Neulußheim

Alter Bahnhof Sandra Obel beendet Ausstellungsreigen 2019 mit Werken voller Kraft und Vitalität / Farbintensive Malerei in Acryl, Tusche, Kohle und Naturmaterialien

Walzer der Erinnerungen und Erfahrung

Archivartikel

Neulußheim.Mit einem „Farbklang“, einer Werkschau der in Ladenburg lebenden Künstlerin Sandra Obel, hat sich die Kunstausstellungsserie für dieses Jahr aus der Vier-Sterne-Gemeinde verabschiedet. Die Schau, deren Vernissage am Freitagabend im Alten Bahnhof musikalisch von Kim Frost am Klavier umrahmt wurde, zeigte abstrakte bis gegenstandslose Bilder, die dafür in kräftigen Farben einen Kontrapunkt zum einsetzenden Herbst-Winter-Grau setzten.

In Offenburg zwischen Karlsruhe und Freiburg geboren, hat Sandra Obel zunächst eine völlig andere Richtung eingeschlagen: ein Studium der Betriebswirtschaftslehre. Bis die Kunst, die in der charismatischen Frau mit der enormen persönlichen Präsenz, die hinter ihren Werken nicht zurückstehen muss, schon immer arbeitete, sich ihren Weg brach.

Emotionale Momente im Fokus

An einer ganzen Reihe von Kunstakademien und in gemeinsamen künstlerischen Studien mit zahlreichen namhaften bildenden Künstlern hat Sandra Obel sich einen Stil angeeignet, der von Kraft und Vitalität geleitet seine Ausdrucksweise nicht in der Wiedergabe des Gegenwärtigen findet, sondern den Schaffensprozess als solchen, die dabei vorherrschenden inneren Dialoge und Auseinandersetzungen, die emotionalen Momente des künstlerischen Akts in den Mittelpunkt des Interesses stellt.

In Acryl, Tusche, Kohle und Naturmaterialien schafft sie vielschichtige Bilder, deren Werden als Prozess für den Betrachter optisch wie haptisch nachvollziehbar wird. Dem von unkritischen Betrachtern oft gehörten „Das könnte ich auch“ setzte „Kunstpapst“ Wolfgang Treiber in der Werkeinführung ein ungewöhnliches „Eben nicht!“ entgegen.

Und tatsächlich erfreut sich die Künstlerin mit den ebenso charakterstarken Bildern auch dadurch einer bemerkenswerten Offenheit beim Publikum, dass sie mit einigen „nur“ abstrakten Werken unter Beweis stellt, dass sie auch handwerklich zu Großem in der Lage ist.

Beispielhaft sei das großformatige „Aquarius II“ genannt, ein abstrakter und dabei durch das Zutun der Betrachterfantasie erstaunlich gegenständlich wirkender Teich, in der die angedeutete Botanik, das sich spiegelnde Licht und die Reflexionen ein farbenprächtiges Miteinander eingehen – gleichsam die perfekte Einstiegsdroge, die in das Oeuvre mit deutlicherer Abkehr vom Gegenständlichen mitreißt.

Auf intensiven Blick einlassen

Auf diesem Weg führt das Bilderdoppel „Des Sommers letzte Rose“, ein Spiel mit in unseren Köpfen abgespeicherten Archetypen, bei dem aus Formen und Strukturen, die bei flüchtiger Schau nicht mehr als rote, von weichen weißen und scharfen schwarzen Linien umrandete Kleckse zu sein scheinen, sich unter einem wirr dahingeworfenen Dust aber die Königin der Blumen aus dem pastös-sandigen Grund hervorhebt – zumindest für den, der sich auf den intensiven Blick einlässt und der auch die Dornen nicht scheut.

Enden könnte man beim „Sommerregen“, einer großformatigen Arbeit, deren explosive Kraft, aber auch vielschichtige Koketterie mit dem Ungesagten das Wollen der Künstlerin mit einer unausweichlichen Offenheit bannt und die Leinwand zur Mediationsfläche weiht, auf der der Betrachter mit seinen Blicken und Gedanken verweilen kann, um eigene Erfahrungen und Standpunkte mit dem Geschauten in Einklang oder Dissonanz zu bringen.

Die 32 Exponate von Sandra Obel laden ein zum gemeinsamen Tanz der Fantasie und der Gedanken, zu einem Walzer der Erinnerungen und Erfahrungen – ein visuell hörbarer Farbklang eben.

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