Neulußheim

Arbeiterwohlfahrt Porträt des Künstlers Peter Eleven erinnert an Michael Getrost / Einer der Mitbegründer des Ortsverbandes / Laudatio durch Rolf Heidemann

„Er war ein Mann der ersten Stunde“

Archivartikel

Neulußheim.Die wechselvolle Geschichte des Ortsvereins der Arbeiterwohlfahrt (Awo) spiegelt sich in den Bildern seiner 63-jährigen Geschichte, die in den Räumen der Begegnungsstätte hängen, wider. Was aber bisher fehlte, war ein Bild des Mitgründers Michael Getrost, der 1901 geboren wurde und bereits 1966 verstarb.

Rolf Heidemann, ein damaliger Weggefährte, war es seit Jahren ein besonderes Anliegen, Michael Getrost für seine Verdienste und Leistungen zu würdigen und die Erinnerung an ihn wach zu halten. Mit der Beauftragung des Künstlers Peter Eleven, ein Aquarell-Portrait nach Vorlage eines alten Bildes zu fertigen, ist es Rolf Heidemann zu verdanken, dass der Mitgründer des Ortsverbandes mit einem künstlerisch gestalteten Porträt nun einen schönen Platz in der Begegnungsstätte gefunden hat.

Familie eingeladen

Anlässlich der Feierlichkeiten rund um die Kerwe in der Begegnungsstätte war ein besonderer Rahmen zur Enthüllung und Würdigung durch Heidemann gefunden. Neben der Tochter von Michael Getrost, Ursula Schneider, die gegenüber der Begegnungsstätte wohnt, war auch ihre Familie zu der kleinen Feier gekommen.

In seiner Würdigung blickte Rolf Heidemann auf die lange und erfolgreiche Geschichte des Awo-Ortsvereins zurück und schlug einen Bogen von damals zu heute. Denn der Neulußheimer Ortsverband bestand ja schon lange vor 1933, wurde von den Nationalsozialisten aufgelöst, und seine Akten vernichtet. Erst weit nach Kriegsende 1945, nämlich am 30. September 1956, also vor 63 Jahren, lud Michael Getrost zusammen mit dem Geschäftsführer der Kreisgeschäftsstelle in Mannheim, Heiner Senz, in das Gasthaus „Zur Neuen Welt“ zur Wiedergründung der Arbeiterwohlfahrt Neulußheim ein.

Neugründung nach dem Krieg

Bei voll besetztem Saal und unter Teilnahme der noch vor 1933 lebenden aktiven Mitgliedern, wie Christian Ballreich, Albert Kühl, Michael Getrost, Heinrich Rausch, Konrad Langlotz und Heinrich Villhauer, wurde der Vorschlag mit Beifall begrüßt und angenommen.

Die Vorarbeiten zur Neugründung übernahm Michael Getrost, zur Seite standen ihm die Gemeinderäte Heinrich Villhauer und Paula Zimmermann. Dank der ehrenamtlichen Helfer unter den langjährigen Awo-Vorsitzenden Julius Rausch und Hildegard Kuppinger, die in guter und respektvoller Erinnerung bleibt, entwickelte sich die Neulußheimer Awo zu einem Ort der menschlichen Begegnung. Die Zusammenkünfte schaffen eine Verbundenheit untereinander, die einen recht familiären Charakter annimmt.

Das aktuelle Team um Renate Schöner, Karin Horchheimer, Gemeinderätin Renate Hettwer, um nur einige zu nennen, versteht es ja immer wieder, den veränderten Bedürfnissen in der Gesellschaft durch veränderte Angebote Rechnung zu tragen. Die Arbeiterwohlfahrt in Neulußheim erfindet sich gewissermaßen immer neu, sie ist in der Gemeinde – bedingt durch ihre Wirksamkeit – nicht mehr wegzudenken, und sie ist sogar örtlich zwischen Rathaus und Kirche zu finden, also mittendrin.

Sicherlich konnte damals Michael Getrost – trotz seiner positiven Lebenseinstellung – die erfreuliche Entwicklung des Gemeindeverbandes weder erahnen noch voraussehen und wenn, dann hätte er sich darüber gefreut.

Michael Getrost war ein Mann, der sich für Menschen interessierte. Von ihm ging etwas Gutes und Gütiges, etwas Freundliches und Aufrichtiges aus. Verantwortung, soziale Kompetenz und Disziplin prägten sein Leben. Sein sinnerfülltes Leben, getragen von ethischer Verpflichtung, befähigte Michael Getrost dank charakterlicher Stärke und ausgeprägter Willenskraft, Aufgaben zur politischen, kulturellen und sozialen Entwicklung der damals dörflich geprägten Vereine der Gemeinde anzunehmen und zu bewältigen. Es war ihm nichts zu schwer und nichts zu weit, um ein einmal festgelegtes Ziel zu erreichen, und der Erfolg gab ihm Recht. Er war ein positiv denkender Mensch.

Ums Ehrenamt verdient gemacht

Nur so ist zu verstehen, dass er neben seiner beruflichen Tätigkeit nach Kriegsende in der Gemeinde maßgeblich den wiedergegründeten sozialdemokratischen Ortsverein, deren Vorsitzender er einige Jahre war, mitgestaltete, ohne ein kommunales Amt anzustreben. Federführend war er auch bei der Wiedergründung des Arbeitergesangvereins Harmonie, jetzt Frauenchor Women´s Voice, im Jahre 1949, dessen Vorsitz er viele Jahre innehatte. Michael Getrost hat sich um die örtliche SPD, um den Arbeitergesangverein und um die Awo verdient gemacht. Er war ein Mann der ersten Stunde.

Michael Getrost befolgte den weisen Rat des Dichters und Philosophen Hermann Hesse: „Wir verlangen, das Leben müsse einen Sinn haben – aber es hat nur ganz genau so viel Sinn, wie wir selber ihm zu geben imstande sind.“

Renate Schöner und Karin Horchheimer dankten Rolf Heidemann nach der Enthüllung für das großzügige Geschenk und seine ehrenden Worte. Michael Getrost wäre sicher stolz, dass die Grundwerte der Arbeiterwohlfahrt – Solidarität, Toleranz und Gerechtigkeit – heute immer noch Verpflichtung sind und im Ortsverband gelebt werden.

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