Neulußheim

Aktiv im Alter „Wir für Neulußheim“ weckt mit einer fotografischen Gartenreise Lust auf ein blühendes und buntes Neulußheim

Wer möchte eine Baumscheibe betreuen?

Archivartikel

Neulußheim.Den schönsten Kontrast zum regnerischen Wetter bot Gemeinderätin Ingeborg Bamberg vom noch jungen Verein „Wir für Neulußheim“ mit einer Gartenreise in Bildern. Die graue Tristesse des Tages wurde noch vor den Einschränkungen der Versammlungsfreiheit mit Kaffee und Kuchen aufgehellt. Die Senioren ließen sich mit fantastischen Bildern zu historischen und modernen Gärten in europäischen Ländern entführen. Charmant und ohne Notizen begann Bambergs beeindruckende Fotoreise in Frankreich in Gärten an der Loire. Neun vollbeschäftigte Gärtner ziehen in biologischem Anbau 60 000 Gemüse- und 45 000 Zierpflanzen im Ornamentalen Küchengarten des „Chateau de Villandry“ für die Gärten heran.

Unterschiedliche Staatsführungen prägten die historischen Gartengestaltungen, die bis heute Nachwirkungen haben. Ein Beispiel sind die Barockgärten Ludwig XIV. Er war nicht nur Herrscher über Land und Menschen, sondern hier wuchs nichts ohne sein Kommando. So kann man auch Macht ausdrücken, zumal Mittel für die zeitaufwendige Instandhaltung vorhanden waren. In den Barockgärten mit prächtigen Buchsbaumornamenten wurde nichts dem Zufall überlassen. Europaweit orientierte man sich am Stil der französischen Gartenkünstler. Ein Blick in den Schwetzinger Schlossgarten oder in den von Schloss Linderhof in Bayern zeige, dass sich dieser Stil bis in die heutige Zeit fortsetze.

Naturgärten in England

Wie Gärten funktionieren können, ohne in Arbeit auszuarten, zeigte Ingeborg Bamberg anhand von Naturgärten auf. Von Frankreich ging deshalb die Reise nach Südengland. Hier war der englische König aufgrund des Parlaments nicht so allmächtig. Die Gartenexperten hatten das Wort. Umsonst heißt es nicht, dass Engländer große Gärtner seien. Vielfältigkeit, Nähe zur Natur, pflegeleichte Staudengärten, weniger Arbeitsintensität und doch Sinn für Verspieltes auch unter dem Aspekt „schön ist auch, was alleine wächst“, wurde mit Bildern untermalt. Fotos vom kargen Kreidefelsen in Dover, wo humusarm gelbe Blumen wachsen, im rauen Klima Pflanzen überleben – die Natur sei einfach einzigartig, schwärmte die Referentin. Einzigartig auch das Iden-Projekt. Bilder des öffentlichen Gartens mit verschiedenen Klimazonen zeigten auch, welche Anstrengungen von Laboren unternommen werden, um Pflanzen für die Zukunft zu sichern.

Bambergs führten die Senioren dann auf einem kleinen Abstecher nach Singapur, von wo sie Bilder des größten Gewächshauses der Welt mitgebracht hatten. Auch hier die Frage, wie sieht der Garten bei weniger Platz aus. Beeindruckend waren die Super Trees. Riesige Stahlgerüste in denen in der Mitte Wasser gesammelt wird, durch Fotovoltaik tagsüber Energie gewonnen wird, um nachts mit bunten Illuminationen zu verzaubern.

Durch Klimaerwärmung wird eine Umorientierung stattfinden müssen, sagt Ingeborg Bamberg. Bei Reisen nach Lissabon oder Athen habe sie sich gefragt, wie gehen die mit öffentlichem Grün um. Große Bäume, die Schatten werfen, Fassaden- oder Stadthausbegrünung ließen erkennen, dass Grün nicht vom Geldbeutel abhängig sein müsse. Ideen seien gefragt.

Zurück in Neulußheim zeigte sie auf, wie Garten auch funktionieren kann. Abschreckend dabei ihre Fotos von Schottergärten. Die Natur hole sich die Flächen wieder zurück, wie man anhand von Steingärten mit Unkraut und Folien sehen konnte. Garten soll Freude machen, nicht ständige Arbeit.

Der Verein „Wir für Neulußheim“ habe sich zum Ziel gesetzt, Neulußheim bunter und grüner zu machen. Anhand von Fotos, die bei der Aktion am Schickardpark 2015 gemacht wurden, bei der 900 Pflanzen gesetzt oder zwei Baumscheiben in der Hockenheimer Straße bepflanzt wurden, zeigen, dass sich nach intensiver Arbeit das Ergebnis sehen lassen kann. Mit Anwohnern wurde in der neuen Ortsmitte ein Grünstreifen bepflanzt und im Herbst hat man kostenlos Krokusse verschenkt.

Zum Abschluss des Nachmittags durften die Gäste einen Blick in den Garten der Referentin werfen, wo es herrliche Stauden und Gänseblümchen im Rasen statt englischem Rasen gibt. Mit dem Foto ihrer Strauchrose „Angela“ war die Begeisterung der Senioren endgültig geweckt.

„Lassen Sie uns Neulußheim aufblühen“, rief Ingeborg Bamberg den Senioren zu, die sich beim Heimgehen ein Tütchen Blumensamen oder Infomaterial über Veitshöchheimer Staudenmischungen der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau mitnehmen durften. Wer eine Gießpatenschaft für eine Baumscheibe übernehmen möchte, die der Verein „Wir für Neulußheim“ gerne bepflanzt, könne sich melden.

Alexandra Özkalay vom Kulturamt dankte Ingeborg Bamberg für die informative Gartenreise. rhw

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