Oftersheim

Kerwe Frauen des Arbeitskreises "Volkskunde und Brauchtum" binden Sträuße / Die Kerweborscht verteilen diese traditionsgemäß am Wochenende an die Wirtschaften

Alte Bräuche und flatternde bunte Bänder

Oftersheim."Dieses Jahr ist das Laub noch gar nicht richtig bunt", lacht Friedl Vobis und beäugt den großen Laubhaufen im Hof des Heimatmuseums. Gemeinsam mit Yvonne Wierer, Judith Grigo, Carmen Zund, Margit Puff, Ute Knab und Christa Brake bindet sie fleißig Zweige aneinander und schmückt die fertigen Sträuße mit buntem Kreppband. Alljährlich werden die Kerwesträuße vor dem Kerwewochenende gebunden und bei der Eröffnung von den Kerweborscht an die Wirtschaften der Hardtwaldgemeinde verteilt.

Diesen schönen Brauch behalten die Frauen des Arbeitskreises "Volkskunde und Brauchtum" bereits seit 30 Jahren bei. Dass es ihnen Freude bereitet, solch einen großen Teil zur Kerwe beizutragen und eine Tradition aufrechtzuerhalten, sieht man den Frauen an. Neben den Kerwevorbereitungen kümmern sie sich im Rahmen des Arbeitskreises außerdem um die Dekoration auf dem Weihnachtsmarkt, binden Osterkronen und besuchen Museen.

Viele Riten und Bräuche der ursprünglichen "Kirchweihe", die seit dem Mittelalter gefeiert wird, sind im Laufe der Zeit verloren gegangen oder sind wie die Bezeichnung abhängig von der Region. Während die Kerwe vielerorts nur als Jahrmarkt oder Rummel gefeiert wird, haben Bräuche in der Hardtwaldgemeinde Bestand. Das Laubmaterial für die Sträuße wird von den Männern des Arbeitskreises in Zusammenarbeit mit den Förstern besorgt, die außerdem beraten, wo welches Laub im Wald aufgesammelt werden kann.

Im Heimatmuseum gelagert

Beim Binden erzählen die Frauen von dem Brauch und der Funktion dahinter: "Die bunten Sträuße werden jetzt am Kerwewochenende von den Kerweborscht an die Gastwirtschaften verteilt", erklärt Yvonne Wierer. Die Wirtschaften hängen den Strauß dann vor ihrem Eingang auf. "Das soll symbolisieren: Hier kann gut gegessen und getrunken werden." Die Kerwewirtschaften lassen die schön gebundenen Sträuße auch manchmal noch über die Kerwesaison hinaus hängen.

Die fertigen Sträuße werden bis Samstag zunächst im Heimatmuseum gelagert. Am Samstag werden sie in einen mit Girlanden und Blumen geschmückten Wagen zu der Symbolfigur der Kerwe gelegt: Eine Strohpuppe, gekleidet in alte Klamotten der Arbeitskreis-Frauen, und sogar mit Rouge und Lippenstift geschminkt.

Kutsche für ferne Ziele

Die Puppe trägt jedes Jahr einen anderen Namen, der diesjährige wird am morgigen Samstag von den Kerweborscht bekanntgegeben. "Sie personifiziert die Kerwe jedes Jahr neu", sagt Friedl Vobis. Traditionsgemäß wird die symbolische Strohpuppe im Anschluss an die Kerwe verbrannt beziehungsweise beerdigt.

Den dekorierten Wagen mit Puppe und Sträußen nehmen die Kerweborscht am Samstag mit zur Eröffnung. Zu weiter entfernten Wirtschaften fährt die lustige Truppe dann mit der Kutsche.

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