Neulußheim

Alter Bahnhof Künstler konzentriert sich auf griechische Mythologie / Farbintensität und Strukturen heben sich hervor und beeindrucken den Betrachter

Julius Wein als Odysseus im Meer der Ornamente

Archivartikel

Neulußheim.Farbgewaltig und in einer prächtigen Ornamentik begab sich am vergangenen Wochenende die kunstbeflissene Fangemeinde der Kunstausstellungen im Kulturzentrum „Alter Bahnhof“ auf eine Fahrt durch die Mythologie der griechischen Antike – zu einem „Götterreigen im Olymp“ hatte der aus Rheinhausen stammende Künstler Julius Wein geladen und mit seinen Werken bei der Vernissage am Freitagabend (musikalische Umrahmung: Thomas Sturm, Trompete) durchaus Verblüffung und Erstaunen hervorgerufen.

Der reine Autodidakt, der sich durch die Imitation großer Künstler ein beeindruckendes technisches Können angeeignet hat, vermittelt in seinen dann eigenen Werken die sinnreichen Botschaften in einer punktuell etwas profanen, meist aber angenehm natürlichen Symbolik: Zwischen Danae, Thalassa und Demeter ist er ein pinselschwingender Odysseus, dessen Ilias auf einem Meer von Farben und Formen stattfindet.

Charakter der Götter und Helden

Dabei legt er sein Augenmerk vor allem auf die dann sehr detailverliebte Charakterisierung der Zielobjekte, deren Eigenschaften und mythologischen Aufgaben er in regelrechten Studien zusammenführt.

Demeters Arme verreiten sich in fruchtbare Äcker, Früchte, Vögel und Getier umkränzen den Kopf der irdenen Nackten wie eine sinnliche Krone – das alles umgesetzt in reichen Farben. Es bleibt ein Rätsel, wie der Maler aus Acryl und Öl so unmittelbar leuchtende Eindrücke hervorbringen kann.

Formen und Strukturen

Seine Bildsprache geht dabei vom Grundkonzept aus, den jeweiligen Protagonisten in einen ihn umwölkenden Rahmen aus Formen und kleinsten Motiven zu hüllen, der immer eine ornamenthafte Struktur hervorbringt: Talassa, die Urgöttin der See, die sich mit Pontos vereint und alles Leben in den Meeren gebiert, ist folgerichtig eine selbst wie ein Symbol wirkende Meerjungfrau, bekränzt von fischartigen Wesen und Pontos ein krakenartiges Geschöpf, dessen schlangenartige Arme in ein aus zig Fischen und Kraken zusammengesetztes Ornament hineinragen.

Die eher realen Bildkomponenten wie das Unterwasserschloss und die vielen verschiedenen Unterwassertierarten, die den beiden Spots beigefügt sind, bleiben untergeordnet und eher beliebig. Fesselnd wirkt der überschäumende Reichtum an Farben und Figuren, die ihrerseits in Kombination neue Formen erzeugen, denen ein morphologischer Wandel innewohnt, je nachdem, wie viel Abstand man von den Werken nimmt.

Diese stilistische Finesse der Verschränkung von Ornamentik und konkretem Bild wird am greifbarsten bei Julius Weins „Pandora“ – eine mit Zitaten gespickte Auseinandersetzung, die gegenwärtige Krisen, historische Einflüsse und mythologische Botschaften auf eine fast schon beklemmende Weise miteinander verbindet: Saladin, die Kreuzzüge und die Wiege der Wissenschaft, aber auch ein flammendes Elend der aktuellen Krisen und Kriege – Bagdad, Damaskus und Basra, über denen die Fahnen Amerikas, Englands und Syriens wehen – hervorgegangen aus der geöffneten Büchse der griechischen Erdgöttin. Dass dabei die hohe technische Malkunst nicht immer einhergeht mit einer auch guten Perspektive und Proportion, mag im Angesicht der überschwänglichen Ornamente in den Hintergrund treten und fällt nur in wenigen Werken auf, beispielsweise bei Pegasos, dessen geflügeltes Pferd so zentral ist, dass eine Disharmonie der Proportionen störend wirkt. Julias Weins „Götterreigen im Olymp“ war einmal mehr ein Beispiel für die Vielfalt, die Neulußheims Kunstpapst Wolfgang Treiber in die Vier-Sterne-Gemeinde holt: Ein Monteur, der sich auf eine selbstangeeignete, hochansprechende Weise mit den Göttern seines Lieblingsreiselandes auseinandersetzt – natürlicher kann Kunst kaum sein.

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