Neulußheim

Kulturzentrum Alter Bahnhof Anna Krämer und Rainer Klundt bereiten als „Twotones“ dem Publikum ein himmlisches Vergnügen

Treffsicher stets mitten ins Herz

Neulußheim.„Der Himmel ist oben“ – hinter einer auf den ersten Blick ein wenig platt wirkenden Tatsache verbirgt sich oft ein tieferer Sinn, der den Blick zwar in dieselbe Richtung lenkt, aber auf eine besonders intensive Art. So geschehen am Freitagabend im Kulturzentrum Alter Bahnhof, wo das „Klaus-Maier-Abschieds-Wunschkonzert“ in die nächste Runde gegangen ist: Die treuen Kulturbahnhofs-Fans haben sich die „Twotones“ herbeigewählt.

Das charmant-geniale Duo aus Oftersheim und von der Weinstraße vereint die charismatische und vielseitige Stimme Anna Krämers mit der schnoddrig-kultivierten Machart des Pianisten und Sängers Rainer Klundt zu einem Ganzen, das sehr viel mehr ist als die Summe seiner Teile: eine musikalisch reizvolle, abwechslungsreiche Show um scheinbare Alltäglichkeiten, die sich zu einem himmlischen Vergnügen mischen.

Von zärtlich bis genial grauenvoll

Dabei können die beiden, die sich seit vielen Jahren auf der Bühne beharken und in einer künstlerischen Dauertrennung leben, „Deine Gedanken sehen“, können als Helene-Fischer-Double eine zärtliche „Ach Liebling“-Ballade in eine reißerische Polka übergehen lassen oder kuschelig-weich eben noch „Alles was Du willst“ besingen, um danach mit dem „Zirkus des Grauens“ den Lehrern ein unrühmlich-skurriles Denkmal zu setzen.

Wenn man die Kohäsionskraft der beiden Ausnahmekünstler untersucht, kommt man schnell an ihre langjährige Erfahrung, die dem ganz besonderen Talent große Natürlichkeit verleiht: Anna Krämer, die ihre Ausbildung nicht nur in Mannheim, sondern auch in New York erhalten hat und die bereits vor 20 Jahren mit dem „Hockenheim-Musical“ „Human Pacific“ an der Seite Xavier Naidoos glänzte, findet sich stimmlich in absolut jeder Rolle zurecht.

Ob sie verliebt „Kein Geld der Welt“ trällert, aufrührerisch im Manager-Schmählied die „Renditen-Banditen“ geißelt, die „so viel Glück auf dem Gewissen“ haben oder mit dem philosophisch-liebevollen Titellied „Der Himmel ist oben“ das gänsehautschwangere Finale unter das Konzert setzt – immer ist die Mittvierzigerin ganz daheim in ihren Liedern, mal als Nina-Hagen-Verschnitt, mal als Kuschelmaus mit Erotik-Stimme: So reizvoll wie sie auf der Bühne steht, so sehr trifft sie ihre Zuhörer ins Herz.

Hinterm Klavier zurückgekeift

Gleiches gilt für Rainer Klundt: Der langhaarige Meister der Tasten lässt sich hinter seinem Klavier ankeifen, bellt zurück und streut dazwischen Melodiefeuerwerke, die es in sich haben – perlende Tongemälde, mal antreibend, mal zuckerwatteweich. Zusammen sind sie ein unvergleichliches Duo, das durch seine musikalische Größe beeindruckt.

Umso bedauerlicher, dass sich die beiden eine Art „Musikklamauk“ zugelegt haben: Rollen, aus denen sie kaum noch entkommen zu können scheinen. Vor allem das Gekasper der schönen Krämer wirkt dann reichlich gestelzt, passt so gar nicht zu ihrer stimmlichen Größe und atmet irgendetwas zwischen billiger Comedy und unfreiwilligem Slapstick. Manche mögen es auch witzig finden – zu einem homogenen Gesamtbild des musikalisch so fesselnden Abends trägt es nicht bei.

Einmal schluckt man, dann klingt aber schon wieder diese wundervolle Musik im Ohr – und die Antwort auf das rassig-gefühlvolle „Was denn noch?“: der nächste Wunschkonzert-Abend mit den „Twotones“.

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