Neulußheim

SPD-Ortsverband Diskussionsveranstaltung mit dem Landtagsabgeordneten Daniel Born zum Thema Ganztagsschule / Mit Hort und Kernzeit gut aufgestellt

Schülerbetreuung gebührenfrei gestalten

Neulußheim.Zu einer offenen Diskussion zum Thema „Ganztagsschule“ hatte der SPD-Ortsverein eingeladen. Dass diese Diskussionsrunde kontrovers geführt werden würde, hatte sich bereits im Vorfeld abgezeichnet. Unbekannte hatten im Ort Flyer aufgehängt, mit denen sie ihren Unmut anonym zu diesem Thema äußerten.

„Wir sollten es nicht verpassen, rechtzeitig und vorausschauend über den Bedarf zu sprechen und uns mögliche Konzepte für eine Weiterentwicklung der Lußhardtschule anschauen“, so Ortsvereinsvorsitzende Miriam Walkowiak in ihrer Begrüßung. Eine ergebnisoffen geführte Diskussion könne da nur hilfreich sein. Das große Interesse an der Veranstaltung zeige, wie wichtig es Eltern, Lehrern, Hortpädagogen und Vereinsvertretern ist, über eine passende Form der Betreuung der Kinder zu sprechen.

Derzeit gibt es in Neulußheim mit der Kernzeit und dem Hort an der Lußhardtschule eine gut funktionierende Betreuung für die Grundschulkinder. Aber was passiert, wenn der Bedarf steigt? Und was verbirgt sich hinter dem Begriff „Ganztagsschule“ eigentlich?

„Ganztagsschule – offen diskutiert“, lautete deshalb der Titel der Veranstaltung, bei der der Landtagsabgeordnete Daniel Born, Mitglied im Bildungsausschuss des Landtags, die möglichen Konzepte für Ganztagsschulen in Baden-Württemberg vorstellte.

Angebot muss passen

Born machte eingangs deutlich, dass es immer um das Wohl des Kindes gehen müsse und jede Gemeinde die passende Form finden sollte. Kurz stellte er die beiden möglichen Schulformen mit ihren Vor- und Nachteilen vor: die verbindliche Ganztagsschule (ganztags) und die Wahlform (halb- und ganztags). Dabei wurde klar zum Ausdruck gebracht – was in Städten funktioniere, könne auf dem Land ganz anders aussehen.

Im aktuellen Koalitionsvertrag sei der Ausbau von Ganztagsgrundschulen fest verankert. Ihr Anteil soll in den nächsten fünf Jahren von aktuell 29 Prozent (davon aber nur acht Prozent als verbindliche Schulform) mehr als verdoppelt werden. Äußerst wichtig sei, Transparenz über diese Schulform zu schaffen und kritische Meinungen aufzunehmen, aber auch mitzunehmen, was sich an Vorteilen biete. Ob Bildungsgerechtigkeit, Vereinbarung von Familie und Beruf, das Angebot pädagogischer Konzepte über den ganzen Tag und die Einbeziehung von Vereinen könne nur gelingen, so Born, wenn die Eltern gänzlich hinter dem von ihnen als am sinnvollsten erachteten Weg stünden.

Das Stimmungsbild der Anwesenden war klar und deutlich. Rektorin Christine Harz stellte, wie Born, das Wohl des Kindes in den Vordergrund und das, was gut für die Eltern, Schule und Gemeinde sei. Sie hob den „super Hortbetrieb“ hervor, in dem sich die Kinder wohl und geborgen fühlten. Natürlich sei diese Betreuung im Gegensatz zur Ganztagsschule nicht kostenfrei. Hausaufgabenbetreuung und Ferienbetreuung miteingeschlossen. Für viele, die nicht so gut verdienen, kaum leistbar.

Die Leiterin des Horts, Christine Pech, bestätigte, dass es eine gute Zusammenarbeit und einen guten Austausch zwischen Schule, Hort und Kernzeitbetreuung gäbe. Zurzeit nutzen den Hort 40 Kinder in zwei Gruppen. Ob eine weitere Gruppe nötig sei, werde sich zeigen.

Wie lange Kinder noch Kinder sein dürfen, welche Inhalte die vorgestellten Schulformen haben, die anschließende Diskussion war kontrovers und aufschlussreich. Zwischen Theorie und Praxis gebe es große Unterschiede, so ein Vater, zugleich Pädagoge. Viele Schüler seien in Ganztagsschulen körperlich und mental überfordert, die Selbstentfaltung bliebe oft auf der Strecke.

Eine junge Frau sah in der Wahlmöglichkeit einen Kompromiss, während ein Vater, der das Schulsystem in Ostdeutschland erlebte, sagte, dass Kinder sich auch an so eine Schulform gewöhnen könnten, wenn gewisse Rahmenbedingungen wie Rhythmisierung der Unterrichtseinheiten, Klassenstärke und Ausdünnung der Lehrpläne geschaffen würden.

Ausgepowerte Kids, so ein ehrenamtlicher Trainer, seien nach dem ganztägigen Schulbetrieb für Sport nicht mehr zu begeistern. Für Vereine, die in den Ganztagsschulbetrieb einbezogen werden sollen, ist das ehrenamtlich nicht leistbar, so die Vorsitzende des TB Germania. Daniel Born dankte für die kritischen Diskussionsbeiträge und den Einblick in die Praxis. Die Lußhardtschule mit Hort und Kernzeitbeteuung gehe in Neulußheim einen sehr guten Weg. Ein großer Schwachpunkt sei jedoch, dass sich diese Angebote nicht jeder leisten könne.

Klebepunkte auf einem Flyer, von den Anwesenden angebracht, zeigten dann deutlich auf, dass Schule, Hort und Kernzeitbetreuung bei den Besuchern der absolute Favorit waren. Schule sozial gerechter gestalten, Zuschüsse gewähren oder noch besser Gebührenfreiheit schaffen, werden Ziel und weiterhin Thema der Neulußheimer SPD sein. rh

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