Neulußheim

Alter Bahnhof "Reimtext" erfreut mit "Hessebilly" sowohl Musikliebhaber als auch Mundartfreunde / Mischung aus Südstaatenklängen und heimischen Songs

Kernige Haudegen in der musikalischen Prärie

Neulussheim."Hessebilly" nennt die Frankfurter Formation "Reimtext" ihren ureigenen Sound, der wie eine Mischung aus Südstaatenklängen und bodenständigem "Do bei uns" klingt: Rassige Melodien mit dem Duft der weiten Prärie zu Texten und Geschichten aus den Städten und dem ländlichen Hinterland zwischen Worms und Baunatal. So gehört im Neulußheimer Kulturzentrum "Alter Bahnhof", wo das Außergewöhnliche noch Konjunktur und Kulturamtschef Klaus Maier dem Mainstream den Kampf angesagt hat.

Entsprechend gespannt war das Publikum, bevor die drei Mundart-Halunken die Bühne betraten - und entsprechend begeistert, als erstmal klar war, um was es gehen sollte.

"Hessebilly de Luxe", so der Titel des neuen Programms der Frankfurter "Babbsäck": Country-Klänge mit heimischem Flair und Südstaaten-Musik mit heimatlichem Pathos. Dabei die augenzwinkernden Texte witzig serviert - fertig ist ein Abend für Mundart-Feinschmecker und Musikliebhaber gleichermaßen.

"Hessebella" Gaby Rotsch gibt am Bass mit satten Läufen ein antreibendes Grundmuster zu den routinierten Drums Conny Konrads, die - einziger Wermutstropfen des Abends - bisweilen etwas eintönig wirken. Zu all dem reitet "Stadt-Cowboy" und "Magoro Mann" Bobby Hepp als "Bobby von Schwanheim" als letzter Frankfurter Haudegen durch die musikalische Prärie - mit einer bisweilen wirklich genialen Gitarre und entsprechend rauchigem Gesang.

Hommage an die Heimatstadt

Ein Abend ausschließlich mit eigenen Liedern, zum Teil auch von der ersten CD "Banke, Puffs & Ebbelwoi", die eine musikalische Hommage an die Heimatstadt zwischen Wolkenkratzern und Elendsquartieren ist - im charaktervollen und wirklich einmaligen Sound der "Reimtexter".

Und es ist wirklich reizvoll, wenn mit dem "Aale Schorsch" hochphilosophische Sätze wie "Im Lewe gibt's im Lewe nix geschenkt" im Stil der 1960er durchs Publikum klingt, wenn Bobbys Cowboy-Hut sein Grinsen kaum verbirgt, während er mit "Beim Babba da babbe die Händ" eine Art Elvis-Äbbelwoi-Fusion zelebriert, die man so sicherlich nirgends sonst zu hören bekommt.

"Reimtext" feiert die Eigenart der hessischen Heimat mit einem Sound von "ganz weit weg" - "Was geht ab" als "was zum danze", dann aber doch irgendwie zwischen tropfendem Wasserhahn und leckender Dusche.

Die drei Musiker sind solitär: In ihrer Liebe zur Heimat, in ihrem textlichen Witz und der Kombination zur auf den ersten Blick so unpassenden, dann aber doch auf wundervolle Art genau richtigen Musik. So küren sie mit "Hesse im Sommer" ihr Zuhause zur "deutschen Toskana", sinnieren mit "Ä Mädsche vun dem annere Stern" gewitzt, augenzwinkernd und mit langen Gitarren-Soli des Schwanheimers über das "andere Geschlecht" und genießen musikalisch-kulinarisch "ä Schnibbelsche Worscht". "Reimtext" ist fraglos eine der solitären Nischenschätze der Musikszene - auch ohne Äbbelwoi hörenswert. Weitere Informationen und viele Hörproben im Internet unter www.reimtext.de.

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