Neulußheim

Diamantene Hochzeit Felicitas und Walter Merz sind seit 60 Jahren verheiratet / Von Pfarrer Hanns E. Meuret getraut

Freude an Musik verbindet sie

Neulußheim.Um einen nachdenklichen Gedanken oder Spruch sind sie nie verlegen: „Mit den Jahren runzelt die Haut, mit dem Verzicht auf Begeisterung aber runzelt die Seele.“ Und das wollen Felicitas und Walter Merz auf keinen Fall aufkommen lassen. Dieser Spruch von Albert Einstein motiviert das Ehepaar Merz immer wieder. „Wir sind dankbar, gemeinsam auf ein erfülltes ereignisreiches Leben zurückblicken zu dürfen“, fasst Walter Merz sachlich überzeugt zusammen.

Heute gibt es im Hause Merz einen ganz besonderen Grund, zurückzublicken und zu feiern: Vor genau 60 Jahren wurden sie in der evangelischen Kirche in Neulußheim von Pfarrer Hanns E. Meuret getraut, heute feiern sie das Fest der Diamentenen Hochzeit. Eines gab es bei der Familie Merz nie: Langeweile. Bei ihren frühen jugendlichen Aktivitäten in der Kirchengemeinde hatten sie sich kennengelernt und die gemeinsame Freude an der Musik zieht sich wie ein roter Faden durch die Lebensjahrzehnte.

Kenner von Bachs Werken

Walter Merz ist nicht nur Bach-Fan, sondern auch intimer Kenner seiner Musik. Er kann zu jeder seiner Sammlung aus über 100 Kantaten Informatives erzählen. Bei der früheren Hockenheimer Chorgemeinschaft unter Ludwig-Günther Mohrig sangen die Eheleute gemeinsam, Felicitas Merz ist heute noch beim Mozart-Chor in Speyer aktiv.

Der berufliche Weg von Walter Merz war von viel Arbeit und starkem Engagement geprägt. Aus einer Landwirtsfamilie stammend half er schon früh zuhause mit, zumal der Vater jung gestorben war. Als technischer Zeichner und Maschinenschlosser bildete er sich an der Abendfachschule zum staatlich geprüften Techniker weiter. Er arbeitete lange Zeit als Betriebsingenieur und nach weiteren Kursen im Bereich Refa und Elektrotechnik war er schließlich Abteilungsleiter der Werkstätten in Rheinau bei der Firma Rheinchemie.

Felicitas Merz, die damals noch Hoffmann hieß, legte in Schwetzingen die mittlere Reife ab und arbeitete im Steuerberatungsbüro ihres Vaters. Nach der Heirat widmete sie sich in erster Linie der Familie, ist aber bis zur heutigen Zeit in verschiedenen Bereichen ehrenamtlich tätig. Als freie Mitarbeiterin berichtete sie auch viele Jahre lang für unsere Zeitung aus Neulußheim, ihr „fm“ war ein jahrzehntelang oft gelesenes Kürzel.

Das Familienleben hatte und hat im Hause Merz stets einen hohen Stellenwert. Mit Joel und Micha wohnen die beiden Urenkel mit im Hause in der Albrecht-Dürer-Straße, zusammen natürlich mit ihren Eltern, dem Enkelsohn und dessen Ehefrau. Die beiden Enkeltöchter haben es als „Reilingerin“ und „Schwetzingerin“ auch nicht allzu weit zu den Großeltern und sind nicht nur gern, sondern auch oft gesehene Gäste. Tochter Angelika Kosmala, die verwitwete Mutter der drei Enkelkinder, wohnt nach wie vor in Neulußheim und ist durch ihr Engagement in der Markusschule bekannt. Tochter Anette arbeitet als Lehrerin an einer Schule im Schwarzwald. Tochter Brigitte ist promovierte Ethnologin. Als zwei der Töchter für einige Jahre von „beruflichem Fernweh“ gepackt waren, war es für Felicitas und Walter Merz selbstverständlich, die Töchter zu besuchen, und so waren sie in der Sahelzone und in Nepal zu Gast. „Das sind Erinnerungen, die prägend waren und die man nicht vergessen kann, wenn man solche für uns fremde Welten intensiv erleben konnte“ blicken die Eheleute zurück.

Ehrenamtlich aktiv

Zuhause war man bodenständig, über drei Jahrzehnte bis zur Auflösung war Walter Merz Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins, ein Jahrzehnt auch Bezirksvorsitzender , Fachwart für Obst- und Gartenbau sowie Sachkundiger für Pflanzenschutz, ebenso war er bei der Freien Wählervereinigung im Vorstand aktiv. Felicitas Merz organisierte Hilfstransporte in die Ukraine, kümmerte sich um Nahrungsmittel, Kleidung und medizinische Hilfsgüter. Seit über zwei Jahrzehnten betreut sie einmal wöchentlich im Hockenheimer Altenzentrum St. Elisabeth Senioren, animiert zum gemeinsamen Singen und begleitet musikalisch. In späten Jahren erlernte sie eigens dafür noch das Akkordeonspiel. „Natürlich geht alles ein bisschen langsamer, wir sind über 80,“ erzählt Felicitas Merz. Sie ist 83 Jahre alt, Ehemann Walter 87. Nach gesundheitlichen Beschwerden in den letzten Monaten des vergangenen Jahres geht es für ihn wieder aufwärts und sein strahlendes Lächeln macht glaubhaft, wenn er bestätigt: „Ich kann zufrieden sein.“ Schelmisch lachend streicht er sich über seinen (recht neuen) Vollbart. Als ihm einige Zeit lang das Rasieren schwer fiel, ließ er einfach die Barthaare wachsen, die Enkeltöchter fanden den Opa mit Bart „richtig cool“ und so blieb der Bart einfach stehen. „Steht ihm doch gut, gell“, ist Felicitas überzeugt.

Der Festgottesdienst und die Feier am Samstag werden die Familie und viele Freunde zusammenbringen. „Das wird wieder ein richtiges Sahnehäubchen für die Seele“, strahlt Walter Merz und Ehefrau Felicitas stimmt ihm voll zu mit einem genauso deutlichen „Ja“ wie vor sechs Jahrzehnten.

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