ohne Zuschauer abzuhalten, werden die Partien des 28. und 29. Spieltags abgesagt und „frühestens Anfang Mai“ nachgeholt.

Darunter fallen die für Freitag angesetzte Partie des SV Waldhof gegen den KFC Uerdingen und die für Mittwoch terminierte Partie der Mannheimer bei Hansa Rostock. Ob und wie das übernächste Heimspiel des SVW am 21. März gegen Viktoria Köln stattfindet, soll auf einer außerordentlichen Versammlung mit Vertretern aller 20 Vereine beim DFB am Montag in Frankfurt beraten werden. Einiges deutet darauf hin, dass der Spielbetrieb in der 3. Liga vorerst unterbrochen bleiben wird.

„Wir befinden uns in einer Ausnahmesituation, nahezu stündlich ergeben sich neue Sachlagen. Klar ist: Die Gesundheit steht über allem. Und dass wir unserer Verantwortung für die Vereine gerecht werden wollen. Vor diesem Hintergrund ist vom DFB für den Fußball ein vernünftiges und entschlossenes Handeln gefragt”, sagte DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius.

Die meisten Clubs hatten in den Gesprächen darauf gedrängt, von Geisterspielen abzusehen, weil die Zuschauereinnahmen für viele Drittligisten einen unverzichtbaren Teil der Kalkulation bilden. Spitzenreiter MSV Duisburg rechnete in einer Stellungnahme am Mittwoch vor, dass er bei einem Heimspiel etwa 260 000 Euro erwirtschaftet.

Der Schaden wäre riesig

Selbst wenn die Einnahmen des SVW pro Match im Carl-Benz-Stadion ein wenig darunter liegen, würde sich der Schaden bei einem Zuschauerausschluss in den noch sechs anstehenden Heimpartien in dieser Saison nach Angaben von Waldhof-Geschäftsführer Markus Kompp in einer Größenordnung von über einer Million Euro abspielen. „Der wirtschaftliche Schaden bei Geisterspielen würde bei uns weitaus schwerer wiegen als bei Clubs der 1. und 2. Liga mit ihren hohen Fernseheinnahmen. Es ist deshalb die beste Lösung, die getroffen werden konnte“, sagte Kompp.

Das ist die wirtschaftliche Seite der Entscheidung für eine Verschiebung – die andere ist der Sport. „Zum Schutze des Wettbewerbs wurde sich darauf verständigt, die kompletten Spieltage zu verlegen und nicht ausschließlich die Partien, die aktuell von behördlichen Anordnungen betroffen sind. So ist gewährleistet, dass alle Clubs dieselbe Anzahl von Spielen absolviert haben und kein verzerrtes Tabellenbild entsteht“, teilte der DFB mit.

Doch das Problem ist damit nur vertagt. Wenn die Saison wie geplant am 16. Mai zu einem Ende gebracht werden soll – was vor allem wegen der Relegationsspiele um Ab- und Aufstieg zwischen 2. und 3. Liga geboten ist – können Waldhof & Co. nicht wochenlang pausieren. Allen Prognosen der Wissenschaft zufolge steht Deutschland aber gerade erst am Beginn einer Welle von Corona-Infektionen, an einen regulären Spielbetrieb mit Fans im Stadion dürfte noch bis weit in den Frühling nicht zu denken sein. „Wir haben Zeit gewonnen. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Wir haben alle so viel Realitätssinn, dass wir wissen, dass dieses Thema in zwei Wochen nicht erledigt sein wird“, sagte SVW-Geschäftsführer Kompp. Selbst ein Saisonabbruch wie im Eishockey ist in Zeiten der Coronakrise kein völlig unrealistisches Szenario.

Doch wie würde diese Spielzeit dann gewertet? Beim SV Waldhof, seit dem vergangenen Samstag als Zweiter zum ersten Mal in dieser Saison auf einem direkten Aufstiegsplatz – nehmen sie solche Spekulationen mit Humor. „Das würden wir sofort unterschreiben. Das wäre mein Vorschlag: Alle Spiele absagen wie beim Eishockey, lasst uns für vier Wochen in Quarantäne gehen und wir lassen es so wie es ist“, scherzte Trainer Bernhard Trares. Der Heppenheimer zeigte Verständnis für die Entscheidung des DFB, auch wenn die Unterbrechung neue Probleme aufwirft. „Es ist nicht schön, wenn man aus dem Rhythmus kommt. Wir haben jetzt gegen Ende der Saison viele englische Wochen“, sagte Trares, der den Leerlauf der kommenden Tage möglicherweise mit einem Testspiel auffangen will.

„Ich finde es besonders, dass ein Virus die ganze Welt in Unruhe bringt. Die Börse, die Wirtschaft, den Sport. Wir können auf den Mond fliegen, aber können uns nicht impfen. Da sieht man, wie kompliziert der Körper ist und wie wenig Einfluss man auf die Natur hat“, so Trares.

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