Oftersheim

Gemeindebücherei „Thilo“ liest Fußball- und Wikingergeschichte für die Erstklässler der Friedrichschule / Pro Woche liest er mindestens zwei Bücher

Autoren dürfen sogar auf dem Tisch sitzen

Oftersheim.Da setzt sich dieser Autor doch einfach mit dem Popo auf den Tisch, und das, obwohl man das doch nicht darf; vor allem die Lehrerinnen das nicht gerne sehen. Thilo Petry-Lassak, nach seinen Angaben zwischen 18 und 65 Jahre alt, ist vom Team der Gemeindebücherei eingeladen und darf das. Die Erstklässler aus der Friedrichschule sind beeindruckt und kichern. „Thilo“, so der Künstlername, erzählt den Kindern, dass er „gut 328 Jahre nach seiner Grundschulzeit“ den Job gefunden hat, bei dem er solche Sachen eben darf: Schriftsteller und Autor.

„Cool“ finden das die Kinder. Irgendetwas fehlt diesem Schriftsteller aber – Ach ja, ein Buch, aus dem er vorliest. Höflich, wie Thilo ist, klopft er an seiner Tasche an und fragt nach, ob das Buch denn da ist und startklar sei. Entspannt antwortet der Schmöker mit dem Titel „Fußballhelden und andere Geschichten“, dass er Lust habe, vorgelesen zu werden. So, damit sind alle Zuhörer drin in der Materie um Buchstaben, Bücher, Geschichten und lebendige Lesung. Wer ein echter Autor ist, kann das anhand von Büchern, auf denen der eigene Name abgedruckt ist, auch beweisen. Detektiv Thilo hat den Beweis erbracht, zeigt seinen Namen auf dem Lesestoff. Jetzt sind alle Blicke bei ihm, die Schüler aufmerksam. Fast schon magisch mutet der Moment der Stille an, als der Vater von vier Kindern den Buchdeckel anhebt und das erste Kapitel aufschlägt. Sogleich mutiert Thilo ein wenig zu einem Reporter rund ums Geschehen bei Jakob und seiner Fußballmannschaft.

Zum Wohle der Mannschaft

Dort geht es ausgerechnet vor einem wichtigen Spiel rund, denn der Mannschaftskapitän wird verletzt und fällt länger aus. Aber ohne Kapitän können die Kicker nicht bei ihrem Spiel antreten. Jakob würde gern den Posten übernehmen, sein bester Freund Linus auch. Das Fußballteam wählt. Linus hat eine Stimme mehr als Jakob. Aber, der verletzte Kapitän hat nicht abgestimmt, der ist ja im Krankenhaus. Nichts wie hin, denken sich die Kinder und besuchen im Kollektiv ihren Kumpel, der mit seiner Stimme dann für das 7:7 und damit Gleichstand bei der Wahl sorgt. Trainer Christoph entscheidet: „Wer beim nächsten Spiel die meisten Tore schießt, ist Kapitän.“ Der Sonntag mit dem alles entscheidenden Spiel steht an.

Alles läuft prima, Linus schießt ein Tor, Jakob auch. Dann hat Jakob die nächste Torchance, kommt aber nicht zum optimalen Schuss und müsste – ausgerechnet – an Linus weitergeben. „Dann hat er ein Tor mehr und wird Kapitän“, schießt es ihm durch den Kopf. „Aber die Mannschaft würde auch gewinnen“, denkt er parallel dazu und spielt Linus den Ball zu, der ihn versenkt. Linus wäre damit Mannschaftskapitän, wenn da nicht die Mitspieler wären. Die haben erkannt, dass Jakob fürs Team entschieden hat und wollen deshalb ihn als ihren Kapitän haben.

Thilo klappt das Buch zu. Echt spannend war die Geschichte und die Vortragsart, die lebendig, dabei wechselnd betont, zum Erlebnis wurde. Ganz schön lange haben die Kinder ruhig gesessen, deshalb sind einige Dehnübungen angesagt: Die Arme hoch und nach unten ausschütteln, dann die Ohren ausschütteln, laut ausatmen. Prima, so sind alle gut drauf für eine weitere Geschichte, die nichts mit Fußball zu tun hat. Jeder kennt den rothaarigen Wikingerjungen, der sich immer an der Nase reibt, wenn er eine gute Idee braucht – Wickie. Thilo Petry-Lassak hat aus einem Drehbuch zu einem Wickie-Film einen Roman gemacht. Das tut er übrigens häufiger.

Computer statt Baumhaus

Ein bisschen gruselig düster schaut Thilo, vermittelt, wie aus dichtem Nebel ein Drachenkopf auftaucht – ein Wikingerschiff. Da schlottert Wickie schon wieder mit den Beinen, hat wirklich Angst, denn es geht zu den Raubrittern. Denen soll er einen Schlüsselbund klauen, damit Papa Halvar und seine Mannen an die Schätze drankommen. Spannend. Aber da klappt Thilo das Buch wieder zu, sagt: „Ihr könnt ja weiterlesen, meine Bücher stehen auch zum Leihen in der Bücherei.“

Es gibt Applaus und noch ein paar Fragen an Thilo, etwa: Wie schreibt man Bücher? Thilo antwortet: „Am Computer, nicht im Baumhaus mit Bleistift oder Kohle.“ Hast du schon mal Fehler gemacht beim Schreiben? Thilo: „Es gibt keine Seite, auf der nicht ein Fehler ist.“ Wie viele Bücher liest du so? Thilo: „Jede Woche mindestens zwei.“ Wie viele Bücher hast du schon geschrieben? Thilo: „Bestimmt 300.“ Thilo schreibt nämlich seit seinem Studium der Publizistik und Germanistik auch Drehbücher, etwa für die Sesamstraße, Siebenstein oder Bibi Blocksberg, dazu Kinder- und neuerdings auch Jugendbücher.

Das Wichtigste von heute
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker überregional