Neulußheim

Evangelische Kirchengemeinden Pfarrer Matthias Zaiss hält Predigt beim gemeinsamen Gottesdienst / Worte zur Ökumene / Mittagessen im Gemeindehaus

„Einzig der Glaube hält uns zusammen“

Archivartikel

Neulußheim/Verwaltungsgemeinschaft.Der Himmelfahrtstag ist seit einigen Jahren für die evangelischen Christen Hockenheims und der drei Nachbargemeinden ein liebgewordener Tag der Gemeinschaft, bei dem es um das Gespräch untereinander ebenso geht wie um das Wort Gottes. Mit einem gemeinsamen Gottesdienst beginnt deshalb dieser Tag, einem Gottesdienst, der eigentlich im Freien stattfinden sollte, aber gestern hatte man sich aufgrund der kühleren Witterung doch dafür entschieden, in der Kirche den Gottesdienst zu feiern und anschließend im Gemeindehaus zusammenzusitzen.

Treffpunkt ist übrigens alljährlich der evangelische „Kirchenbereich“ in Neulußheim, jeweils eine andere Kirchengemeinde ist für die gesamte Abwicklung des Tages zuständig. In diesem Jahr waren es die evangelischen Christen aus Altlußheim und somit stand Pfarrer Matthias Zaiss zur Predigt auf der Kanzel.

Die Menschheit hat viele Ängste

Schon in seinen Begrüßungsworten hatte Pfarrer Zaiss deutlich gemacht, dass durch die Himmelfahrt Christi die Verbundenheit von Himmel und Erde klar verdeutlicht werde. In seiner Predigt ging er eindringlich auf die letzten Gebete von Christus vor seinen Jüngerinnen und Jüngern ein. „In dieser Eindringlichkeit konnte es geschehen, dass der irdische Jesus und der himmlische Christus miteinander verschmelzen,“ führte Pfarrer Zaiss aus. Jesus habe „als Mensch alles gegeben“ und sei auch nach seiner Rückkehr zum Vater auf andere Art unvermindert gegenwärtig. „Christus weiß, was auf dem Spiel steht“, machte Pfarrer Zaiss deutlich. Er wisse auch, dass die Menschheit viele Ängste haben, beispielsweise seien Amerika und Russland keine Friedensgaranten und man stelle sich die Frage, ob das Zusammenfinden Koreas friedlich gelinge.

„Eins in Christus“

Pfarrer Matthias Zaiss fand auch offene Worte für das Ringen der evangelischen und katholischen Christen, noch näher zusammen zu kommen. „Wie können wir von einer Weltgemeinschaft Einheit fordern, wenn wir uns als Kirchen auseinanderdividieren?“, stellte er seine klaren Gedanken in den Raum. Schließlich sei man doch „eins in Christus“.

Gerade bei uns in Baden und in der gesamten Erzdiözese Freiburg sei man sich seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil vor über 50 Jahren schrittweise nähergekommen. Und gerade in der Verbundenheit, im Mitleiden und in der heilsamen Hilfe könnten die Menschen am besten Gottes Gegenwart wahrnehmen, erläuterte Zaiss weiter. Das Kreuz sei deshalb für uns das Zeichen des Mitleidens Gottes, aber auch der Liebe Gottes, die manche Machtpläne durchkreuzen könne.

Intensiv machte Pfarrer Zaiss die Worte Jesu deutlich, wenn dieser predigte: „Lass die Menschen Augen haben für die andern, lass sie mitfühlen, lass sie die Scheu verlieren und ermutige sie, Kontakt aufzunehmen.“

Konkret ging Pfarrer Zaiss darauf ein, dass die katholischen Bischöfe derzeit darum ringen, dass in konfessionell gemischten Ehen Lebende zur Kommunion zugelassen werden, so könne man dies als einen Schritt sehen, die Bitte Jesu zu erfüllen. Man müsse einander respektieren und tolerieren und „nicht einander den Glauben absprechen“.

Wer an Christus glaube, der begegne auch anderen Menschen, anderen Glaubensformen, anderen Auslegungen, machte Zaiss deutlich. Man müsse auch erkennen, wenn wir in unseren Kirchen Abendmahl oder Eucharistie feiern, liege das „Tischtuch der Mahlgemeinschaft zerschnitten auf unseren Tischen“. Man habe Schnittstellen versteckt und manches abgesäumt, wir müssten uns aber trotzdem im Klaren darüber sein, dass nicht die Lehrmeinungen und Auffassungen über das Mahl uns zusammenhalten, sondern einzig und allein der Glaube an Jesus Christus. Wir sollten Gott stets bitten um die Einheit. Das Bitten komme vor dem Handeln. Mache man es umgekehrt, dann komme man mit der Bitte, dass Gott trotz des entstandenen Scherbenhaufens gnädig sein möge und wir vor weiteren Folgen verschont bleiben mögen.

Heilende Kraft der Identität

Gewisse Uneinigkeiten habe es im kirchlichen Bereich schon immer gegeben, blickte Pfarrer Zaiss auf die Historie zurück, um 50 nach Christus habe man bereits gestritten, wann einer als „Vollchrist“ gelten könne. „Ihr seid allesamt einer in Christus Jesus“ hatte der Apostel Paulus in einem seiner vielzitierten Briefe betont. Dies verbinde uns noch heute, fasste Matthias Zaiss zusammen. Dies gebe uns die heilende Kraft der Identität, die wir durch den Glauben erlangen.

Der Festgottesdienst für die vier evangelischen Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft, der von Pfarrer Matthias Zaiss und Diakon Jascha Richter gehalten wurde, war musikalisch umrahmt von den Posaunenchören Altlußheim und Reilingen unter der Leitung von Alexander Hartmann.

Die „trotzdem“ aufgestellten wenigen Bänke im Freien fanden aufgrund der Witterung wenig Beachtung. Man traf sich im Gemeindehaus neben der Kirche.

Dort war schon das gemeinsame Mittagessen vorbereitet worden. Dabei hatte man genügend Zeit, sich zu unterhalten, die Gemeinschaft zu pflegen, das zu tun, was also mit eines der Hauptanliegen dieses Tages der Gemeinsamkeit ist.

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