Neulußheim

Im Interview Helmut Marin zeigt zu seinem 70 Geburtstag eine Retrospektive im Kulturtreff Alter Bahnhof

Das Unbegreifliche fassbar machen

Archivartikel

Neulußheim.Helmut Marin (kleines Bild) aus Heidelberg beschäftigt sich hauptsächlich mir surrealistischer Malerei. Im Alten Bahnhof stellt er anlässlich seines 70. Geburtstages eine Retrospektive aus. Unter dem Titel „Aus der Zeit gefallen“, können Besucher ab Freitag, 5. Juli, bis Sonntag, 7. Juli, Marins Werke betrachten. Im Iinterview erklärt der Künstler, wie er zur Malerei gekommen ist, und was in am Surrealismus fasziniert.

Herr Marin, als gelernter Grafiker, Schriftsetzer und Layouter sind sie ja schon von berufswegen künstlerisch vorgeprägt. Wie kam es, dass Sie diese Karriere einschlugen?

Helmut Marin: Als ich 14 war, wurde ich vor die Wahl gestellt: In der Schule weitermachen oder nicht. Weitermachen kam für mich nicht in Frage (lacht), also habe ich eine Lehre gemacht. Damals gab es ja fast ausschließlich den Buchdruck. Auch waren die Berufsgruppen der Drucker und der Setzer noch strikt getrennt. Ins grafische Gewerbe kam ich über Bekannte, die mir diese Branche empfohlen. Dort konnte ich meine künstlerisches Interesse verfolgen und mein Talent weiterentwickeln.

Sie waren also schon früh künstlerisch aktiv?

Marin: Naja, das Gestalten hat mich schon immer interessiert. Aber Berufe wie Ingenieur kamen für mich nie in Frage, das war mir zu viel zum Rechnen. Außerdem wollte ich die Möglichkeit haben, einen gewissen Freigeist zu entwickeln. In der Berufswelt wird ja die Fantasie nicht immer anerkannt (lacht) – aber es ging ja auch in erster Linie ums Geldverdienen – und im besten Fall auch, ein bisschen Spaß dabei zu haben.

Und wie ging es beruflich weiter?

Marin: Bald stellte sich die Frage: Wehrdienst oder nicht? Ich dachte mir dann: „da verpflichtest du dich für zwei Jahre und kriegst auch noch Geld dafür“. Als ich wieder zurückkam, war der Bleisatz schon stark auf dem Rückzug. Das machte es natürlich schwieriger für mich. Also bin ich zum Fotosatz gegangen, in einer Firma, die Großbilder produziert hat. Als dann irgendwann alles digital wurde, wurde die Entwicklung in der Branche erst so richtig schnell. Und dann habe ich mich eben – wie man so schön sagt – so durchgeschlagen. Trotzdem habe ich es nie bereut, diesen Beruf gewählt zu haben.

In einer Ankündigung Ihrer Ausstellung heißt es, Sie hatten Ihren Durchbruch in Neulußheim. Wann war das?

Marin: Das war 2007. Zuvor habe ich immer bei der „Hendsemer Art“ bei mir daheim in Handschuhsheim ausgestellt. In Neulußheim kamen dann aber Leute auf mich zu und wollten Bilder kaufen, fragten mich für Ausstellungen an oder hatten gar Auftragsarbeiten für mich. Auch in der Villa Meixner in Brühl sollte ich dann wenig später ausstellen. Bei der „Hendsemer Art“ hatte mich damals auch der Cousin von Wolfgang Treiber entdeckt – und mich mit seiner Empfehlung ganz schön in Zugzwang gebracht (lacht).

Wie würden Sie ihren Arbeitsstil beschreiben?

Marin: Für mich ist das Malen, wie zur Arbeit zu gehen: Kontinuierlich und jeden Tag. Manchmal habe ich auch mehrere Werke, an denen ich gleichzeitig arbeite.

Und welcher Stil ist der Ihre?

Marin: Nun, ich bin 1949 geboren und sozusagen in der Pop-Art großgeworden. Anfangs waren es aber eher die surrealistischen Dinge, die mich interessierten. Dabei habe ich nie wirklich nach Vorbildern gearbeitet. Von Leuten wurde ich aber immer angesprochen, ob ich bei meinen Werke von Magritte inspiriert worden sei. Ich habe mich da schlau gemacht und tatsächlich: Die Ähnlichkeit war frappierend!

Was interessiert Sie am Surrealismus?

Marin: Es geht dabei um Dinge, die man nicht erfassen kann. Eine Art Traumwelt. Andererseits lässt einen der Surrealismus auch Dinge erfassen, die eigentlich nicht existieren können.

Ihre Ausstellung ist eine Retrospektive zu Ihrem 70. Geburtstag und trägt den Namen „Aus der Zeit gefallen“. Was verbirgt sich dahinter?

Marin: Der Titel stammt von Wolfgang Treiber (lacht). Ich würde eher sagen, ich bleibe zeitlos. Ich male wie ich will und lasse mir nichts vorschreiben.

Das Wichtigste von heute
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional