Neulußheim

Evangelischer Kindergarten im Podey-Haus Seit 20 Jahren leitet Christian Lörch die Einrichtung / Corona bremst ihn nicht aus

Mit Fantasie den Kontakt halten

Neulußheim.„Wie funktioniert die Welt?“ Keine ganz einfache Frage, aber als Kindergartenleiter muss man eben auf verschiedene und ganz einfache und natürliche Fragen von Kindern gefasst sein. Christian Lörch ist nach wie vor begeistert von der Arbeit mit den Jüngsten: „Sie sollen hier Spaß haben, sie sollen rundum Kind sein dürfen, sie sollen brennen für das, was sie erleben wollen und die Kinder sollen individuell einfach so sein, wie sie sind, einzigartig und unverwechselbar.“ Vor nunmehr genau zwei Jahrzehnten übernahm Christian Lörch die Leitung des evangelischen Kindergartens in Neulußheim.

Zwei arbeits- und ereignisreiche Jahrzehnte liegen hinter Christian Lörch, der, wenn auch in St. Leon wohnend, durch und durch Neulußheimer ist. Er ist nicht nur hier geboren, seine Ahnenreihe sowohl mütterlicherseits als auch väterlicherseits lässt sich bis etwa ins Jahr 1780 zurückverfolgen. Mögen bei solchen Zeitdimensionen zwanzig Jahre eher „bescheiden“ wirken, so waren es doch zwei Jahrzehnte enormer Entwicklungen in der Gemeinde Neulußheim, vor allem auch im Bereich der immer mehr in den Fokus rückenden Betreuung von Kindern und Kleinkindern.

Vom Gemeinde- ins Podey-Haus

Als Christian Lörch seinen Dienst als Leiter des evangelischen Kindergartens antrat, befand sich der Kindergarten noch im alten Gemeindehaus, aus Platzgründen kamen Räume im alten Schulhaus hinzu. Bald war klar: Wir brauchen einen neuen zukunftsträchtigen Standort. Aber wo? Die Überlegungen trifteten teilweise weit auseinander. „Wir haben elf Möglichkeiten intensiv geprüft“, erinnert sich Lörch. Dass man sich dann für den Platz am alten Bahnhof entschieden hat, sieht er noch heute als optimale Lösung an.

Positiv wirkte sich für den Bau der Kindertagesstätte natürlich eine Erbschaft aus, die an die Gemeinde gegangen war – mit der Zweckbindung einer öffentlichen Einrichtung. Dieses Vermächtnis kam von der Familie Podey, eine der beiden Gründerfamilien des einst in Neulußheim größten Arbeitgebers, der Spielwarenfirma Plasty. Deshalb heißt die Einrichtung heute auch „Evangelischer Kindergarten im Podey-Haus“.

Evangelische Kindergärten haben übrigens in Neulußheim eine lange Tradition, hier gab es den ersten Kindergarten im weiteren Umkreis. Dies hing damit zusammen, dass Neulußheim ein recht spät gegründeter Ort war und keine bäuerliche Tradition aufweisen konnte. Hier lebten hauptsächlich Tagelöhner, also Arbeiter im klassischen Sinne. Somit gab es auch keine bäuerlichen Großfamilien, die für alle Generationen, also auch für die Jüngsten sorgen konnten. Dies war offiziell bekannt und so sorgte die evangelische Landeskirche für eine „Kleinkinderbewahranstalt“, wie es damals hieß.

„Dazwischen liegen natürlich Welten“, weiß Christian Lörch, hält es aber trotzdem für interessant, dass man die gesamte Entwicklung nicht aus dem Auge verlieren sollte. „Ein Riesenwandel hat sich vollzogen, wir können uns über den hohen Stellenwert der Kindertagesstätten unserer Zeit freuen und dürfen darauf zurecht stolz sein“, führt Lörch weiter aus. Dabei geht es natürlich auch um Ganztagsbetreuung und die Mittagsverpflegung, um nur zwei markante Marksteine zu erwähnen.

Beim Rückblick auf die letzten zwei Jahrzehnte als verantwortlicher Leiter der Kindertagesstätte erinnert sich Christian Lörch vor allem gerne an die stets gute und faire Zusammenarbeit mit der Verwaltung und vor allem auch mit den Eltern. „Es belebt und beeinflusst einfach positiv die gesamte Atmosphäre in einem solchen Haus wie hier bei uns, wenn sich die Eltern mit engagieren“, weiß Lörch aus langjähriger guter Erfahrung. Er denkt dabei an das gemeinsame Anlegen des Außengeländes, die Sanierung der Spielgeräte, den Einbau von zweiten Spielebenen in allen Gruppenräumen in Eigenregie und ähnliches mehr. „Das stellt Beziehungen her und baut Kontakte auf und es macht deutlich: Wir fordern nicht nur, wir machen auch selbst etwas.“

Freude aufs „normale Leben“

Stets aktiv zu sein, das liegt natürlich im Naturell von Christian Lörch. Da lässt er sich zusammen mit den Kolleginnen auch von der Corona-Pandemie nicht ganz ausbremsen. Eine „Kindergartenzeitung“ bringt vielfältige Anregungen und Beschäftigungsmöglichkeiten während des Lockdowns.

Außerdem gibt es über den Youtube-Kanal der Kirchengemeinde Kindergottesdienste sowie Videobotschaften und weil Lörch weiß, dass Kinder stets auch Wert auf Vertrautes legen, können sie seine Märchenerzählungen über die „Bremer Stadtmusikanten“, „Hans im Glück“ und viele andere Geschichten auf Youtube miterleben.

Stillstand darf nicht sein und die Vorfreude auf normales Leben im Podey-Haus ist für den Leiter Christian Lörch und sein gesamtes Team stets im Blick. „Schließlich haben wir ja eine ganz wichtige Aufgabe: Wir wollen die Kinder auf das Leben vorbereiten, ihnen das Rüstzeug dazu geben, indem sie hier spielend und spielerisch soziale Kompetenz erlernen, aber auch stets ihre eigenen Interessen vor Augen haben.“ Und schließlich können sich die Kinder wohlfühlen, weil sie spüren, dass sie mit ihren Stärken und Schwächen akzeptiert werden. „Ja, und genau darum bemühen wir uns gerne – und das Tag für Tag“, strahlt Christian Lörch.

Das Wichtigste von heute
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional