Lokalsport

Handball Sieben-gegen-Sechs-Variante steht auf dem Prüfstand / Bei Umfrage sind die Trainer aus der Region mehrheitlich für die Abschaffung

„So lange es die Regel gibt, wird sie auch genutzt“

Archivartikel

Aufgrund einer Regeländerung veränderte sich der Handball vor vier Jahren nachhaltig. Die Trainer bekamen die Möglichkeit, den Torwart jederzeit durch einen Feldspieler ohne Leibchen zu ersetzen. Inzwischen haben sich rund drei Viertel der Erst- und Zweitliga-Coaches für eine Abschaffung dieser taktischen Variante ausgesprochen – darunter auch Filip Jicha vom deutschen Champion THW Kiel und Maik Machulla vom Vizemeister SG Flensburg-Handewitt. Das Spiel würde sich durch die Option verlangsamen und der Sport somit an Attraktivität verlieren. Wir haben uns bei den Trainern der Region umgehört, was sie von der Sieben-gegen-Sechs-Regel halten.

Adrian Fuladdjusch (Kurpfalz-Bären): „Ich bin gegen diese Regel, sie ändert die Sportart und ein Sieben gegen Sechs hat wenig mit Handball zu tun. Eine Mannschaft, die eine offensive Variante gut spielt wird dadurch bestraft. Das ist zu anstrengend und zu schwierig und deswegen wechseln viele Teams auf die defensive 6:0-Formation. Aber so lange es erlaubt ist, nutze ich es auch. Es wäre fahrlässig, es nicht zu nutzen. Im Angriff hilft es nämlich, wenn man nicht durchkommt.“

Holger Löhr (HG Oftersheim/Schwetzingen): „Die Regel ermöglichte den Mannschaften eine neue taktische Variabilität und wenn man sie einführt, dann wird sie auch verstärkt genutzt. Ich bin zwar kein strikter Gegner, aber auch ich brauche diese Variante nicht unbedingt. Klar ist aber: Wir haben schon so manches verloren geglaubtes Spiel noch einmal gedreht, weil der Impuls etwas bewirkt hat. Ich persönlich finde es sogar eher interessant, wie eine Mannschaft in der Abwehr in Unterzahl reagiert, wenn der Gegner die Option nutzt.“

Sascha Kuhn (HSG St. Leon/Reilingen): „Ich war noch nie ein Freund von der Variante und deswegen würde es mich auch nicht stören, wenn es diese Regel nicht mehr geben würde. Es hat den Handball langsamer gemacht und Mannschaften, die schwächer sind, haben die Chance bekommen, durch diesen taktischen Vorteil qualitativ bessere Mannschaften zu ärgern. Für den Wettbewerb ist das vielleicht gar nicht so schlecht, aber der Handball ist mit Sechs gegen Sechs erfunden worden und dorthin sollte man auch wieder zurückkehren. Wir haben die Möglichkeit ohnehin sehr selten genutzt.“

Julian Zipf (HG Oftersheim/Schwetzingen II): Man kann negative Argumente sicherlich nicht von der Hand weisen: Das geringere Spieltempo oder die Abwertung der Zwei-Minuten-Zeitstrafe. Aber man könnte es auch so sehen: Durch einen zusätzlichen Feldspieler verkleinern sich die Aktionsräume für den Angriff. Bedeutet: Kooperationsleistungen in die Breite und in die Tiefe müssen äußerst präzise gespielt werden und stellen hohe Anforderungen an die individuelle Spielfähigkeit der Angreifer. Man darf psychologische Aspekte nicht vergessen: Ohne den eigenen Torhüter werden technische Fehler sofort bestraft. Der Angriff muss Torchancen mit sehr hoher Erfolgswahrscheinlichkeit herausspielen und darf keineswegs überhastet agieren. Zum Schluss müssen noch die hohen Ansprüche an die Handlungsschnelligkeit genannt werden. Nach erfolgreichen Torwurfaktionen muss schnell umgeschaltet werden, um den Torhüter wieder zurückwechseln zu können. Ich finde die Variante nicht unfair, nur weil eine Person mehr auf dem Feld ist.“

Christoph Lahme (HG/A-Jugend):“ Ich bin zwiegespalten und würde mich eher für die Abschaffung aussprechen. Die Variante gibt schlechteren Mannschaften die Möglichkeit, die technische Unterlegenheit wettzumachen. Defizite werden leichter ausgeblendet und mit dauerhaften Überzahlsituationen kompensiert. Klar, es macht das Spiel spannender, jedoch auch deutlich langsamer. Das schnelle Spiel ist das, was die Leute begeistert. Hinzu kommt die Gefahr für die Torleute, die teilweise halsbrecherisch versuchen, an Bälle zu hechten. Jedoch ist es wie mit allen anderen Regeln auch: Wenn sie erlaubt sind, muss man sie auch in sein Spiel einbeziehen. Also trainieren wir Sieben-gegen-Sechs-Aktionen und setzen sie um. Positiv ist hierbei zu erwähnen, dass für den Entscheidungsspieler diese Weiterentwicklung gut ist. Er muss auf engstem Raum den freien Mann erkennen.“

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional