Neulußheim

Musikerleben Klaus Eisenmann konzentriert sich nach 16-jährigem Dirigat beim Mannheimer Stamitz-Orchester auf neue Projekte / Auch in der Heimat ist er tätig

„Aufhören, wenn es noch Spaß macht“

Archivartikel

Neulußheim.Schon Wolfgang Amadeus Mozart hatte sich bei einem seiner Mannheim-Besuche lobend über das Stamitz-Orchester in dieser Stadt geäußert und dies ist ja nun in der Tat schon lange Zeit her. Umso interessanter, dass dieses Orchester, das 1778 gegründet wurde, noch immer musikalisch lebendig ist und auch in unseren Tagen einen ausgezeichneten Ruf besitzt. Dies liegt zum einen am Orchester selbst, zum andern natürlich auch an den Dirigenten. Und dieses Stamitz-Orchester hatte seit seiner Gründung bis zum Anfang dieses Jahres insgesamt nur zehn Dirigenten.

In den letzten 16 Jahren war es Klaus Eisenmann, der als Dirigent das Orchester formte, zu höchsten Leistungen brachte und damit auch prägte. „Das sind wundervoller Erinnerungen an 16 Jahre schöner musikalischer Zusammenarbeit und natürlich großer Erfolge“, blickt Klaus Eisenmann, der gebürtige Neulußheimer, der seiner Heimatgemeinde zeitlebens die Treue hielt, gerne zurück. „Aber ich bin einfach überzeugt, dass man aufhören soll, wenn es noch Spaß und Freude macht, auch wenn es schwerfällt, jetzt war für mich der richtige Zeitpunkt, den Taktstock beim Stamitz-Orchester zur Seite zu legen, auch wenn dies natürlich bedauert wurde,“ erläutert Eisenmann im Gespräch mit unserer Zeitung und weist ganz am Rande darauf hin, dass er schließlich im kommenden Monat 78 Jahre alt wird.

Aus der Ferne in die Heimat

Das Stamitz-Orchester wurde nicht nur zu einer Leidenschaft von Klaus Eisenmann, es zog sich auch fast wie ein roter Faden durch sein musikalisches Leben. Bei seiner ersten Anstellung als Korrepetitor mit Dirigierverpflichtung unter dem heute noch bekannten Generalmusikdirektor Horst Stein in Mannheim wurde Eisenmann mehrfach gebeten, den damaligen Dirigenten des Stamitz-Orchesters zu vertreten. Der Kontakt war also schon früh hergestellt.

Der Neulußheimer Klaus Eisenmann war dann als erster Kapellmeister in Darmstadt und Lübeck tätig, bevor er Generalmusikdirektor am Theater in Pforzheim von 1978 bis 1997 war. Daneben sammelte er viel Konzerterfahrung mit verschiedenen Orchestern, war seit 1981 Dozent für Dirigieren an der Staatlichen Hochschule für Musik in Mannheim und war einige Jahre musikalischer Leiter der Opernschule.

Seit 1997 arbeitet er als ständiger Gastdirigent an der Staatsoper Danzig, in Lodz, in Stettin, in Breslau und sehr oft in der ungarischen Hauptstadt Budapest. Aber auch die heimatliche Region zog ihn immer wieder an, so war er ein Jahrzehnt lang Dirigent bei den Schlossfestspielen in Zwingenberg.

Das Mannheimer Stamitz-Orchester war ihm aber neben seiner vielfältigen Tätigkeit besonders ans Herz gewachsen. Diese „musikalische Liebe“ beruhte voll auf Gegenseitigkeit, das Stamitz-Orchester wuchs in den 16 Jahren der Zusammenarbeit über sich hinaus und hatte großen Zuspruch gefunden. „Wissen Sie, es ist einfach eine gute Mischung aus ambitionierten Amateurmusikern, einigen professionellen Mitspielern, einigen ehemaligen Berufsmusikern und begabten begeisterungsfähigen Schülern und Studenten, da entsteht eine ganz eigenartige positive Dynamik“, fasst Klaus Eisenmann rückblickend zusammen.

Gern spricht er von den abwechslungsreichen und anspruchsvollen Programmen, die man in all den Jahren realisiert habe und die weit über das hinausgingen, was man einem „Amateurorchester“ eigentlich zutrauen kann.

Andras Metzker schwärmt

Die jährlichen Konzerte unter anderem im Mannheimer Rosengarten, in Bruchsal und im Schlosshof in Edingen-Neckarhausen wurden ergänzt durch attraktive Gastkonzerte im In- und Ausland.

Die Abschiedskonzerte in den letzten Wochen in Mannheim und Bruchsal zeigten noch einmal die gute Zusammenarbeit zwischen dem Dirigenten und dem Orchester, umso schwerer fiel natürlich der Abschied. In gemütlicher Runde hatte man – fernab von Konzertsälen – am letzten Wochenende nach Feudenheim eingeladen, dabei stand der Neulußheimer Dirigent – unerwartet und ungewollt, wie er versicherte – im Mittelpunkt, als man 16 gemeinsame musikalische Jahre Revue passieren ließ.

Andras Metzker, selbst Berufsmusiker und Kapellmeister im Stamitz-Orchester, schwärmte nach vielen Jahren der guten Zusammenarbeit beim Gespräch mit unserer Zeitung vom Arbeitsstil von Klaus Eisenmann: „Er ist musikalisch betrachtet mit allen Wassern gewaschen, er ist erfahren und er ist vor jeder Probe optimal vorbereitet, das ergibt eine effektive Probezeit und spornt auch die Musiker an,“ erläutert Metzker. Außerdem habe sich, so Metzker weiter, Eisenmanns angenehmer Umgang mit den Musikern immer sehr positiv auf die Stimmung ausgewirkt, „alle wollten ihr Bestes geben und gaben es schließlich auch“, zeigte sich Andras Metzker überzeugt. Man habe stets Eisenmanns Begeisterung gespürt und sei davon regelrecht „angesteckt“ worden.

Wird das Stamitz-Orchester dem Neulußheimer Eisenmann jetzt fehlen? „Es war eine beeindruckende Zeit, aber ich habe gerade in der nächsten Zeit noch viele musikalische Pläne und Vorhaben, mit dem Jugend-Symphonie-Orchester der Sing- und Musikschule Bruchsal gehen wir im Mai auf eine kleine Tournee nach Spanien,“ blickt Klaus Eisenmann in seinen Terminkalender.

Ehrenamt ist selbstverständlich

Und wenn es sein muss, springt er im heimatlichen Bereich auch ein, so dirigiert er etwa kurzfristig am morgigen Ostersonntag in Brühl die „Spatzenmesse“ von Mozart, ehrenamtliche Hilfe war für ihn auch selbstverständlich, als er über das Weihnachtsfest den Neulußheimer Kirchenchor geleitet hatte.

„Und unsere Hauskonzerte wollen wir natürlich auch nicht vergessen“, ergänzt Klaus Eisenmann. Dabei spielt auch seine Frau Miriam mit, die zwar beruflich als Wirtschaftswissenschaftlerin im Beratungsbereich tätig ist, aber auch Flöte, Harfe und Geige spielt und Mitglied eines kleinen Barockensembles in ihrer schwäbischen Heimatstadt in Leonberg ist.

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