Neulußheim

Kulturtreff Alter Bahnhof Der Kreis der Ehrenamtlichen wird weiter aktiv bleiben und soll künftig vom Rathaus durch zwei 450-Euro-Kräfte unterstützt werden

Teilzeitkräfte sollen das Erbe Maiers meistern

Archivartikel

Neulußheim.Ende Herbst geht Klaus Maier von der Verwaltung in den Vorruhestand. Eigentlich nicht der Rede wert, wäre Maier nicht für den Kulturtreff zuständig. Besser gesagt, er ist und war der Motor des kulturellen Lebens im Alten Bahnhof und hat diesen als Veranstaltungsort weit über die Grenzen der Gemeinde hinaus bekannt gemacht. Neulußheim darf sich eines kulturellen Angebots rühmen, das selbst größeren Kommunen ebenbürtig ist.

Weshalb der Rat schon jetzt die Diskussion sucht, wie die Nachfolge von Maier zu regeln ist. Dieser handelte nicht alleine, ihm standen die Ehrenamtlichen des Vereins Kulturtreff zur Seite, die auch weiterhin aktiv sein wollen. Bürgermeister Gunther Hoffmann such deshalb mit dem Kulturtreff das Gespräch, um die Zukunft zu besprechen.

Verein will sich einbringen

Dabei, so Hoffmann bei der Ratssitzung, sei deutlich geworden, dass der Verein wolle im bisherigen Umfang mitarbeiten wolle und die Gemeinde weiterhin als Veranstalter fungieren und sich um die Organisation kümmern soll. Dies trifft besonders auf die Bereiche Verpflichtung der Künstler, Verträge und Ähnliches zu. Aus einer von Maier erstellten Auflistung geht hervor, dass jährlich im Alten Bahnhof sechs Kunstausstellungen, zehn Kleinkunstabende und sechs Frühschoppen im Sommer stattfinden.

Die Kunstausstellungen werden überwiegend von Wolfgang Treiber organisiert, der jedoch bei der Werbung weiterhin von der Verwaltung unterstützt werden will. Während die Kleinkunst allein Maiers Bereich ist, von der Organisation bis zur Bestuhlung, wird er bei den Frühschoppen-Terminen von den Ehrenamtlichen unterstützt.

Den jährlichen Arbeitsaufwand für den Alten Bahnhof beziffert Maier mit rund 400 Stunden, weshalb Hoffmann dem Rat nun vorschlug, da eine entsprechende Stelle in der Verwaltung nicht vorhanden ist, Maier im Bereich Kulturtreff durch zwei 450-Euro-Kräfte zu ersetzen. Die eine Kraft könne zuständig sein für Kunstausstellung und Abendveranstaltungen, die andere für Frühschoppen und Summertimeparty. So sei es mit dem Verein abgesprochen.

Norbert Jacobi (CDU) lobte die Arbeit im Kulturtreff, „sie ist weit über Neulußheim hinaus bekannt und so soll es bleiben“, und betonte, dass eine Kürzung von Stunden oder sonstige Beschneidung der Arbeit nie zur Frage gestanden habe. Die Liste von Maier und die Zustimmung des Vereins sprechen für die zwei 450-Euro-Kräfte. Wobei, betonte Jacobi, es viele Menschen gebe, die das gerne machen würden, auch wenn diese Art der Beschäftigung immer kritisiert werde.

Lob für das in 19 Jahren gewachsene Angebot, das die Gemeinde genießen dürfe, gab es gleichermaßen von Sven Nitsche (FWV). Hierfür dankte er Klaus Maier und den Ehrenamtlichen. An diesem Werk soll der Rotstift nicht angesetzt werden und auch die Ehrenamtlichen, die deutlich gemachten hätten, was sie leisten können und was nicht, sollen weiter eingebunden werden.

Die Lücke, die Maier in diesem Bereich hinterlässt – er hatte in der Verwaltung noch andere Aufgaben – lässt sich für Nitsche mit zwei 450-Euro-Kräften schließen. Zumal dann auch der Verein die Chance habe, sich einzubringen.

„Attraktiv dank Kulturarbeit“

„Wie sind eine attraktive Wohngemeinde, auch wegen der Kultur“, stellte Heidi Roß (SPD) fest und dies solle so bleiben. Wenn an dieser Stelle der Rotstift angesetzt werde, gehe der Name, den sich die Gemeinde im Rhein-Neckar-Raum gemacht habe, verloren. Um dies zu verhindern, forderte die Sozialdemokratin die Schaffung einer Halbtagsstelle und zusätzliche die Einstellung einer 450-Euro-Kraft. Nur so könne der Status der „Vier-Sterne-Gemeinde“ gewahrt bleiben.

In die gleiche Kerbe hieb Monika Schroth (Grüne), die den Bereich der von Maier verantworteten Kultur als Aushängeschild der Gemeinde bezeichnete und die Frage in den Raum stellte „Was ist uns dies Wert?“ Zwei Minijobber, die Schaffung prekärer Arbeitsplätze, kann in ihren Augen nicht die Antwort sein. Sie forderte die Ausschreibung einer Halbtagsstelle.

Anders sei die Arbeit nicht zu leisten, so Schroth, die Maiers Zeiterfassung von der Milde des Vergangenen nach unten reduziert zieht und vermutet, dass sie in Wirklichkeit viel höher liegt. Immerhin, merkte sie an, gehe er dank seiner vielen Überstunden fast ein halbes Jahr früher in den Vorruhestand, schon im Herbst statt im Frühjahr.

Vieles ging ihm leicht von der Hand

Die fraktionslose Ingeborg Bamberg erinnerte daran, dass Klaus Maier in den vergangenen 20 Jahren viel Routine erwachsen sei: „Der hat vieles aus dem Ärmel geschüttelt“. Wer neu in die Position komme, der tue sich nicht so leicht, komme mit den von Maier aufgelisteten Stunden, nicht hin. Und, wollte sie wissen, was ist mit den anderen Aufgaben von Maier, vom Weihnachtsmarkt bis hin zu den Festen, wer leistet diese Arbeit?

Doch Grüne, SPD und Bamberg drangen mit ihrer Argumentation nicht durch und waren CDU und FWV auch zahlenmäßig knapp unterlegen, so dass sich die Verwaltung mit ihrem Vorschlag der zwei 450-Euro-Kräfte durchsetzte.

Das Wichtigste von heute
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker überregional