Neulußheim

Lußhardtschule Vom Besuch eines Flüchtlings im Unterricht animiert / Orangenbaum bei einem Hilfsprojekt soll an ihre Zuwendung erinnern

Kinder sammeln Spenden für Menschen in Gambia

Archivartikel

Neulußheim.„Wer den Pfennig nicht ehrt“, war in DM-Zeiten ein geflügeltes Wort, dessen zweiter Teil die Quelle-Chefin Grete Schickedanz mit einem anderen Bonmot auf den Punkt brachte: „Der Pfennig ist die Seele der Milliarde“. Mit anderen Worten, auch viele Pfennige, oder um es mit den Begriffen der heutigen Zeit zu sagen, auch viele Cents addieren sich zu einem staatlichen Betrag.

Dafür sind die Kinder der Lußhardtschule ein gutes Beispiel, die beim Thema Helfen nicht lange redeten, sondern einfach loslegten, Cent um Cent sammelten, bis am Ende ein sehenswertes Sümmchen zusammengekommen war. Sehr zur Freude von Kerstin Gebhardt, die sich mit ihrem Verein „Hand in Hand“ um Hilfe zur Selbsthilfe in Gambia kümmert, und die von der Sammelaktion profitiert.

Doch der Reihe nach. Seit einiger Zeit befindet sich in der Straße Am Sandbuckel die Flüchtlingsunterkunft, deren Bewohner beim Gang in die Ortsmitte oftmals an der Lußhartdtschule vorbeikommen. Als Pfarrerin Katherina Garben Anfang des Jahres im Unterricht der dritten und vierten Klassen das Thema Flucht behandelte, war es für sie naheliegend, einen der Flüchtlinge, der von den Schülern bei seinem Gang am Schulhaus vorbei durchaus zur Kenntnis genommen wurde, in den Unterricht zu bitten, ihn von seiner Flucht nach Europa und vor allem über die Gründe hierfür sprechen zulassen. So war der junge Gambier Gast im Unterricht, schilderte seine abenteuerliche Flucht aus Afrika nach Europa und vor allem, was ihn zu dieser getrieben hatte. Schlicht und ergreifend die Lebensbedingungen, er sah in seiner Heimat keine Chance mehr für sich, weder auf Arbeit noch auf gesicherte Existenz.

Tägliche Mahlzeiten sind Luxus

Warum, davon konnte Kerstin Gebhardt den Kindern berichten, die in die Schule zur Spendenübergabe gekommen war. Gambia ist das kleinste Land Afrikas und zugleich eines der ärmsten, erzählte sie den Kindern. Mit zahlreichen Bildern vom Leben in Gambia führte sie den Kindern die Not vor Augen, die in dem Land herrscht, in dem die Menschen froh sind, wenn sie ein Dach, und sei es nur aus Stroh, haben, unter dem sie Leben können.

Tägliche Mahlzeiten sind in Gambia ein Luxus, nicht immer sei klar, wann es wieder etwas zu Essen geben wird. Zustände, die Gebhardt mit ihrem Verein, der Hilfe zur Selbsthilfe leistet, ändern möchte. So werden Brunnen gebohrt, Gärten angelegt und Felder bestellt, dass die Menschen von ihrem Land leben können. 19 Dörfer, freut sich Gebhardt, habe sie auf diese Weise schon vom Hunger befreien können. Auch die Schüler wollten ihr Scherflein dazu beitragen, die Not zu lindern, weshalb sie im Anschluss an den Unterrichtsstoff beschlossen, Geld zu sammeln. Und getreu dem Motto Stein um Stein, nahmen sie jede Spende, und war sie noch so klein, und trugen sie zu einem großen Haufen zusammen.

Münzen in Marmeladengläsern

Stolz trugen die Schüler in der Aula das Ergebnis ihrer Sammlung vor. So waren 1448 Centstücke, 1404 Zwei-Cent-Stücke, 794 Fünf-Cent-Stücke gesammelt worden, zählten sie die in Marmeladengläsern und Vasen sich türmenden Münzen, bis hin zu 57 Zwei-Euro-Stücken und den Scheinen. In der Summe 716,96 Euro – für die Grundschüler eine beachtliche Summe.

Geld für das sich Gebhardt bedankte, die den Kindern gleichfalls ein Geschenk überreichte, für das sie jedoch noch etwas arbeiten müssen: In Gambia hat der Verein in einem Dorf mit neuem Brunnen, mit Feldern und Äckern einen Orangenbaum für die Schule gepflanzt. Die Kinder sollen nun ein Schild malen, mit dem dies deutlich wird, dann kommt dieses an den Organgenbaum der Lußhardtschule, sicherte Gebhardt zu, die schon einmal eine Urkunde mitgebracht hatte. aw

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