Oftersheim

Artischockenfeld Landwirt erwartet fünffache Ausbeute im Vergleich zum Vorjahr / Zwischen 400 älteren Gewächsen bilden sich neue Triebe / Auch unreife Knospen beliebt

Christian Gieser: Es gibt eine super Ernte

OFTERSHEIM.Was sich in seichtem Wind auf dem kleinen Feld neben der Gerätescheune wiegt, sieht exotisch aus, hat kleine Dornen und ist eine Delikatesse. Seit drei Jahre kultivieren Christian Gieser und seine Partnerin Sandra Moras Artischocken. In Nachbarschaft zu Melonen und Spargel sowie als kleine Attraktion für die „Freizeit-Farmer“, die ihre Mietgärten und -beete auf dem Gieser-Hof haben, strecken die herben Schönheiten ihre noch geschlossenen lindgrünen oder auberginefarbenen Knospenköpfe forsch aus der ausladenden, stacheligen Laubrosette.

Dicht an dicht sind in diesem Jahr die Fruchtstände an mehreren Stängeln: „Die 400 Pflanzen aus dem vergangenen Jahr haben den Winter gut überstanden und sind jetzt kräftiger und größer“, freut sich Christian Gieser über diesen Erfolg. Eine Folienabdeckung schützte die Artischocken vor dem Frost. „Nachdem wir die abgenommen hatten, waren bereits erste grüne Blätter da und der Fruchtstand vom vergangenen Jahr ein abgetrockneter Stiel“, schildert Gieser. Rasant hätten sich die neuen Triebe unter der warmen Sonne entwickelten. 120 Zentimeter messen die zweijährigen Artischockenpflanzen mittlerweile.

Mitten im Feld – zwischen hoch gewachsenen und den neu angelegten Gewächsen – ist sich Gieser sicher: „Es gibt eine super Ernte dieses Jahr.“ Der Landwirt mit den innovativen Ideen rechnet mit der etwa fünffachen Menge im Vorjahresvergleich. Die habe schon begonnen, denn Feinschmecker lieben die noch jungen weichen Knospen, die, befreit von den oberen härteren Blättern und in ganz feine Streifen geschnitten, frischem Salat die leicht bittersüße Note verleihen. Nach und nach werden die Blütenknollen fülliger, kurz vor dem Aufbrechen haben sie die richtige Reife für die Liebhaber von Dips und Vinaigretten zum Blattgenuss. Leicht können die Stachelblätter 80 Zentimeter lang werden, die Stängel mit den Früchten stolze 50 Zentimeter bis zwei Meter hoch wachsen. Faustgroß und körbchenförmig sind die Blütenstände, voluminös die Menge an violetten, röhrenförmigen Blüten.

Nichts wird verschwendet

Den natürlichen Bitterstoffen im genießbaren Fruchtfleisch sagt man eine appetitanregende, verdauungsfördernde und cholesterinsenkende Wirkung nach. Aber die besondere kulinarische Delikatesse hat auch über den Verzehr-Reifegrad hinaus ihren Reiz. Der ist dann eher optisch, wenn aus der überreifen Knospe die lilafarbenen, fadenförmigen Blüten herauswachsen. Gieser weiß: „Die dekorativen Blüten werden gerne gekauft.“ Damit ist dann alles aus der Pflanze der Sorten Madrigal und Auporia rausgeholt und die Ruhephase beginnt.

Über die Qualität von Giesers Artischocken lässt sich nicht streiten. Privatpersonen gehören zu seinen Abnehmern genauso wie Restaurants. Seiner Arbeit attestieren die Verbraucher ein dickes Plus, was den Landwirt freut. Und alles, was man für die Zubereitung und Verfeinerung des Gemüses braucht, findet man im Hofladen, der zudem Milchprodukte, Eier und Fleisch neben Gemüse, Honig, Weinen, Likören und „Shrub!“, dem Sirup aus Frucht, Apfelessig und Zucker, im Angebot hat. Natürlich alles von regionalen Erzeugern.

Info: Weitere Bilder unter www.schwetzinger-zeitung.de

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