Oftersheim

Das Jahr 2020 Mit Kreativität und Engagement haben sich die Menschen gegenseitig unterstützt / Sorgen und Trauer werden noch eine Weile unsere Begleiter sein

C wie Corona – vor allem aber S wie Solidarität

Archivartikel

Oftersheim.Ein Jahresrückblick von 2020 – gab’s auch noch etwas anderes als Corona? Allzu leicht ist die Versuchung, mindestens neuneinhalb der zwölf Monate, also die Zeit seit dem ersten Lockdown Mitte März bis hin zum Jahresende, mit diesem einen Wort zusammenzufassen. Allenfalls noch mit Begriffen, die untrennbar damit verbunden sind: Ausgangsbeschränkung, Beatmungsgerät, Inzidenzzahl, Lockdown, Mund-Nase-Maske, Pandemie, Sterblichkeitsrate – das Abc des Schreckens ließe sich fortführen.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht – ich möchte mich in diesen Tagen eigentlich lieber an die positiven Aspekte erinnern, die dieses Jahr mit sich gebracht hat und die leichtfertig verschüttet gehen unter einem Berg an Hiobsbotschaften – ahnend, dass uns die schlechten Nachrichten noch eine Weile begleiten werden.

Aktion statt Jubiläumsfeier

Zu den Lichtblicken des Jahres gehört eindeutig die Solidarität mit den Mitmenschen. So hatte der TSV 1895 Oftersheim eigentlich geplant, sein 125-jähriges Bestehen im Verlauf von 2020 mit vielen Veranstaltungen zu feiern. Aber weil nichts daraus wurde, haben die Verantwortlichen dieses mitgliederstarken Sportvereins schnell und unbürokratisch ihr Engagement in andere Bahnen gelenkt und die Aktion „TSV hilft“ ins Leben gerufen. Eine Gruppe von Freiwilligen hat sich zusammengefunden, um für die Risikogruppe – Senioren und Patienten mit Vorerkrankungen – Dinge des täglichen Bedarfs einzukaufen oder Medikamente zu besorgen, um diese Menschen nicht unnötig dem Risiko einer Infektion auszusetzen. Dabei waren nicht alle Unterstützer auch Vereinsmitglieder – allein der TSV hielt die Fäden der Organisation in der Hand.

Aber auch zahlreiche Geschäfte und Lokale haben – sofern nicht bereits ein solcher bestanden hat – ihren Lieferdienst kostenlos auf- oder ausgebaut, häufig sogar kostenlos. Von der oft gescholtenen „Servicewüste Deutschland“ war in diesen Tagen nicht mehr viel zu spüren.

Nähmaschine im Dauereinsatz

Als die ersten Lockerungen kamen und die Mund-Nase-Masken noch nicht in ausreichendem Umfang vorhanden waren, haben sich Frauen (hier und da auch Männer) an ihre Nähmaschinen gesetzt und aus alten Stoffresten die Gesichtsbedeckungen gefertigt – zunächst wurden die Bewohner und Mitarbeiter der Alten- und Pflegeheime versorgt, häufig ebenfalls kostenlos.

Apropos Pflege: Was die Beschäftigten in diesem Berufszweig, sei es in den stationären Einrichtungen wie im ASB-Heim, in der häuslichen Pflege oder insbesondere in Krankenhäusern, geleistet haben, kann nicht genug gewürdigt werden. Aber mit Applaus ist es nun mal nicht getan. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Wertschätzung auch in finanzieller Hinsicht niederschlägt. Auch die Erzieherinnen haben sich nach Kräften bemüht, den Kontakt zu den kleinen Schützlingen zu halten, sie in den schwierigen Zeiten zu Hause mit Spielideen zu beschäftigen und kleinen Videos aufzumuntern – zum Teil mit einem Engagement weit über ihre hinaus, Gleiches gilt auch für die Lehrer, die die Eltern beim Homeschooling in vielfältiger Weise unterstützt haben.

Selbstverständlich sollen und dürfen diese Beispiele des guten Miteinanders, die die Pandemie hervorgebracht hat – und die in Oftersheim längst keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben – nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieses Jahr für viele Menschen in der Hardtgemeinde Sorgen mit sich gebracht hat und auch gegenwärtig noch mit sich bringt: Abgesagte Großveranstaltungen, die ein Loch in die Kassen der Vereine reißen, Arbeitnehmer, die sich Gedanken um den Arbeitsplatz machen, Selbstständige, die sich um die wirtschaftliche Existenz ängstigen. Kranke bangen um die Genesung – und das jüngste Beispiel zeigt: Angehörige und Freunde trauern, das wurde nun bekannt, das erste Mal in Oftersheim um einen lieben Menschen, der an Corona verstorben ist.

Doch gerade weil diese Fakten nicht zu leugnen sind, weil sie uns alle belasten, auch wenn die ersten Impfungen anlaufen, dürfen wir auch aus den kleinen mutmachenden Geschichten des Alltags neue Kraft und Hoffnung schöpfen.

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