Neulußheim

Volkstrauertag Bürgermeister Gunther Hoffmann warnt vor Vergessen der Erfahrungen aus Krieg und Vertreibung / Deutlich machen, wie kostbar Demokratie ist

Krieg und Verfolgung nicht überall Vergangenheit

Archivartikel

Neulußheim.Der Volkstrauertag ist in Deutschland ein staatlicher Gedenktag. Er wird seit 1952 zwei Sonntage vorm ersten Adventssonntag begangen und erinnert an die Kriegstoten und Opfer der Gewaltherrschaft aller Nationen.

Die zentrale Gedenkstunde zum Volkstrauertag findet im Deutschen Bundestag mit Reden und musikalischer Gestaltung statt, daran angelehnt führen viele Städte und Gemeinden ebenfalls Gedenkstunden mit Kranzniederlegungen durch. So auch Neulußheim, wo Gemeinderäte, Bürger sowie Vertreter der Sozialverbände in der Aussegnungshalle zum Gedenken zusammenkamen.

„Ein Tag der Erinnerung und des Innehaltens“, nannte ihn Bürgermeister Gunther Hoffmann in seiner Ansprache. Die Erinnerung hole die Vergangenheit in die Gegenwart hinein. „Deshalb ist es wichtig, Schicksale der schweren Zeit, die unsere Vorfahren erleben mussten, wieder mehr in den Mittelpunkt zu rücken.“

Sinkende Resonanz

Immer weniger Menschen hätten selbst Krieg und Gewaltherrschaft erleben müssen, Angehörige im Krieg verloren, weshalb solche Veranstaltungen immer mehr an Zuspruch und Resonanz verlieren. Der heutige Gedenktag sei immer mehr in die Ferne und Bedeutungslosigkeit rückt. Bewusst werde es ihm, wenn er Altersjubilare besuche, berichtete der Bürgermeister. Viele von ihnen Flüchtlinge der letzten Kriege, die dieses Leid miterlebt haben und jetzt in der Gemeinde fest etabliert und auch verwurzelt seien. Seine Vision: dass es vielleicht gelinge, dass in 20 oder 30 Jahren ein Besuch bei den jetzigen Flüchtlingen zum selben Ergebnis führe.

Demut aus Lehren ziehen

Die Tatsache, dass viele Menschen wieder zu uns kommen, solle bewusst machen, dass Krieg und Verfolgung nicht überall der Vergangenheit angehören und heute gegenwärtig sind, sagte Gunther Hoffmann.

Die Lehren aus der Vergangenheit und die aktuelle Situation sollten demütig und bewusst machen, wie gut es uns eigentlich geht. Teilen und andere unterstützen, die Hilfe benötigen, und daran denken, wie schnell es auch wieder anders werden könnte.

„Lassen Sie uns diesen Gedenktag nicht nur zum Erinnern nutzen, sondern vielmehr auch damit der Freude für unsere heutige Lebenssituation Ausdruck verleihen“, wünschte Hoffmann. Es gelte, deutlich zu machen, wie kostbar und wertvoll Demokratie, Menschenrechte, Frieden und Freiheit und der daraus resultierende Wohlstand seien. Lebensfreude und die hoffentlich eigene Zufriedenheit seien auch die Aufgabe des Tages.

Pfarrerin Katharina Garben von der Evangelischen und Gemeindereferent Thorsten Gut von der Katholischen Gemeinde sprachen Gebete und Fürbitten – für Frieden in Europa, der gefährdet sei und sorgsam gepflegt werden sollte, für die Menschen, die Macht in der Politik und Wirtschaft haben, um ein Engagement für Verständigung und Nächstenliebe, für Versöhnung von Kulturen und Nationen, wo Schweigen, Misstrauen und Zwietracht herrschen, für die großen Religionen und Offenheit für die Wahrheit und den gemeinsamen Einsatz für Frieden. Für Arme, Einsame, Heimatlose und besonders für die Kinder unter ihnen. Mit dem gemeinsamen „Vater unser“ endete die Feierstunde.

Umrahmt wurde das Gedenken mit zwei Liedbeiträgen vom AGV „Harmonie 1911 Neulußheim – Frauenchor „Women’s Voice“ mit seinem Dirigenten Bernd Schmitteckert.

Mit der Niederlegung von Kränzen durch den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Sozialverband Deutschland und Sozialverband VdK am Ehrendenkmal sowie dem Segen von Pfarrerin Katharina Garben endete die Feierstunde zum Volkstrauertag. rhw

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