Neulußheim

Netzwerk Flüchtlinge Syrische Frauen zum gemeinsamen Kochen eingeladen

Dampfnudeln statt Döner

Archivartikel

Neulußheim.Zu den bereits sichtbaren Erfolgen in der Integrationsarbeit haben die Verwaltung der Gemeinde, aber auch besonders das Netzwerk „Flüchtlinge“ und die Arbeiterwohlfahrt (Awo) beigetragen. Hilfe zur Selbsthilfe geben ist und war einer der wichtigsten Punkte und hat viele Früchte getragen.

Die syrischen Familien haben sich bereits sehr gut in der Gemeinde integriert. Die deutsche Sprache lernt man ja am besten beim gegenseitigen Kennenlernen und Miteinander. Freundschaften sind entstanden und die Menschen fühlen sich in Neulußheim angenommen und wohl. Manche Männer haben Arbeit gefunden, andere besuchen Sprachkurse, die Kinder gehen in Kindergärten und Schulen. Um mit den Frauen noch besser ins Gespräch zu kommen, wurden sie von Walburga Schäfer und Jutta Roth vom Netzwerk Flüchtlinge zum gemeinsamen Kochen eingeladen.

Beide engagieren sich bereits seit langem im Netzwerk und hier reifte auch die Idee. Aber dass man sich gleich an ein Lieblingsgericht vieler Menschen in der Region wagte, nämlich Dampfnudeln, war doch eine Herausforderung.

Die Zutaten, auch für eine Gemüsesuppe, wurden in einem ortsansässigen Gemüseladen am Vortag eingekauft, und am Samstagmorgen traf man sich in der schönen Küche des evangelischen Gemeindehauses. Unter Anleitung von Walburga Schäfer und Jutta Roth wurde zuerst einmal der Teig für die Dampfnudeln vorbereitet, der dann ein wenig ruhen durfte.

Ruhen durften die Frauen natürlich nicht. Hannan, Nemat und Mariam bereiteten das Gemüse für die Suppe vor und, wie es bei Frauen so üblich ist, wurde hierbei und auch in der Küche viel gelacht und gescherzt. Ein Deutschkurs einmal ganz anders. Männer zum Helfen blieben außen vor, sie waren erst zur Mittagszeit geladen.

Während die Suppe köchelte, wurden die ersten Teiglinge in die vorbereiteten Pfannen gelegt. „Samar, warte, erst die Dampfnudeln in die Pfanne, wenn alles heiß genug ist“, so Walburga Schäfer.“ „Und Fett, Wasser und Salz nicht vergessen.“ Und dann standen alle Frauen um die große Pfanne herum und warteten, was wohl passiert. Mit einem Schwupps lupfte Jutta Roth schnell den Deckel, und es wurde mit dem Pfannenwender geschaut, ob die Unterseite der Dampfnudel auch ein dunkles Krüstchen hatte. Perfekt! „Und nun dürft ihr an die Pfannen.“ Ein wenig zögerlich am Anfang, aber nachdem Huda, Yara und Mariam den Bogen raus hatten, lief es wie am Schnürchen.

Lob von allen Seiten

Die Awo-Damen, die samstags in der Kleiderstube nebenan ihren Dienst tun, wurden von dem Duft angelockt und schauten in der Küche vorbei. Hier verteilten sie ein dickes Lob an alle Frauen: „Das hätten wir nicht besser machen können.“

Pünktlich zur Mittagszeit waren dann Suppe, Vanillesoße und die Dampfnudeln fertig. An den hübsch gedeckten Tischen nahmen die Männer und die Kinder Platz und warteten gespannt auf dieses Neulußheimer Gericht. Stolz füllten die Frauen die Suppe auf die Teller und Walburga Schäfer erklärte, wie man die Dampfnudel verspeist. Zur Suppe in der Hand oder mit Vanillesoße. Messer und Gabel braucht man dazu nicht. Aref schaute ein bisschen skeptisch, gehörte die Salzkruste wirklich dazu? Aber nach den ersten Bissen und anerkennenden Worten, durfte es noch die eine oder die andere weitere Dampfnudel sein.

Gemeinsam wurde dieses leckere Essen verzehrt und der Abwasch war dann auch bei den vielen helfenden Händen schnell erledigt.

Die syrischen Frauen wollen sich natürlich revanchieren und möchten beim nächsten gemeinsamen Kochen ein syrisches Gericht bereiten. Aber wie Yara sagte, „sicher keinen syrischen Döner“. rhw

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