Neulußheim

Evangelische Kirche Dr. Sibylle Rolf spricht bei Frauenfrühstück

Gott und die Liebe

Archivartikel

Neulußheim.„Ist Gott lieb oder ist Gott die Liebe“, mit dieser Frage befasst sich das Frühstückstreffen für Frauen, zu dem die evangelische Kirchengemeinde ins Gemeindehaus eingeladen hatte. Oder anders formuliert – gibt es eigentlich den „lieben Gott“, so wie wir es als Kinder gebetet haben?

Referentin zu diesem brisanten Thema war Dr. Sibylle Rolf aus Oftersheim. Sie ist nicht nur Gemeindepfarrerin, sondern auch Professorin für Systematische Theologie an der Universität Heidelberg.

„Ja“, betonte die Theologin, Kindergebete würden auch heute noch mit der Anrede „Lieber Gott“ beginnen und das sei für Kinder gut, denn sie würden schließlich noch im Glauben wachsen. „Aber auch Erwachsene brauchten diese Anrede manchmal, um Situationen zu ertragen, die eigentlich nicht zu ertragen seien.“

Attribut wirkt verharmlosend

Wenn man vom „lieben Gott“ rede, schaffe das Distanz, Gott werde dadurch kontrollierbar oder handlebar, da er sozusagen in eine Kategorie gesteckt werde. Oftmals sei die Anrede aber auch nicht angemessen, da sie auch verharmlosend sei; Gott werde nicht ernst genommen, so Rolf. Die Redewendung „dem lieben Gott hat es gefallen, dass dies oder jenes passiert sei“, beschreibe eine unerträgliche, nicht zu verstehende Situation. Man würde eher erwarten, dass jemand schreit oder klagt. Aber so werde der Situation eine Bedeutung oder ein Sinn gegeben und man resigniere, weil man es nicht verstehen könne.

Die Bibel spreche an keiner Stelle vom „lieben Gott“ – Gott sei gnädig, barmherzig, allmächtig, liebend oder auch zornig, aber nicht lieb, verwies die Pfarrerin auf die Schrift. „Gott ist die Liebe!“ – zitierte die Theologin aus dem Johannesevangelium. Diese Liebe gelte allen Menschen, die an ihn glauben, das heißt, er vergebe, heile und tröste, seine Liebe verkörpere sich in Jesus Christus und beschreibe seine Beziehung zu den Menschen.

Nun mache man Erfahrungen, die mit dieser Liebe nicht immer vereinbar seien, wie Leid und Krankheit. Man denke da eher an Zorn, Gericht oder Strafe. Rolf sprach vom Zorn Gottes in einem Vergleich: So wie Eltern manchmal zornig seien, weil ihre Kinder etwas tun, das ihnen selbst oder der Eltern-Kind-Beziehung schade, aber sie dennoch lieben, so sei auch Gott zornig, wenn Menschen sich von ihm abwendeten, ungehorsam seien und damit der Beziehung zu ihm schadeten. „Gott sei Vater und Mutter, seine Liebe sei dennoch immer ganz tief zu uns.“

Die Frauengruppe „Morgenlob“ hatte ein reichhaltiges Frühstücksbuffet aufgebaut, mit leckeren vegetarischen Aufstrichen, der beliebten Lachscreme sowie Käseplatten, Obstsalat und Müsli. Vor dem Frühstück begrüßte Hanni Schneider die Gäste und gemeinsam wurde ein fröhliches Morgenlied gesungen. Das Team verabschiedete sich von der Referentin und den Teilnehmerinnen des Frauenfrühstücks mit einem Segenslied. zg/Bild: Schneider

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