Neulußheim

Evangelische Kirche Chor führt unter Leitung von Walburga Schäfer 1000-Stimmen-Projekt "Luther" als Pop-Oratorium auf / Verdienter Beifall für Akteure

Erlebnis, bei dem einfach alles stimmt

Neulussheim.Dirigentin Walburga Schäfer hatte sich Großes vorgenommen. Das 1000-Stimmen-Projekt "Luther" als Pop-Oratorium wollte sie in kleinerem Rahmen in Neulußheim aufführen. "Es soll unser Beitrag zum Lutherjahr sein", verkündete die engagierte Kirchenmusikerin schon im Frühjahr. Sollte jemand damals Bedenken gehegt haben, ob das aufwendige Projekt gelingen würde, am Sonntag wurden diese restlos zerstreut.

Es war nicht nur gelungen - es war eine grandiose Aufführung, bei der einfach alles stimmte: Sänger, Solisten, Musik sowie eine herausragende Licht- und Tontechnik sorgten für ein echtes Konzerterlebnis. Mit den Solisten waren gut 90 Sängerinnen und Sänger mit von der Partie.

Die rockig-poppige Musik wurde zwar vom Band eingespielt, was aber der Wirkung keinen Abbruch tat. Dass die Einspielungen tadellos klappten und die Kirche in schönsten Farben erstrahlte, gewährleisteten Dieter Rüttinger und sein Team.

Souveräne Chorführung

Walburga Schäfer führte den Chor souverän und mit knappen Handbewegungen. Als Solisten erlebten die Besucher Gottfried Schöbel, Pfarrerin Katharina Garben, Isabelle Sturm, Roland Haaß, Martin Haffner, Oliver und Winfried Vaudlet sowie Dr. Ulrich Fischer.

Die Hauptrollen übernahmen Regina Eckert als Marketenderin, die über Luthers Kindheit erzählte, Vincent Eckert als junger Kaiser Karl V. sowie Benedikt Eckert, der die Rolle des Luther großartig darbot. Gleich mehrere Rollen und Charaktere übernahm Martin Scheck, der seine langjährige Bühnenerfahrung hervorragend einbrachte.

"Luther, Luther - wer ist Martin Luther", diese Frage stellte der Chor zu Anfang. Das Publikum wurde mitgenommen zum Wormser Reichstag, wo der Reformator als Ketzer angeklagt war und entweder seine Thesen widerrufen oder auf den Scheiterhaufen gebracht werden sollte. Luthers Ringen um die biblische Wahrheit, sein Kampf gegen Obrigkeit und Kirche sowie Ränkespiele um Macht und Politik bestimmen die Erzählung.

Es wurde vom Gutenbergschen Buchdruck berichtet, über die Aufklärung des Volks bis hin zum Mut der Selbstbestimmung. Das alles gäbe es nicht oder hätte es vielleicht erst viel später gegeben, wäre nicht ein mutiger Mönch gegen Ablasshandel und Korruption aufgestanden. Wer ganz genau hinhörte, der konnte viele Parallelen bis in unsere Zeit wahrnehmen.

Musik bringt Sänger in Bewegung

Die moderne Musik, rockig und temperamentvoll, ließ die Sänger in Bewegung kommen. Auch für traditionelle Kirchenmusik wie "Ein feste Burg ist unser Gott" war Raum. Organist Gerhard Müller brachte hier die richtigen, erhabenen Töne ins Konzert ein.

Der imposante Chor stellte das Volk dar, während Luther mit seinen Widersachern rang. Auch der jugendliche Kaiser Karl V. war vor Machtspielchen und Erpressungen nicht sicher. Letztendlich war es eine politische Groteske und die Gier nach Geld, deren Ruf aus Rom kam.

Benedikt Eckert ging ganz in seiner Rolle als Martin Luther auf, glaubhaft zeigte er die innere Zerrissenheit zwischen Gehorsam, seiner Liebe zu Gott und seinem Ansinnen nach Gerechtigkeit. Vor dem Kaiser musste er sich dem Ankläger Faber stellen, der den Widerruf seiner Lehren forderte, die der kirchlichen Autorität widersprechen.

Luther bat um Bedenkzeit, das Volk war enttäuscht, hätte sich sein Vorbild kämpferischer gewünscht. Am nächsten Tag war sich Luther sicher, er werde nicht widerrufen. Kaiser Karl V. verurteilte ihn auf den Scheiterhaufen.

Luther kam der sächsische Kurfürst Friedrich zu Hilfe, der sich auf das zugesagte freie Geleit für Martin Luther berief. Bei Nacht und Nebel wurde Luther in einen Turm der Wartburg gebracht und dort als Junker Jörg versteckt und beschützt.

Der Chor gestaltete die einzelnen Szenen gesanglich aus und stellte am Ende wieder die Frage "Wer ist Martin Luther?". Die Besucher belohnten die Akteure mit fulminantem Beifall, der mehr als verdient war. Eineinhalb Stunden gab es musikalischen Geschichtsunterricht mit herausragenden Solisten und richtig fetziger Musik.

An Dirigentin Walburga Schäfer richteten sich die Abschiedsworte ihres Kirchenchores: "Danke, dass du uns dieses Projekt zugetraut hast". Für alle Beteiligten und für die Zuschauer war es ein großartiges Event.

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