Lokalsport

Gehörlosen-Golf Nachwuchstalent Amelie über das Turnier in Irland und neue Herausforderungen

WM-Titel noch nicht gefeiert

Zum Feiern hatte Amelie Paloma González Podbicanin (GC St. Leon-Rot) noch keine Zeit. Kaum zurück von der Deafgolf-Weltmeisterschaft aus Maynooth, Irland, dem internationalen Vergleich gehörloser Golfer, sicherte sich die Schwetzingerin gleich noch den baden-württembergischen Mannschaftsmeistertitel der Altersklasse 14 Mädchen. Dieses Wochenende geht’s nach Hamburg-Treudelberg zu den Internationalen Amateur-Meisterschaften der Golfer mit Behinderung. Erst danach gönnt sich die 13-jährige Gymnasiastin mit ihren Eltern eine Verschnaufpause an der Nordsee. Und dann wird auf den Damen-Team-Weltmeistertitel und Bronze im Einzel endlich angestoßen (wir berichteten)!

Immerhin lieferte sich Amelie beim Kampf um einen Podestplatz im Einzelvergleich, in dem 27 Spielerinnen an den Start gingen, eine ordentliche Aufholjagd. „Sie lag nach zwei Runden mit 78 und 81 Schlägen noch auf Rang fünf“, berichtet ihre Mutter Olga, die zusammen mit Vater Edib vor Ort war. Trotz starker Winde arbeitete sie sich an Tag drei mit einer sehr starken 1-über-Par-Runde auf Position drei nach vorne. Tags drauf ging’s im Leader-Flight mit der Inderin Diksha Dagar (Amateurranglistenerste in Indien und Scratch-Golferin) und Andrea Hjellegjerde aus Norwegen auf den Platz. Am Ende lag Amelie bei 78, Andrea Hjellegjerde bei 79 und Diksha Dagar bei 70 Schlägen. Weltmeisterin wurde die Inderin mit 279 Schlägen (17 unter Par), Silber ging die Norwegerin mit 305 Schlägen (9 über Par) und die Bronzemedaille an Amelie mit 312 Schlägen (16 über Par).

„Ich habe an den vier Spieltagen gutes Golf gespielt, aber es wäre mehr drin gewesen“, geht Amelie kritisch mit ihrer Leitung um. Dabei hat sie ihr Handicap von -4,1 auf -3,6 verbessern können. „Darüber freue ich mich sehr, da der Links-Platz, auf dem wir gespielt haben, aufgrund der starken Winde – bis zu 35 Stundenkilometer – schwer zu kontrollieren war“, erklärt sie und ergänzt: „Zudem hatte der O’Meara Course 90 Bunker, die immer wieder die Grüns schützten. Das Putten auf den ultraschnellen Grüns stellte für mich persönlich die größte Herausforderung dar. Daran werde ich in meinem Heimatclub St. Leon-Rot verstärkt mit meinen Trainern Keith Coveney und Neil Hargrave sowie Mike Strong arbeiten.“

Freude über viele Fans

Mit ihrem starken Spiel sicherte sich die Schwetzingerin zugleich im Team mit der 15-jährigen Stefanie Mayer (Münchner GC, Platz sieben im Einzel) und insgesamt 637 Schlägen Gold vor Australien (663 Schläge) und den USA (672). Beide Mädchen haben damit als jüngste WM-Team-Weltmeister Geschichte geschrieben.

Gefreut hat sich nicht nur Amelie über die Unterstützung der deutschen Fans. „Sie waren unermüdlich im Einsatz und haben uns immer angefeuert“, schildert sie die Atmos-phäre vor Ort, von der auch ihre Kaderkollegen begeistert waren. Die Schwetzingerin, die bereits vor zwei Jahren als jüngste Teilnehmerin einer WM überhaupt in Dänemark antrat und dort Platz fünf erspielte, traf viele der dortigen Mitspieler wieder. Konkurrenten wäre an dieser Stelle das falsche Wort, so wie das Nachwuchstalent die Begegnungen beschreibt: „Es war, als ob wir uns schon lange kennen, so warmherzig sind wir uns begegnet. Was auch toll war, war das Wiedersehen mit Diksha Dagar und ihrer Familie, die wir so sehr in unser Herz geschlossen haben. Sie will nun vier Jahre in die USA aufs College, um im Anschluss Golf-Profi zu werden“, wünschen Amelie und ihre Eltern der Inderin alles Gute.

Übrigens: Amelie hat mit ihrer Mutter in Schwetzingen einen Volkshochschulkurs in Gebärdensprache absolviert. Und die hat der Teenager, der seit Geburt an Taubheit grenzend hörgeschädigt ist und via Cochlea Implantaten hört, prima anwenden können. Die Dankesrede bei der Pokalübergabe gebärdete sie.

Info: Die Dankesrede von Amelie gibt’s als Video unter www.schwetzinger-zeitung.de

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