Neulußheim

Aktiv im Alter Grüne zeigen Film über gemeinschaftsfördernde Bauten / Teilnehmer zeigen Verbesserungsbedarf in der Gemeinde auf

Senioren vermissen vor allem ein Café

Neulußheim.Wie schnell man krank werden kann, wissen gerade Senioren nur allzu gut. So ging es auch Stephanie Aeffner, die seit 2016 das Amt der Landesbehindertenbeauftragten bekleidet und wegen Krankheit kurzfristig ihren Vortrag „Altersgerechte Gesellschaft“ beim Seniorennachmittag „Aktiv im Alter“ absagen musste. Monika Schroth, Gemeinderätin und Sprecherin der Grünen im Gemeinderat, und der neu ins Gremium gewählte Dr. Markus Hartmann, die für den Nachmittag für die Senioren verantwortlich zeichneten, mussten also eine Alternative finden.

Sie nahmen die Herausforderung an und zeigten mit Hilfe von Jannis Bauer an der Technik einen Film. Das filmische Interview mit Professorin Christiane Thalgott, Stadtplanerin und Aufsichtsratsvorsitzende der Münchner Gesellschaft für Stadterneuerung, zeigte Beispiele, wie man im öffentlichen Raum mit gemeinschaftsfördernden Bauten Begegnungspunkte und Angebote schaffen kann.

In der gewohnten Umgebung

War Stadtplanung in früherer Zeit eine Männerdomäne, so hat sich durch den Einfluss der Frauen das Blickfeld geändert. Wie können Städte so umgebaut werden, dass Bedürfnisse wie Mobilität, Angebote der Daseinsvorsorge, barrierefreie Gehwege, das allgemeine Miteinander in Häusern und Quartieren und so weiter verbessert werden? Ziel sei doch, so lange wie möglich im Alter in der gewohnten Umgebung zu leben, sagte die Expertin.

Christiane Thalgott sprach im Film die Brisanz der Zunahme der Einpersonenhaushalte an. Familienbindungen nehmen ab, das allgemeine Miteinander komme zu kurz. Hier müssten öffentliche Räume in Häusern, in Genossenschaften geschaffen werden. Vorbildlich sei ein Projekt des Münchner Westens, wo gemeinschaftsfördernde Bauten in Quartieren mit Grünflächen ohne Verkehr, mit kurzen Wegen, und Übersichtlichkeit die Chancen für ein Miteinander zwischen Jung und Alt fördern. Eine persönliche Begegnung sei reale Kommunikation. Auch im Zeitalter der Digitalisierung und von Angeboten wie einem Einkauf bei Amazon sei wichtig: Menschen suchen und brauchen Menschen.

Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum haben, Einkaufsmöglichkeiten bieten, um am Leben teilzunehmen – diese ökonomischen Rahmenbedingungen müssen Aufgaben der nächsten Jahre sein, findet auch Markus Hartmann, der ebenfalls Beispiele von gut durchdachter Seniorenarbeit der Stadt Rödental bei Coburg aufzeigte. Beseitigung von Stolperfallen, Übergänge, Bordsteine, öffentliche Toiletten, besserer Nahverkehr, Niederflurbusse, Schriftgröße auf Fahrplänen, mehr Hörbücher in Büchereien, wöchentlicher Besuch bei Senioren und deren Bedürfnisse erkennen sowie bei Bedarf helfen, sei wichtig.

Der Film übermittelte den Senioren viele Eindrücke, die auch für ihre Gemeinde umgesetzt werden könnten. Sie hatten Gelegenheit, zu äußern, was für sie in Neulußheim im Argen liegt. Fehlende Grünflächen, kein Metzger, keine Bänke und kein Platz, um sich bei schönem Wetter draußen zu treffen, kamen zur Sprache. Wegen geparkter Autos Slalom fahren zu müssen, noch immer kein barrierefreier Zugang zum Bahnhof, fehlende Bäume, Felder, die wegfallen, Hausarztprobleme und vor allen Dingen das Fehlen eines Cafés beschäftigte die Senioren.

In den Gemeinderat einbringen

Ein Café wäre auch ein Wunsch von Pfarrerin Katharina Garben, damit nach Trauerfeiern eine Zusammenkunft gegeben ist. Auch der Wunsch nach einem Mehrgenerationenhaus in der Alten Schule, Bau A, wurde angesprochen. In Neulußheim gibt es noch viel zu ändern und viel zu tun, erklärten Monika Schroth und Markus Hartmann. Sie wollen das gerne mit in den Gemeinderat nehmen. Dass Anliegen der Bürger ernst genommen werden und die Gemeinde sich ernsthaft um Geschäfte in der Ortsmitte bemüht habe, wurde von einer Gemeinderätin im Saal bestätigt.

„Mensch ärgere dich nicht“, so drückte es Pfarrerin Katharina Garben treffend aus und machte Mut. Dieses lehrreiche Brettspiel, das 1910 in Lazaretten des Ersten Weltkrieges gespielt wurde, zeige das richtige Leben auf: Nicht aufgeben, in Rückschlägen neue Chancen sehen und sicher sein, dass Gott seine Hand über alles legt.

Zufrieden, im barrierefreien Gemeindesaal doch noch einen schönen und informativen Nachmittag durch den Ortsverband der Grünen erhalten zu haben, freuten sich die Senioren schon auf das Gemeindefest am Sonntag, 29. September, in und um den Podeykindergarten am Alten Bahnhof. rhw

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