Oftersheim

Evangelische Gemeinde Regional-Gottesdienst mit Altbischof Ulrich Fischer

Augen öffnen für Gottes Werke

Archivartikel

Oftersheim.Einen „sommerlichen Liebesbrief“ hatte Altbischof Ulrich Fischer den Gottesdienst-Besuchern aus der Region Schwetzingen zum sogenannten „Regio-Gottesdienst“ versprochen. Und einen wahren Liebesbrief brachte er mit, schreibt Pfarrerin Esther Kraus in einer Pressemitteilung. Verziert hatte er ihn mit den schönsten Szenen aus der Natur mit dem Paul-Gerhard-Lied „Geh aus, mein Herz, und suche Freund“, begleitet vom Posaunenchor und Rainer Ruhland an der Orgel.

Mit einem Schmunzeln im Gesicht schaute Ulrich Fischer die Konfirmanden an: „Liebesbriefe kennt ihr ja gar nicht mehr. Ihr schreibt WhatsApp-Nachrichten mit Smileys, E-Mails und Tweets. Aber handgeschriebene Liebesbriefe bringen Gefühle zu Papier und lösen beim Adressaten Gefühle aus, sie knüpfen und stärken Liebesbande – das kann keine Nachricht vom Handy aus.“

Sein Liebesbrief, so der Prediger, den er heute mitgebracht habe, basiere auf dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Thessaloniki. Paulus selbst habe diese Gemeinde unter großen Mühen gegründet. Klein war sie noch: Sie hatte nur 70 Mitglieder. Und sie war gefährdet durch Bedrohungen von außen und Streit im Inneren. Und doch dankte Paulus Gott in überschwänglichen Worten gerade für diese Gemeinde: Mit ihrer Arbeit in der Liebe, ihrer Geduld in der Hoffnung, mit ihrer Kraft im Heiligen Geist seien sie Vorbild für alle Gläubigen in Makedonien und Achaia geworden.

„Sah denn Paulus nicht, wie kümmerlich die Gemeinde in Wahrheit war?“, fragte der Prediger. „Sicher sah er es, doch er sah es mit anderen Augen“, war seine Antwort. Er sah hinter der kümmerlichen Fassade Menschen, die eine entscheidende Wandlung ihres Lebens erfahren haben. Er sah, wie Glaube, Liebe und Hoffnung in ihnen eine unglaubliche Kraft entwickelt und sie zu einer Fülle tätigen Christseins gebracht habe. Deshalb habe Paulus seinen Liebesbrief mit dem Positiven begonnen.

Dann wandte sich Ulrich Fischer direkt an die Gottesdienstbesucher in der voll besetzten Kirche: „Sind wir nicht vielmehr gewohnt, von Defizit-Erfahrungen her zu denken und zu reden? Wir kritisieren und nörgeln, wir klagen und beschweren uns. Und dabei sind wir blind für die Werke des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung, die Gott auch heute in unseren Gemeinden wirkt.“

Kraftquellen des Gemeindelebens

Dabei bräuchten wir nur die Augen zu öffnen, dann würden wir sie in der Alten- und Krankenpflege, der Flüchtlingsarbeit, in jedem Einsatz für ein menschliches Gesicht unserer Gesellschaft und für die Bewahrung der Schöpfung entdecken. „Haben wir nicht allen Grund, Gott dafür im Gebet zu danken, wie Paulus?“, so Fischer. Und wer danken könne, dem gingen eigentlich erst richtig die Augen auf für viel Verborgenes in der Gemeinde und für die Kraftquellen des Gemeindelebens. „Vielleicht“, so endete Ulrich Fischer seine Predigt, „nehmen Sie sich Paulus zum Vorbild und schreiben Sie statt eines kritischen Leserbriefes in der Schwetzinger Zeitung einen Liebesbrief, vielleicht auch einen an die Leitung Ihrer Gemeinden. Das wäre doch etwas!“

Nach dem Gottesdienst stand alles für die Besucher bereit, um weiter ihre Gemeinschaft zu genießen: Kaffee und Kekse, Sekt und Laugenstängel. Fleißige Hände hatten alles gerichtet mit dem Ziel, eine einladende Gemeinde zu sein. ek

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